Wenn jemand anruft, von den Gefahren des Kreditkartenbetrugs schwadroniert, ein Sicherheitspaket anbietet und dann Name, Geburtsdatum und Sozialversicherungsnummer will, dann könnte man sich denken, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Nicht so jedoch die männliche Hauptfigur von „Voll abgezockt“.

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Sandy Patterson (Jason Bateman) hat gerade einen neuen Job angenommen, doch dann gerät sein Leben aus den Fugen. Seine Kreditkarte wird gesperrt und er verhaftet. Wie sich herausstellt, liegt das an Diana (Melissa McCarthy), die seine Identität gestohlen hat und diese nun nutzt, um mit Kreditkarten einzukaufen und Straftaten zu begehen.

Da die Polizei ihm nicht helfen kann, beschließt Sandy, dass er selbst etwas tun muss. Er fährt nach Florida, wo er Diana ausfindig machen und nach Denver zurückbringen will. Dort, so will er sie überzeugen, soll sie seinem Chef erklären, dass er unschuldig ist. Aber tatsächlich plant er, die Polizei auch zuhören zu lassen.

Als er Diana dann jedoch trifft, kommt alles anders als erwartet. Die zwei begeben sich auf einen Road Trip, der immer irrer wird: Sie müssen lügen und betrügen und werden von bewaffneten Männern verfolgt…

Ein Ticket für zwei

„Voll abgezockt“ ist eine handelsübliche Buddy-Komödie, bei der ein ungleiches Paar gezwungen ist, einen Road Trip zu überstehen. Das war in den 80er Jahren mit „Ticket für Zwei“ lustig, vor kurzem auch mit „Stichtag“ noch ganz amüsant, ist in „Voll abgezockt“ aber leider voll ausgelutscht.

Buddy-Komödie, die kein Klischee auslässt, aber vielleicht auch deswegen so erfolgreich ist.Fazit lesen

Das Skript von Craig Mazin ist ausgesprochen schmalbrüstig. Dass er nicht gerade der kreativste Autor Hollywoods ist, hat er schon mit dem Sequel zu seinem Hit „Hangover“ bewiesen. Der zweite Teil kochte nur auf, was das Original vorgemacht hat. Im Grunde verhält es sich auch bei „Voll abgezockt“ so, denn die Geschichte ist nach dem Baukastenprinzip gestaltet und lässt damit jeden Funken Originalität oder Inspiration vermissen.

Voll abgezockt - Voll abgedroschen

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"Ein Ticket für Zwei" hatte seinerzeit die gleiche Grundidee, war aber deutlich witziger als "Voll abgezockt".
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Sympathie für den Unsympathen?

Ein Problem des Films ist, dass er erwartet, man stehe auf Jason Batemans Seite. Allerdings ist seine Figur extrem unsympathisch gezeichnet. Damit bleibt nur die eigentlich auch unsympathische, weil kriminelle weibliche Hauptrolle, um als Identifikationsfigur zu dienen. Da man sie dazu vermenschlichen muss, ergeht sich Mazin in seinem Drehbuch in einer narrativen Kehrtwende, die aus der Komödie plötzlich einen übersentimentalen Gefühlsfilm macht.

Der Höhepunkt des Ganzen kommt, als Diana beim Essen Sandy erzählt, wie sie aufwuchs und dass sie eigentlich keine eigene Identität hat. Hier wird so penetrant auf die Tränendrüse gedrückt, dass man sich angewidert abwenden möchte. Die Wandlung von der irgendwie schrillen Komödie hin zum Gefühlskino tut „Voll abgezockt“ nicht gut.

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Die beiden Hauptdarsteller sind deutlich unterfordert.
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Gelangweilte Hauptdarsteller

Für Bateman und McCarthy ist „Voll abgezockt“ ein voller Erfolg – der Film brachte die Kinokasse zum Klingeln. Besonders angetan scheinen sie von ihrem Werk aber nicht zu sein. Die darstellerischen Leistungen der beiden lassen jedweden Esprit vermissen. McCarthy hat keinerlei Möglichkeit zur Improvisation. Stattdessen wird sie von einem halbgaren Skript mit ebensolchen Gags gefesselt, während Bateman, der auf diese Art Komödie abonniert ist, fast schlafwandelt.

Das übrige Ensemble ist mit John Cho („Star Trek“), Jon Favreau („Iron Man“), Robert Patrick („Terminator 2“) und Amanda Peet („Keine halben Sachen“) zwar gut besetzt, aber die Rollen extrem substanzlos. Am meisten hat noch Patrick zu tun, der aber als einer der Verfolger einen Teil des Plots tragen muss, der kaum Sinn ergibt und innerhalb der Geschichte auch fehlplatziert wirkt.