Was könnte man doch alles Gutes tun mit dem Gehaltsscheck von Bruce Willis! Man könnte Flüchtlingsunterkünfte bauen, Kinderarbeit in Bangladesh reduzieren oder die um sich grassierende Altersarmut bekämpfen. Aber nein, wir leben in einer bösen, gemeinen Welt und werden auch in Zukunft noch dutzende Auftritte eines maximal gelangweilten Menschen ertragen müssen, der einstmals ein talentierter Schauspieler war, sich aber mittlerweile offenbar an einfach jeden vermietet, der in der Lage ist, den nächsten Villen-Anstrich zu bezahlen.

Vice - Official Trailer #1

Willis…äh...“spielt“ hier jedenfalls den halbseidenen Geschäftsmann Julian Michaels, der einen Vergnügungspark für Erwachsene ins Leben gerufen hat: In VICE können gut betuchte Menschen mal so richtig die Sau rauslassen. Es darf verprügelt, vergewaltigt und ermordet werden und das ohne jegliche strafrechtliche Relevanzen befürchten zu müssen! Warum? Die Opfer sind menschenähnliche Kunstwesen, eine Art Androide, deren Gedächtnisse aus Sicherheitsgründen am Ende des Tages wieder gelöscht werden und die somit jeden Tag aufs Neue durchleben, nur mit, je nach Todesart, unterschiedlichem Ausgang.

Vice - Bruce braucht mal wieder einen Villen-Anstrich!

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Bruce. so geht es ECHT nicht weiter...
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Doch die schöne, blonde und schmollmundige Kelly (Ambyr Childers) behält eines Tages plötzlich die Erinnerung an ihren kurz zuvor erfolgten Tod. Sie flieht und trifft unterwegs nicht nur auf ihren Erschaffer, den von VICE getürmten Evan (Bryan Greenberg), der Kelly nach seiner toten Frau modelliert hat, sondern auch den Polizisten Roy (Thomas Jane), dem Julians Amüsiermeile schon lange ein Dorn im Auge ist, denn für immer mehr Kunden verschwimmen Fantasie und Realität, weshalb auch in der echten Welt die Opfer zunehmen.

Abgekupfert, aber leider nicht gut

Wer jetzt „Westworld“ kreischt, hat natürlich Recht, der komplette Grundplot ist natürlich von Michael Crichtons Regiedebüt (1973) geborgt, das zwar um Planeten besser gemacht und sehenswerter ist als „Vice“, aber auch schon damals die faszinierende Grundidee nicht so wirklich ausgelotet, beziehungsweise zu Gunsten von Action zurückgedrängt hat.

Und das Gleiche geschieht auch hier wieder, die Ausgangsbasis wird nie für eigentlich nahe liegende sozialkritische oder moralphilosophische Fragen benutzt, man setzt anstatt dessen lieber auf leichte Bekömmlichkeit. Das ist nichts Schlimmes, fällt in diesem Fall aber denkbar ungekonnt aus. Der Film von Brian A Miller, der 2014 mit den gleich Drehbuchautoren (Andre Fabrizio, Jeremy Passmore) und Willis auch schon „The Prince – Only God Forgives“ in den Sand gesetzt hatte, stapelt in jeder Hinsicht um einiges tiefer.

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Ich hatte dir gesagt, dass der Film nichts taugt!
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Einer der beiden positiven Aspekte zuerst: Durch die zugegebenermaßen recht pfiffige Farbgebung und Setdekoration wird deutlich, dass wir uns vermutlich in der Zukunft befinden. Für den Look des Films zeichnet sich jedenfalls das Team aus, dass schon John Hyams Meisterwerk „Universal Soldier: Day Of Reckoning“ veredelte und hier wird mit kalten, oft eisblauen und überstrahlten Bilden aufgetrumpft, die von kurioserweise überall, selbst draußen, installierten Neonlampen ausgeleuchtet werden. Warum dem so ist, man weiß es nicht, der Film verortet den Zuschauer mit keiner Silbe und liefert auch sonst keine Erklärungen zu seinem Setting, allerdings kann man dieser preisgünstigen, aber wirkungsvollen Ästhetik einen gewissen Reiz kaum absprechen.

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Man weiß, was kommt und es kommt auch!

So spartanisch sich „Vice“ in Bezug auf solche Randdetails auch gibt, beim Plot wird dann der denkbar ungünstigste Weg gewählt: Anstatt dem Zuschauer Vertrauen entgegenzubringen und ihm nach und nach mit Plotdetails anzufüttern, den Zuschauern zum Beispiel gemeinsam mit Kunstwesen Kelly das Geheimnis ihrer Existenz ergründen zu lassen, werden die paar Fragen, die die Handlung aufwirft schon nach ca. 20 Minuten in einer überflüssigen Erklärbär-Sequenz beantwortet.

Ab da ist dann auch der Ofen aus. Man weiß, was als Nächstes kommt und es kommt dann aber auch ganz genau so und kein Schamhaar breit anders. Kelly bricht aus, Willis’ Killertruppen versuchen sie wieder einzufangen und am Ende rettet Thomas Jane den Tag. Für eine Überraschung sorgt höchstens noch der unterschwellige Sexismus: Denn obwohl man der sexy Kunstfrau vor dem Showdown ein „Upgrade“ verpasst, das sie kampffähiger machen soll, bremst man sie doch extrem schnell mit einem kurzerhand aus dem Hut gezogenen Plotdetail wieder aus - es liegt doch wieder am Mann das Tagwerk zu beenden.

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Wo sind wir hier nur gelandet?!
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Leider funktioniert „Vice“ auch als simple Chauvi-Actiongülle kaum, denn dafür gibt es unterm Strich dann wieder zu wenig Action und die ist zudem zu unblutig und unspektakulär und der regelrecht sediert wirkende Bruce Willis als Böswatz würde nicht mal ein Eichhörnchen einschüchtern.

Dass das Ganze trotzdem nicht komplett wegblubbert ist einzig und allein dem viel zu oft unter Wert verkauften Thomas Jane zu verdanken, der sich als schnoddriger Cop mit Langhaarmatte mal wieder so richtig reinhängt und deutlich Leben in einen Film bringt, der so künstlich wie der dargestellte Vergnügungspark ist und offenbar mit ebenso sinistren Absichten gemacht wurde.

Randnotiz: „Vice“ wurde letztes Jahr auf dem „European Film Market“ in Berlin innerhalb von gerade mal einer Woche in 37 Ländern verkauft. Da ist es natürlich logisch, dass den Zuschauern in der letzten Szene eine Fortsetzung angedroht wird. Mein Tip: Auf jeden Fall mit Jane.