Der Slacker und das Kind, diese Konstellation ist ja nun nicht unbedingt neu in der Filmgeschichte. Mindestens bis auf Charlie Chaplin lässt sie sich zurückführen, der noch in einer Welt lebte, in der man als Slacker, wenn man es schon so nennen wollte, etwas mehr riskierte als Strafzettel und ab und an eine Ohrfeige von der gerade zur Ex gewordenen Freundin.

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Nennen wir das ab jetzt „Watschn“. Denn der Hildesheimer Ingo Raspel, der in seinem Kurzfilm „Neuschwanstein Conspiracy“ noch König Ludwigs Märchenschloss von imperialistischen Ami-Schweinen in die Luft jagen ließ, hat mit Sebastian (Sebastian Bezzel), der als Berufsjugendlicher natürlich Basti heißen muss, den Slacker als genuin bajuwarischen Typen neu definiert: pleite, schlecht gelaunt, volkstümlich, im Blasorchester aktiv – und Inhaber eines maroden Fahrrad-Rikscha-Unternehmens namens „Wadlbeißer“.

Vatertage - Opa über Nacht

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Familientreffen der unverhofften Art.
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Diese explosive Mischung aus Gelangweiltheit und Bissigkeit schnappt meistens dann zu, wenn Basti sich für andere Menschen abstrampeln muss. Arabische Touristen nervt er mit falschen Wegbeschreibungen zurück und holländische Oktoberfest-Besucherinnen fährt er gleich direkt ins Bett und lässt sich gar zu einem waschechten Beischlafdiebstahl hinreißen.

Heiner Lauterbach als schwuler Ur-Opa

Die Kohle jedenfalls hat er bitter nötig, denn eines Tages steht die 17-jährige Dina (Sarah Horváth) aus Bitterfeld vor seiner Türe. Im Gepäck hat sie: die Behauptung, Basti sei ihr Vater, ihren Sohn – also Bastis Enkel – Paul und eine Forderung nach 10.000, ach, am besten gleich 15.000 Euro, sonst drohe dem Hallodri von der Isar ein waschechter Rechtsstreit um die Alimente.

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So viel ist bei Basti natürlich nicht sofort zu holen, also gibt Dina ihm ein paar Tage Zeit. Zeit, um zum Beispiel seine Schwester Thea (Monika Gruber) anzupumpen, seinen spät geouteten Vater Lambert (Heiner Lauterbach) schonend auf die Nachricht vorzubereiten, dass dieser nun Ur-Opa sei – und vielleicht auch, um sich ein wenig besser kennenzulernen. Immerhin ist man doch jetzt eine Familie, so irgendwie.

„Vatertage – Opa über Nacht“ erzählt allzu routiniert und klischeehaft von der Läuterung eines bajuwarischen Hallodris – eine Entdeckung freilich versteckt sich in einer der Nebenrollen.Fazit lesen

Das Highlight dieser betont bis verkrampft lockeren Sommer-Komödie stellt zweifelsohne Heiner Lauterbach dar. Ja, der Lauterbach mit den Alkoholexzessen und Weibergeschichten. Hier gibt er den alternden Schwulen mit einem Schlenkern, einer Lässigkeit und einem verschmitzten Selbstbewusstsein, als sei dies die Rolle seines Lebens.

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Heimliches Highlight: Heiner Lauterbach als schwuler Ur-Opa.
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Zugleich ist seine Figur, gemeinsam mit dem Opa-Kniff, einer der wenigen originellen Einfälle in einem Flickwerk aus Versatzstücken. Wenn die Vorurteile aber erst einmal verbraten und die Konflikte etabliert sind, dann zumindest nimmt die Handlung angenehm Tempo auf.

Weißwurst und P1

Sonderlich überraschend gestaltet sich dennoch keine der Wendungen, die der Film bereit hält. Ingo Rasper interessiert an der Stadt München, der er großartige Postkartenbilder von Feldherrnhalle und Wiener Platz widmet, auch nicht das Urwüchsige, das Besondere, womöglich gar Hässliche oder das versteckte Elend abseits der ausgetretenen Touristenpfade.

Nun gibt es Schlimmeres als einen München-Film für Nicht-Münchner zu drehen, wenn der Autor Thomas Bahmann nur irgendetwas zu sagen hätte über diese Stadt. Etwas, das darüber hinausginge, dass Mädels aus Bitterfeld gerne ins „Oanser“ (die Nobeldisco P1) gehen würden, wenn sie es denn richtig aussprechen könnten und ihnen nicht gerade schlecht ist von zu vielen Weißwürsten.

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Über Nacht ist Basti nicht nur Vater, sondern auch noch gleich Opa geworden.
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So bedient er sich auch gerne bei Klischees, die sich über andere Regionen halten: Dinas Freundin Natalie (Nina Gummich), mit der sie den Trip gewagt hat nach München und weiter nach Rimini, wenn’s denn klappt mit der Vater-Erpressung, sächselt und landpomeranzt in knappen, viel zu engen Tops und viel zu dickem Make-Up vor sich hin wie eine Karikatur der ostdeutschen Provinzjugend. Nun wäre die Zuspitzung von Plattheiten ja gerade das Wesensmerkmal der Satire, doch die Ideen, die Rasper und Bahmann verbraten, sind stereotyp und letztlich harmlos zugleich.