Der dritte Teil der Found-Footage-Reihe, deren Clou es ist, dass noch auf alten, schrammeligen VHS-Bändern aufgenommen wird, lässt die Regeln einfach hinter sich. Denn es wird zwar wie bei Found Footage gewackelt, es gibt aber Kameraeinstellungen, die aus dem Nichts kommen. Ja, sogar Rückblicke gibt es, auf Harry Houdini. Wer den wohl damals gefilmt hat?

V/H/S Viral - Official Red Band TrailerEin weiteres Video

„V/H/S Viral“ erzählt vier Geschichten, eine davon stellt die hanebüchene und völlig unverständliche Rahmenhandlung dar, bei der ein junger Mann mit dem Rad hinter Polizisten herfährt, die gerade irgendjemanden verfolgen. Im Verlauf dieser Segmente geht einiges zu Bruch, darunter auch der eine oder andere Knochen.

Darin eingebettet sind drei Geschichten von wechselhafter Qualität. Das Highlight ist „Dante the Great“, die erste Geschichte, in der ein Vertreter des typisch amerikanischen White Trash in den Besitz des magischen Mantels von Harry Houdini kommt. Mit ihm wird er zum famosen Magier, aber der Mantel muss gefüttert werden – mit Menschenfleisch. So verschwinden um den Magier herum die Menschen, was die Polizei auf den Plan ruft.

V/H/S Viral - VHS ist nicht nur bildtechnisch der Horror

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Willkommen zur Gruselstunde im Skaterpark.
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In der zweiten Geschichte, diesmal spanischsprachig, da von Nacho Vigalondo inszeniert, folgen wir einem Erfinder, der ein Tor in eine parallele Welt aufgestoßen hat. Dort trifft er auf seinen Doppelgänger. Beide beschließen, jeweils 15 Minuten in der Welt des anderen zu verbringen, aber natürlich gibt es schon ein paar eklatante Unterschiede zwischen beiden Männern.

Die letzte Geschichte ist der Bodensatz. In ihr fahren ein paar Skater nach Tijuana, skaten herum und beschwören irgendwie skelettartige Gestalten herauf, die sie alle umbringen wollen. Es wird geschrien, es wird gewackelt, es wird auf die Monster eingeschlagen – Sinn und Verstand sucht man hier aber vergebens. Man würde sich ja mit Grusel und Stimmung schon zufrieden geben, die Geschichte bietet aber keinerlei Atmosphäre. Billig heruntergekurbeltes Wald- und- Wiesen-Splatterkino, wie man es in zahlreichen Amateurfilmen auch schon gesehen hat.

Packshot zu V/H/S ViralV/H/S Viral

Kein Found Footage

Es ist okay, dass man es mit den Regeln nicht so ernst nimmt. Teilweise ist es sogar gut, denn die Magier-Geschichte hat keinerlei Grund, in diesem Format erzählt zu werden. Die wechselnde Perspektive ist es hier auch, die das Ganze aufwendig erscheinen lässt – zusammen mit den exzellenten Effekten, die man gerade bei dieser Art Film eigentlich nicht erwartet.

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Ein mal das Leben mit einem Doppelgänger tauschen?
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Sicher, auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Erklärungen lassen zu wünschen übrig, speziell wieso der Mantel im Finale dann handelt, wie er handelt. Aber die Rasanz der Erzählung macht das wett.

Ganz anders die Geschichte von Vigalondo, die aus dem Found-Footage-Format das Maximalmögliche herausholt, indem es die Hauptfigur zu einem Erkunder einer neuen Welt macht. Dass hier nicht alles so ist, wie dieser es erwartet, kann man sich denken, die Überraschung, die Vigalondo parat hält, weiß aber zu gefallen. Nur eines ist wirklich erbärmlich: Der Effekt mit der Handpuppe. Billiger geht es wirklich nicht mehr!

Aus dem Rahmen gefallen

Die Rahmenhandlung ist das größte Ärgernis, weil sie auch über Gebühr viel Raum einnimmt. Sie führt zudem schnurstracks zu einem Finale, das ominös und bedeutungsvoll erscheinen soll, aber nur leer und uninteressant ist. Da dieser Endpunkt auch noch mit der hundsmiserablen Skater-Geschichte den Abschluss des Films bildet, bleibt ein ganz besonders fader Geschmack zurück.

Als Rausschmeißer wären die ersten beiden Geschichten besser gewesen, denn merke: Man kann stark anfangen und schwach aufhören, dann bleibt aber gerade das schwache Ende präsent, oder man fängt schwach an und hört stark auf. Dann ist der Zuschauer wohlwollender.