Unser Mann in Hollywood – naja, zumindest Kanada –, ist Uwe Boll, der sich im Lauf der Jahre einen beachtlichen Ruf aufgebaut hat. Seine Spiele-Verfilmungen werden gehasst und angefeindet, der Regisseur selbst auch. Aber Boll ist nicht auf den Mund gefallen und schlägt zurück. Zu Uwe Boll und seinen Filmen gibt es allerhand Geschichten, die vielleicht nicht immer wahr, aber zumindest kurios sind. Hier einige der besten.

Nazigold, Prostituierte statt Schauspielern, Boll schlägt zu

1. Von 1992 bis 1997 drehte Uwe Boll vier Filme in Deutschland: „German Fried Movie“ parodiert das deutsche Fernsehen, „Barschel – Mord in Genf“ befasst sich mit dem Tod des schleswig-holsteinischen Politikers, „Amoklauf“ könnte als eine Art Prototyp für „Rampage“ gesehen werden, und „Das erste Semester“ hat den aus der „Lindenstraße“ bekannten Christian Kahrmann zu bieten. Und „Momo“ Radost Bokel ist auch dabei.

2. Im Grunde sind nur sehr wenige Boll-Filme auch in den USA ins Kino gekommen. Hier eine Übersicht, wie sich diese Filme in den USA schlugen, was sie im Rest der Welt einspielten und was sie gekostet haben:

House of the Dead: $10.249.719 / $3.568.462 / 12 Millionen
Alone in the Dark: $5,178,569 / $5.264.239 / 20 Millionen
BloodRayne: $2.405.420 / $1.244.855 / 25 Millionen
Schwerter des Königs: $4.775.656 / $8.322.259 / 60 Millionen

3. Einer von Uwe Bolls liebsten Schauspielern ist Michael Paré. Der hatte in den 80er Jahren mal sowas wie die Chance auf die ganz große Karriere, aber „Straßen in Flammen“, „Das Philadelphia-Experiment“ und andere Filme floppten. Darum versumpfte er im B-Film. Mit Boll drehte er „Sanctimony“ (2000), „Blackwoods“ (2001), „Heart of America“ (2002), „BloodRayne“ (2005), “Postal” (2007), “Seed” (2007), “BloodRayne 2” (2007), “Tunnel Rats” (2008), “Far Cry” (2008), “BloodRayne: The Third Reich” (2009), “Rampage” (2009), “Blubberella” (2011), “Assault on Wall Street” (2013) und “Operation Olympus” (2013).

4. Rotten Tomatoes ist eine Website, die oftmals Hunderte Kritiken kompiliert und einen Wert errechnet, der sich aus guten und schlechten Kritiken speist. Danach gibt es einen Prozentsatz, der anzeigt, wie verrottet ein Film ist. Hier die Werte für Uwe Bolls Filme, soweit sie bei Rotten Tomatoes überhaupt erfasst sind. Anzumerken ist noch, dass die Zuschauerwerte deutlich besser sind. In Klammern sind die Prozentsätze der Zuschauer, die den Film mochten.

Blackwoods: 11 % (17)
House of the Dead: 4 % (19)
Alone in the Dark: 1 % (20)
BloodRayne: 4 % (30)
Postal: 7 % (32)
Dungeon Siege – Schwerter des Königs: 4 % (28)
Assault on Wall Street: 25 % (44)

25 kuriose Fakten über Uwe Boll - Von Nazigold, schauspielernden Prostituierten und anderen peinlichen Aktionen

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Noch einer der "besseren" Filme: Assault on Wall Street.
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5. Uwe Boll hat seit 1992 insgesamt 29 Filme inszeniert (Stand 2013 mit „In the Name of the King 3“ als aktuellste Produktion). Richtig fleißig ist er seit 2007. In den vergangenen sechs Jahren sind 19 Filme entstanden. Das ist ein beachtlicher Schnitt, und das umso mehr, da 2012 gar keiner veröffentlicht wurde.

6. In „Postal“ kam das große Geheimnis raus. Alle Boll-Filme sind mit Nazigold finanziert worden. Natürlich nicht, aber der gute Doktor machte sich in dem Film, in dem er sich selbst spielt, über derartige Gerüchte lustig. Tatsächlich wurden seine Filme bis zu weitgreifenden Gesetzesänderungen mit so genanntem „stupid german money“ finanziert. Die Fonds machten es möglich.

7. In „BloodRayne“ spielt Meat Loaf in einer Szene eine Art Vampir-Zuhälter. Wie es sich gehört, müssen sich allerhand halbnackte Schönheiten um ihn räkeln. Bei den Damen handelte es sich um rumänische Prostituierte. Anscheinend war es günstiger, diese Damen der Nacht anstatt von echten Schauspielern anzuheuern.

8. „Der Raging Boll, der teutonische Terror“, so kündigte Michael Paré in bester Michael-Buffer-Manier den guten Doktor an. Das war im Jahr 2006. Boll forderte fünf seiner härtesten Kritiker zu einem Boxkampf heraus. Darunter befand sich auch der spätere „Fangoria“-Chefredakteur Chris Alexander, der ebenso die Hucke vollbekam. Einige hielten die Herausforderung des Doktors für einen PR-Stunt, aber es wurde echt zugeschlagen.

Große Stars, Petition gegen Boll, „fucking retards“

9. In seinen Filmen tauchen immer namhafte Stars auf. Gut, nicht alle mögen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere sein, aber Jason Statham, Ray Liotta und viele anderen sind schon echte Namen. Wie der gute Doktor solche Leute für seine Filme rekrutiert? Ganz einfach. Bei Schauspielern gibt es immer Leerlauf, sodass sie zum Teil Monate lang keine Aufträge haben - darauf setzt Boll.

Er bietet kurz vor Drehbeginn die Rolle einem namhaften Schauspieler an, der sich dann überlegen muss: Entweder in dem Film mitspielen oder gar nichts machen. Schöner Nebeneffekt dabei: Boll bekommt die Schauspieler auch meist günstiger, einfach, weil er von vornherein weniger anbietet. Natürlich kommt es dann schon vor, dass der eine oder andere im Nachhinein nichts Nettes zu sagen hat oder erklärt, er hätte den Film gemacht, weil eine Hypothek oder ähnliches bezahlt werden musste. Das war übrigens auch Dolph Lundgrens Erklärung für „Schwerter des Königs 2“.

10. In „Postal“ erwischt es Uwe Boll.

11. Es ging das Gerücht, Boll wolle „Ninja Gaiden“ verfilmen. Sogar einen Trailer gab es. Aber: Es ist nur ein Fake-Trailer mit Szenen aus verschiedenen Ninja-Filmen. Im Lauf der Jahre versuchte Boll, verschiedene Spielelizenzen zu erhalten. Er war an „Metal Gear Solid“ interessiert, man lehnte jedoch ab, ihm die Lizenz zu verkaufen. Scheinbar war Boll zuvor von jemandem kontaktiert worden, der sich als Konami-Mitarbeiter ausgab. Interesse hatte Boll auch an „World of Warcraft“.

12. Regelmäßig bei Boll-Filmen dabei sind neben Michael Paré auch Will Sanderson (7 Filme), Brendan Fletcher (6 Filme), Ralf Möller (3 Filme) und Edward Furlong (3 Filme). Neuerdings gilt dies auch für Dominic Purcell (3 Filme), der als nächstes in „In the Name of the King 3“ zu sehen ist.

13. Boll ist gewillt, außerhalb der Norm zu denken. Der beste Beweis ist „Alone in the Dark“. Wer käme schon auf die Idee, die blonde Dumpfbacke Tara Reid als Wissenschaftlerin zu besetzen? Doch nur jemand mit Vision!

14. Betrunken und eine Knarre in der Hand, das kann mordsgefährlich sein. Darum schickte man beim Dreh von „BloodRayne“ in Bulgarien auch den Assistant Director los, um Michael Madsen ans Set zu holen. Madsen jammerte später, wie schrecklich die Dreharbeiten waren, dass er Diarrhöe vom Essen hatte, einen Katheter tragen musste, um den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen, und mit wilden Pferden arbeitete. Aber er sagte der Website Starpulse auch: „Uwe ist lustig. Wenn er mich morgen anrufen würde, würde ich wieder mit ihm drehen.“

15. Im April 2008 konnte man im „Guardian“ lesen, dass Uwe Boll erklärt habe, er würde sich vom Filmemachen zurückziehen, wenn bei PetitionOnline.org mehr als eine Million Unterschriften zusammenkämen. Es wurden bis heute „nur“ gut 350.000 Unterschriften.

16. Boll zog 2008 über ein paar Kollegen wie Michael Bay und Eli Roth her und nannte sie „fucking retards“. Es sollte eine Fehde sein, die des Spaßes wegen gestartet wurde. Eli Roth empfand es als Kompliment, Bay erklärte, er interessiere sich nicht für Boll. Boll forderte ihn darauf zu einem 12-Runden-Boxkampf in Las Vegas heraus, woraufhin Bay meinte: „Bis letzte Woche, als er diese Beleidigungen ausstieß, kannte ich seinen Namen nicht. Der Kerl hat einen Doktor und benutzt das Wort retard in seinem Vokabular. Das sagt doch schon alles.“ Boll vermutet übrigens, dass nicht nur Bay, sondern auch Steven Spielberg ihn im Internet dissen.

Der „schlechteste Regisseur aller Zeiten“, Kickstarter-Reinfall, Spiel zum Film

17. Boll wollte im Jahr 2013 mit einer Kickstarter-Kampagne die Finanzierung von 500.000 Dollar für „Postal 2“ zusammenbekommen. Es kamen nur knapp 30.000 Dollar zusammen, so dass die Kampagne vorzeitig beendet wurde.

18. In „The Final Storm“ spielt Lauren Holly eine Hauptrolle. Sie weigerte sich aber, Nacktszenen zu drehen. Oder anders gesagt: Bei einer Sexszene war sie schon oben ohne, wollte aber so gefilmt werden, dass man ihre Brüste nicht sah. Aber der Regisseur ist kreativ: Boll nutzt einen Spiegel, um dem Zuschauer ein bisschen „sideboob“ zu bescheren.

19. Etwa 16.000 Menschen wollten „Max Schmeling“ im Kino sehen. Ob sie zufrieden waren? Die etablierte Kritik war es nicht, die Hauptschuld am Versagen des Films gab man aber dem hölzern agierenden Henry Maske in der Hauptrolle. Und Boll? Hatte eine Erklärung parat, warum den Film keiner im Kino sehen wollte. In der „Rheinischen Post“ war zu lesen, „dass die deutschen Zuschauer kein Interesse an deutscher Geschichte haben und nur noch in modischen Hollywoodschrott reinlaufen.“

20. Boll erhielt im Jahr 2009 bei den 29. Golden Raspberry Awards eine Goldene Himbeere in der Kategorie „Worst Career Achievement“ für das Trio „Schwerter des Königs – Dungeon Siege“, „Tunnel Rats“ und „Postal“. Insgesamt war Boll dreimal für eine Goldene Himbeere nominiert.

21. Uwe Boll wird gerne als der schlechteste Regisseur aller Zeiten bezeichnet. Aber: Er hat durchaus auch ein paar gute Filme gemacht. Wenn er sich ins Bereich des Dramas begibt, dann kommen zumindest ordentliche Filme heraus. Beispiele hierfür sind „Siegburg“, „Darfur“, „Assault on Wall Street“ und „Heart of America“, auch wenn die beiden Letzteren in ihrer Botschaft sehr simpel gestrickt sind. Zu den besseren Werken gehören auch „Rampage“, „Tunnel Rats“ und „Postal“.

22. Drei Filme parallel drehen, das ist eine echte Kunst. Aber Uwe Boll beherrscht sie. Er hat „BloodRayne: The Third Reich“, „Blubberella“ und „Auschwitz“ alle mit denselben Sets und teilweise auch denselben Darstellern gedreht. „BloodRayne“ und „Blubberella“ sind im Endeffekt derselbe Film, nur die Körperfülle der Hauptdarstellerin ist unterschiedlich.

23. Uwe Boll hat sich vor allem mit der Verfilmung zahlreicher Spiele einen Namen gemacht - zumindest wurde er deswegen berüchtigt. Aber es geht auch umgekehrt: Zu seinem Vietnamkriegsfilm „Tunnel Rats“ gibt es auch ein Spiel, einen Ego-Shooter, der die Handlung des Films fortsetzt und 2009 erschienen ist.

24. In Hollywood traut man sich oft nicht zu sagen, was man wirklich denkt. Weil: Man könnte ja einen künftigen Job dadurch nicht bekommen. In der Dokumentation „Tales from the Script“ kommen die Autoren zu Wort. Guinevere Turner, die „BloodRayne“ geschrieben hat, nimmt kein Blatt vor den Mund, ahmt Boll nach und erklärt, wie sie bei der Premiere des Films reagiert hat.

25. Uwe Boll ist auch als Produzent sehr umtriebig. In nächster Zeit kommen Roger Christians Horrorfilm „Prisoners of the Sun“ (Drehbuch: Peter Atkins und Anthony Hickox!), der italienische „Morning Star“ (von den „Eaters“-Machern), das Sequel „Seed 2: The New Breed“ vom deutschen Amateurfilmer Marcel Walz und mit Micaela Schäfer, der schwedische Science-Fiction-Film „Luna Project“ und der serbische Zombiefilm „Wrath of the Dead“.