Jim Sturgess verliebt sich Hals über Kopf in Kirsten Dunst, und das ist hier wörtlich zu nehmen. Der eine spielte zuletzt in „Cloud Atlas“, die andere in „Melancholia“ – beide Filme kommen nun gewissermaßen zusammen: „Alles ist verbunden“ in der Planetengeschichte „Upside Down“, die metaphorisch spiegelverkehrt von einer unmöglichen Liebe erzählt. Romeo und Julia als Science-Fiction-Rührstück aus dem Computer.

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„Inside out and round and round“

„In unserer Welt ist es möglich, nach oben zu fallen und nach unten aufzusteigen“, erklärt Adam (Jim Sturgess) im bedeutungsschwangeren Voice-over zu Beginn, denn es gebe zwei Schwerkräfte. Wenn er seinen Blick gen Himmel bewegt, dann sieht er nicht unbedingt Sonne, Mond und Sterne, sondern einen Planeten, der auf dem Kopf stehend genau an seinen eigenen grenzt. „Unten“, das Reich der Hablosen, ist durch gigantische Wolkenkratzer mit der privilegierten „TransWorld“ verbunden.

Upside Down - Sci-Fi-Märchen: Kirsten Dunst weiß nicht mehr, wo oben und unten ist

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Wie in Inception: Eine Welt, die oben ans Unten grenzt.
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Doch überschreiten darf Adam die Grenze nicht, keinem der einfachen Menschen ist das gestattet. Auf einer Bergspitze, also dort, wo sich die beiden Welten fast berühren (und man ohne rechtliche Konsequenzen ins Antlitz des Spiegelreichs blicken darf), hat sich Adam allerdings in Eva, nein, Eden (Kirsten Dunst) verliebt – ein Mädchen vom anderen Stern (der Film selbst forciert derartige Sprachwitze reichlich!). Sie wurden jedoch gewaltsam getrennt und über viele Jahre auseinander gebracht.

Durch einen Zufall (im Fernsehen!) erfährt Adam nun von Edens Aufenthaltsort TransWorld, doch die junge Frau leidet unter einer Amnesie (…) und kann sich an das einstige Techtelmechtel aus Kindheitstagen nicht erinnern. Weil aber Anziehungs- stärker als Schwerkraft ist und Liebe ja ohnehin keine Grenzen kennt (hach), folgt der Film ganz dem gleichnamigen Evergreen von Diana Ross: „Upside down, boy you turn me inside out and round and round“.

Adam also muss, nachdem er sich mit Gewichten beladen (um nicht zurückgezogen zu werden, was auch immer das soll) in die futuristische Stadt schmuggelte, den Erinnerungen seiner geliebten Eden auf die Sprünge helfen. Beziehungsweise ihr Herz erneut erobern, ohne entdeckt zu werden. Sein Freund Bob Boruchowitz (immer wieder gern: Timothy Spall) hilft ihm dabei – und tüftelt nebenher noch an einer entscheidenden wissenschaftlichen Sensation (für die sich der Film allerdings herzlich wenig interessiert).

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Liebe ist stärker als Schwerkraft. Das wusste übrigens schon Merlin in Disneys "Die Hexe und der Zauberer".
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Ja, eine Science-Fiction-Romanze wohl, die x-te Variation auf Romeo und Julia. „Upside Down“ erzählt die alte unmögliche Liebe aber auf die denkbar konstruierteste Art, geradezu distanziert künstlich und vor allem: überladen von Kitsch, aber kaum romantisch. Die gemeinsame Screentime von Sturgess und Dunst beschränkt sich auf ein Minimum, während der Erzählfokus immer wieder auf irrelevante Nebenschauplätze verlegt wird. Und der Weltenentwurf der französisch-kanadischen Koproduktion ist wahrlich sonderbar.

Urin an der Decke

Der Film irritiert in ästhetischer Hinsicht gleich auf mehreren Ebenen. Die plastischen CGI-Bilder (kaum eine Einstellung ist visuell nicht überladen) schaffen eher eine Distanz zum präsentierten Universum, als dieses irgendwie greifbar werden zu lassen. Ein Übermaß an Greenscreen, exzessives Colorgrading und die vollkommen unnütze 3D-Konvertierung bestätigen die Merkwürdigkeit des disparaten Konzepts. Alles wirkt derart künstlich gezimmert, dass wirkliche Einblicke in die Welt verborgen bleiben.

Seltsamerweise wurde „Upside Down“ zudem auf Film (35mm) gedreht, aber digital so verfremdet, dass das Resultat eher den Eindruck eines verhinderten Bilder-Mashups erweckt. Überhaupt versäumt es der argentinische Regisseur Juan Solanas, der 2003 für seinen Kurzfilm „Der Mann ohne Kopf“ in Cannes den Preis der Jury gewann, beinahe vollständig, die thematisierten physikalischen Gegensätze oder mindestens ein annähernd haptisches Gespür für die kreierte Welt zu vermitteln.

Unglaubwürdiger Sci-Fi-Fantasy-Kitsch, der so romantisch wie seine Bildschirmschoner-Optik hübsch ist – leider herzlich wenig.Fazit lesen

Wenn Adam sich zwischen Unten und TransWorld munter hin und her befördert, fehlt im Meer der durchgepixelten Bildschirmschonerästhetik jede räumliche Anordnung. Diese entsprechend in Szene zu setzen, mag dem Film wohl aber auch wegen seines indifferenten Sci-Fi-Konzepts kaum gelingen: Es ist natürlich nicht nachvollziehbar, warum die Schwerkraft mit den jeweiligen Einwohnern offenbar genetisch verzahnt ist, Adam also in der oberen Welt darum kämpfen muss, nicht abzuheben.

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Kirsten Dunst wirkt in der Bildschirmschoner-Ästhetik verloren, sieht aber immer noch hinreißend aus.
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Das führt dann zwar zu einigen amüsanten Momenten (Urin, der statt ins Klo zu gehen munter die Decke entlang wandert!), entbehrt aber jeglicher Stimmigkeit. Genauso wie es selbstredend kurios anmutet, dass die Planeten nicht kollidieren und sogar noch architektonisch miteinander verknüpft sind. Hier bewegt sich „Upside Down“ letztlich weniger in der Science-Fiction, als er vielmehr einer halbgedachten Fantasy-Idee nacheifert – und diese mit viel leerem Kitsch und artifizieller Romantik überhäuft.

Kirsten Dunst wirkt in dem unentwegt blau eingefärbten Schmalz sichtbar verloren, auch wenn sie selbst dabei noch hinreißend aussieht. Jim Sturgess hingegen, der hier für Emile Hirsch einsprang, hampelt teils unerträglich exaltiert durchs Geschehen, um mit großen Rehaugen und entsetzlicher Indie-Britpop-Frisur einen hoffnungslos romantischen Charmeur zu mimen, der als Figur augenscheinlich genauso unentschlossen konzipiert ist wie der ganze Film.