„Upper East Side Story“ ist eine kleine Independent-Produktion, die trotz des prominenten Hauptdarstellers auch in den USA großteils unter dem Radar des Publikums durchgeflogen ist. Vier Jahre sind vergangen, seit der Film produziert worden ist, nun bringt Lighthouse ihn auf DVD und Blu-ray. Die gute Nachricht gleich vorweg: Bei der Synchronisation hat man sich durchaus Mühe gegeben, denn Neil Patrick Harris wird von Phillip Moog gesprochen, der seit „How I Met Your Mother“ der Stammsprecher des Schauspielers ist.

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Gerade bei kleinen Labels ist das aber keine Selbstverständlichkeit. Weiteres Indiz für die Mühe ist übrigens, dass auch Kate Mulgrew, die nur in einer kleinen Rolle zu sehen ist, ihre „Star Trek: Voyager“-Sprecherin Gertie Honeck bekam.

Der Film beginnt mit Jeff (Neil Patrick Harris) und Sam (Bonnie Somerville), die aus der Provinz nach New York ziehen. Ein neues Leben wollen sie hier beginnen. Ihre Tochter wiederum soll die beste Fürsorge erhalten, weswegen sie sich nach einem privaten Kindergarten umsehen, in dem sichergestellt ist, dass die Kinder auch exzellent gefördert werden. Doch wie sich herausstellt, ist das ein alles andere als leichtes Unterfangen. An den renommierten Kindergärten ist längst kein Platz mehr frei. Um doch noch einen zu ergattern, heuern die beiden eine Beraterin an, die helfen soll, einen Platz zu sichern.

Upper East Side Society - Schulstart mit Hindernissen - Für einen Kindergartenplatz würde „Barney Stinson” alles tun!

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Der Film erscheint am 22.08.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Die erste Idee der Beraterin ist, dass man das Leben der beiden aufpeppen muss. Aus Jeff wird ein Professor und Poet, dessen neuestes Werk kurz vor der Veröffentlichung steht. Jeff hätte es nicht für möglich gehalten, aber die Chat-Protokolle, die er als Poesie ausgibt, treffen tatsächlich ins Schwarze. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Leute sich einreden, dass es große Kunst ist, dann ist es halt so.

Die Erfüllung ihres Wunschs ist zum Greifen nah, aber Jeff und Sam müssen sich fragen, ob es das alles wirklich wert ist. Wollen sie wirklich vorgeben, jemand anderes zu sein, oder nicht einfach nach Hause zurückkehren?

Unvereinbar

In den USA erregte der Film nicht größere Aufmerksamkeit, weil er etwas Unmögliches unternimmt. Er erzählt eine Geschichte, die für ein PG-13-Rating gut wäre, das aber mit solcherlei Dialogen, die zum R-Rating führen. Das machte es in den USA fast unmöglich, den Film überhaupt zu vermarkten. In Deutschland sieht man das weniger eng, die FSK-12-Freigabe ist durchaus angemessen.

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Jeff (Neil Patrick Harris) und Samantha (Bonnie Somerville).
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Tatsächlich ist es der Kontrast zwischen harmloser Geschichte und dreckiger Poesie, der hier den besonderen Reiz ausmacht. Natürlich ist es überzogen, wenn Jeffs „Poesie“, die nur aus anstößigen Chat-Protokollen besteht, als hehre Kunst begriffen wird, aber das ist letzten Endes auch ein netter, kleiner Seitenhieb auf die kulturelle Elite, die oftmals nicht wirklich Ahnung von dem hat, was sie sieht oder hört, es aber in den höchsten Tönen lobt, um einem erwarteten Anspruch gerecht zu werden. Das ist aber letzten Endes nur ein Nebenaspekt dieses Films.

Politisch herrlich unkorrekt

„Upper East Side Society“ bietet Humor, der nicht unbedingt jedem gefallen wird. Wenn die Beraterin Konkurrenz für ihre Klienten aussticht, indem sie impliziert, der Mann hätte ein Kind belästigt, dann ist das natürlich jenseits des guten Geschmacks, es ist aber auch witzig – zumindest dann, wenn man bei seinen Komödien nicht auf feinsinnige Unterhaltung besteht.

Mit derben Dialogen ausgestattete Komödie, die daraus einen interessanten Kontrast zur familientauglichen Geschichte findet.Fazit lesen

Szenen wie diese gibt es im Verlauf des Films häufiger, nicht alle treffen direkt ins Ziel, viele aber schon. Dass ein wichtiger Teil des Films in einem Swinger-Club stattfindet, ist da nur die Kirsche obendrauf.

Sitcom-Figuren

Natürlich sind die Handlungsträger alles andere als echte Menschen. Sie sind Funktionsträger, im Grunde kaum mehr als Sitcom-Figuren, die so gestaltet sind, dass die gewünschte Geschichte problemlos erzählt werden kann. Das ist oberflächlich ein wenig irritierend, da es durchaus auch möglich gewesen wäre, bei der Charakterzeichnung dreidimensionaler zu arbeiten, die gute Besetzung reißt dies aber durchaus raus.

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Und plötzlich ist Jeff ein gefeiertes Poesie-Autor.
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Dies gilt natürlich vor allem für Neil Patrick Harris, der weit abseits seines Barney-Images agiert, aber dennoch ein paar der witzigsten Szenen absolviert. Auch das übrige Ensemble weiß zu gefallen. Gewohnt souverän agiert der häufig unterschätzte Christopher MacDonald.