Vor einem knappen Jahr erzeugte „Open Windows“ dadurch Aufsehen, dass der Film vorwiegend auf einem Laptop-Bildschirm abläuft. Found Footage 2.0, Spannung via Pop-Up-Fenster - die dann irgendwann in eine völlig aus dem Ruder laufende Eskalationsdramaturgie mündet. „Open Windows“ bleibt trotzdem ein guter Film, doch die erzählerischen und auch formalen Möglichkeiten der neuen Digitalsprache haben noch Luft nach oben. Beziehungsweise auch nach unten, Richtung realitätsnaher Boden, der von „Unknown User“ auf durchaus effektive Weise angesteuert wird.

Unknown User - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Rückzug aufs Wesentliche

Gemeint ist damit vor allem die konsequente Verankerung des Geschehens auf einen gängigen Laptop-Bildschirm, der via Facebook oder Skype den einzigen Rahmen für die Geschichte bildet. Keine weltumspannende digitale Krise diesmal, kein 3D-Rendering in Echtzeit, sondern ausschließlich alltägliches Computergeschehen – in das dann übernatürliches Grauen eindringt. In „Gestalt“ einer vor einem Jahr per Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Schülerin, die Opfer einer perfiden Cybermobbing-Attacke wurde.

Unknown User - Cybermobbing aus dem Jenseits

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Psychologische Kriegsführung (mit Todesfolge) 2.0.
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Was die Frau will? Natürlich Rache. An Blair (Shelley Hennig), die mit fünf Highschool-Freunden (Jacob Wysocki, Will Peltz, Moses Jacob Storm, Renee Olstead und Courtney Halverson) über Skype chattet und vielleicht weiß, wer damals das für den Selbstmord verantwortliche Video ins Internet gestellt hat. Zunächst hält die Gruppe billie227, die sich plötzlich in den Chat zuschaltet und drastische Drohungen ausspricht, für einen schlechten Scherz, doch schon bald wird klar, dass hier jemand unbedingt die Wahrheit erfahren möchte. Notfalls mit physischer Gewalt.

Der Geist im System

Die tote Schülerin wandelt als Geist über die Bildschirme der Skype-Gruppe und weiß genug über die einzelnen Personen, um sie gegeneinander aufzubringen. Ihr Einfluss meistert ebenso einige grobe Blutmomente und die Zuspitzung der Spannung auf das Drücken eines Buttons oder das Öffnen eines Browserfensters. Es kann ja gerne sein, dass die Geschichte von „Unknown User“ abstruse Dimensionen erklimmt, doch packend bleibt sie trotzdem. Verantwortlich hierfür sind zum eine die gute erzählerische Dynamik, die sich straff entwickelt und gezielt auf Schocks zusteuert, und zum anderen die bodenständige, für den Social-Media-affinen Zuschauer immer Anhaltspunkte gewährende Umgebung.

Unknown User - Cybermobbing aus dem Jenseits

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„Lasst uns ein Spiel spielen“ - billie227 dringt in die Gruppe ein.
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Zugegeben, die Struktur des Films, die immer wieder auf neue Enthüllungen durch den Geist baut, wirkt irgendwann etwas repetitiv, doch bis dahin ist man schon längst am Haken und freut sich über einen psychologisch motivierten Horrorfilm, der seine Kraft vor allem aus Geständnissen und nicht unbedingt einem Berg übel zugerichteter Leichen bezieht. „Unknown User“ kennt seine Grenzen und hat sogar den Mut, auch mal nichts zu sagen – immer ein gutes Zeichen für einen von Teenagern bevölkerten Genrefilm, genauso wie übrigens auch die spannende Verschiebung der Sympathien zu der Unheil stiftenden Selbstmörderin.

Was hier hakt, sind vor allem die lahmen Charakterisierungen der Freunde, die zum Beispiel den Dicken zu einem Sex-losen Computernerd machen, das etwas zu häufige Vergrieseln der Streams und natürlich die grundsätzliche Weigerung aller Beteiligten, einfach mal die Computer auszuschalten oder die Polizei zu rufen. Mit so einer Geschichte ist einfach ein gewisses Maß an Doofheit unumgänglich, doch vieles andere, inklusive übrigens der nur aus Brummeln und Spotify-Songs bestehende Score, kommt einfach so überlegt und effektiv an, dass das Mitfiebern nie in ernsthafter Gefahr ist. „Unknown User“ ist ein Teenie-Horrorfilm, der an dieser Schublade nicht scheitert. Was für eine schöne Überraschung!