Mit einem vierten Teil der „Universal Soldier“-Reihe hätte man nicht unbedingt gerechnet. Ebenso wenig, wie noch einmal Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren in ihren angestammten Rollen zu sehen.

Nun ist „Universal Soldier: Day of Reckoning“ aber da, kommt sogar in (überflüssigem) 3-D daher und kann auf dem Fantasy Film Fest auf der großen Leinwand goutiert werden. Wer das Heimkino vorzieht, muss bis zum Dezember warten, dann bringt StudioCanal den Film in die Videotheken. Die Verkaufsfassung erscheint dann im Januar 2013.

John (Scott Adkins) muss miterleben, wie drei Männer in sein Haus eindringen. Ihr Anführer, Luc Devereaux (Jean-Claude van Damme), tötet vor seinen Augen seine Frau und seine kleine Tochter. Neun Monate später erwacht John in einem Krankenhaus aus dem Koma. Er leidet an partieller Amnesie, kann sich jedoch an den Mord an seiner Familie erinnern – und er will nichts mehr als Rache.

Während John versucht, Devereaux‘ Fährte aufzunehmen, wird ein Universal Soldier aktiviert, der Andrew Scott (Dolph Lundgren) und die anderen desertierten Unisols aufspüren und vernichten soll. Doch Scott dreht ihn um, so dass sich der Attentäter der sich im Aufbau befindlichen Armee der ehemaligen Unisols anschließen kann. Er wird auf John angesetzt, der sich von dem Mann jedoch nicht aufhalten lässt.

Wie ein Bluthund folgt er der Spur, die ihn schließlich einen Fluss hinab und in die Höhle des Löwen führt, wo Devereaux schon auf ihn wartet.

Universal Soldier: Day of Reckoning - "Wir sind hohle Männer… ausgestopfte Männer"

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Kein Witz: Das große Vorbild von Universal Soldier 4 heißt "Apocalypse Now!".
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Neo-Noir im Herz der Finsternis

Zu Beginn des Films nimmt man die Perspektive von John ein. Mit subjektiver Kamera erlebt man mit, was ihm zustößt – und ist umso schockierter, dass Van Damme als Devereaux nun scheinbar ein kaltblütiger Mörder geworden ist.

Ebenso wie die Hauptfigur hat man als Zuschauer keine Ahnung. Der Film erscheint wirr und zusammenhanglos, nichts ergibt Sinn. Es ist die totale Desorientierung, unter der auch der Protagonist leidet.

Im Verlauf der Geschichte wird aber klar, worauf „Universal Soldier: Day of Reckoning“ abzielt und welches gigantische Vorbild sich die Autoren offenbar genommen haben. Dieser Film ist – ganz lapidar gesagt – eine B-Action-Bastard-Version von „Apocalypse Now“.

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Überraschend: Neben Jean-Claude van Damme ist auch Dolph Lundgren wieder mit dabei.
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Das erklärt auch, warum Van Damme hier mit Glatze agiert. Als Unisol-Version von Colonel Kurtz soll er dem Vorbild wohl so ähnlich wie möglich sehen. Sogar die Konfrontation mit dem Mann, der ihn suchte, gibt es in einer Entsprechung, nur dass bei John Hyams‘ Film nicht lange geredet wird, sondern man sich mit Macheten zu Leibe rückt.

Wenig van Damme und Lundgren, viel Adkins

Die „Universal Soldier“-Veteranen Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren haben hier nicht viel zu tun. Bei Lundgren gilt dies noch mehr, da er lediglich als Anheizer für die Armee der Unisols dient und in relativ überflüssigen Szenen zu sehen ist, während van Damme als eine Art Messias der Universal Soldiers eine echte Präsenz ist. Ohne seine Figur gäbe es die Geschichte gar nicht. Er ist der Katalysator für das Action-Gewitter, das folgt.

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Jean-Claude van Damme spielt seine Rolle als Hommage an Marlon Brando.
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Die Kämpfe sind schick anzusehen. Highlights stellen natürlich Scott Adkins‘ Fights mit Lundgren und später van Damme dar. Interessant ist an diesen, aber auch anderen Kämpfen, dass der Film sich hier des Elements der Übertreibung bedient. Das geht sogar soweit, dass man sich des Lachens nicht erwehren kann. Wo sonst bekommt man schließlich schon zu sehen, wie jemandem mit einem handelsüblichen Baseballschläger der halbe Kopf weggeschlagen wird? Und das mit nur einem Hieb!

Eine Reise ins Herz der Finsternis, an deren Ende ein surreales Treffen mit einem höchst ungewöhnlichen Jean-Claude van Damme steht.Fazit lesen

Ein Muster in der Wirrnis

In der ersten Hälfte des Films ist man genau wie die Hauptfigur hauptsächlich verwirrt. Denn das Skript erklärt nur wenig. Einzelne Szenen addieren sich nicht zu einem Ganzen, sondern erscheinen eher wie beliebig ausgewählte Vignetten eines Lebens. Verbindungsstücke fehlen, was man als Aufforderung verstehen kann, die eigene Interpretationsgabe anzuwerfen.

Man könnte aber auch soweit gehen, den Autoren – und im weiteren Sinne auch dem Regisseur – vorzuwerfen, dass sie eine Art Arthaus-Action-Film drehen wollten, der Anspruch in der Umsetzung aber nicht gänzlich wiedergegeben ist.

Zugutehalten muss man „Universal Soldier: Day of Reckoning“ jedoch, dass er in dieser Form funktioniert. Trotz einer Laufzeit von knapp zwei Stunden langweilt er nie. Im Gegenteil, er versteht es, das Interesse des Zuschauers zu halten. Und ab dem Moment, an dem man erkennt, worauf Hyams‘ Film überhaupt anspielt, ist man ohnehin erpicht darauf zu sehen, wie diese actionreiche Reise ins Herz der Finsternis enden wird.

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Kaum zu glauben, aber das Chaos in der Story hat Methode.
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Im Grunde wird am Ende ein neues Kapitel aufgetan – ein Sequel ist darum also möglich. Und weil die Universal Soldiers nicht nur eingefrorene und wieder aufgetaute Soldaten sind, sondern auch geklont werden, können in einem weiteren Teil auch die Toten wieder zum Leben erwachen – so wie Lundgren, dessen Figur mit schöner Regelmäßigkeit das Zeitliche segnet.