Mit Horror aus deutschen Landen ist es immer so eine Sache. Wirkliche Höhen erreichen die hiesigen Genre-Ausflüge eigentlich nie. Im Grunde muss man schon froh sein, wenn man irgendwo im Mittelfeld internationaler Standards mitschwimmt. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass man einfach nichts wagt, sondern die x-te Version altbekannter Geschichten einfach aufkocht.

Unfriend - Offizieller Trailer #1

Laura ist an der Universität sehr beliebt. Sie hat mehr als 800 Freunde bei Facetime (ja, ja, Facebook möchte man’s im Kino nicht nennen, auch wenn es genauso aussieht) und erhält eine Anfrage der Außenseiterin Marina. Marina hat keinerlei Freunde, noch nicht mal virtuelle. Da Laura Mitleid mit dem Mädchen hat, bestätigt sie die Freundschaftsanfrage.

Marina wertet das als Zeichen und beginnt, Laura zu stalken. Sie will immer mit ihr reden, Zeit verbringen, sogar zu ihrer Geburtstagsparty kommen. Laura weiß sich nicht mehr zu helfen, also entfreundet sie Marina im sozialen Netzwerk. Wenig später ist Marina tot. Sie hat sich selbst umgebracht und das Video, das ihren Tod zeigt, verbreitet.

Alles scheint wieder seinen normalen Weg zu gehen, doch dann sterben Lauras Freunde nach und nach – und die Videos ihrer Tode tauchen alle auf Lauras Profilseite auf. Nach und nach verliert nun auch sie ihre Freunde und muss sich der Erkenntnis stellen, dass eine böse Macht es auf sie abgesehen hat.

Unfriend - Warnung an alle: Bestätigt nicht jede Freundschaftsanfrage!

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Der Film erscheint am 07.01.2016 in den deutschen Kinos.
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Gruseln im Netz

Geschichten wie die von „Unfriend“ hat man schon dutzendfach gesehen, die einzige Neuerung, wenn man sie so denn nennen will, ist der Umstand, dass die Geschichte im Rahmen eines sozialen Netzwerks erzählt wird. Das Ausgrenzen von Menschen geht leichter, paradoxerweise aber auch schwerer. Denn „Unfriend“ krankt schon daran, dass die Antagonistin Marina mit niemandem online befreundet ist.

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht nur verschwindend gering, sondern praktisch nicht existent. Man kann nicht Freak genug sein, um nicht mit ein paar Leute online befreundet zu sein, denen man im echten Leben nie begegnet ist und mit denen man auch sonst keinerlei Kontakt pflegt. Weil soziale Netzwerke geduldig und genügend Freundschaftssammler unterwegs sind, die einfach jede Anfrage bestätigen.

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Das ist das grundsätzliche Glaubwürdigkeitsproblem von „Unfriend“, aber das darf man natürlich nicht so eng sehen. Immerhin geht es auch um Hexenrituale und dämonische Angriffe – oder so.

Unfriend - Warnung an alle: Bestätigt nicht jede Freundschaftsanfrage!

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Einheits-Horror-Brei.
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Einer nach dem anderen

Sieht man vom sozialen Netzwerk ab, dann gestaltet sich „Unfriend“ wie eine Vielzahl ähnlich gelagerter Gruselfilme, bei denen Freundschaftskreise peu a peu dezimiert werden. Das packt Regisseur Simon Verhoeven in schöne Bilder. Seine Inszenierung ist zweckorientiert, die Gestaltung der einzelnen Gruselszenen funktioniert – wenn man den Maßstab ansetzt, dass hier ein milder Horrorfilm produziert werden sollte. Für das Zielpublikum – Teenager – dürfte das alles ganz gut funktionieren. Denn „Unfriend“ ist per se nicht schlecht, er ist nur vollkommen frei von originellen Ideen. Hat man aber nicht schon ähnlich gelagerte Streifen im Dutzend gesehen, dann ist der Unterhaltungswert deutlich höher anzusiedeln.

Dass die schablonenhaften Figuren kein echtes Eigenleben entwickeln und mitunter sogar charakterliche Kapriolen schlagen, die nur wenig authentisch erscheinen, ist dabei nur ein geringes Problem. Selbiges gilt auch für das aufgesetzte und vorhersehbare Ende, das eine Art von poetischer Gerechtigkeit bieten will, aber dabei übersieht, dass die Hauptfigur nichts getan hat, wofür sie ein derartiges Schicksal verdient gehabt hätte.