Der gute alte Sony-Hack vom letzten Jahr. Offensichtlich gibt es noch immer interessante Details, die man den gestohlenen Dokumenten und E-Mails entnehmen kann. Und dieses Mal betreffen sie die Uncharted-Verfilmung, bei der klar wird, dass die Macher nicht so recht wissen, was sie da eigentlich wie verfilmen sollen.

Uncharted (Film) - Leaks zeigen: Macher haben keine Ahnung, was sie mit Uncharted anstellen sollen

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Viele Fans wünschten sich eigentlich Nathan Filion in der Hauptrolle als sein Namensvetter
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Trotz all der Rückschläge und Flops alter Videospielverfilmungen hat es Hollywood wohl noch immer nicht verstanden, worauf es bei einer derartigen Verfilmung ankommt. Vielleicht mit ein Grund, warum Studios wie Ubisoft lieber gleich eigene Produktionsfirmen gründen, um die Verfilmung ihrer Spiele selbst in die Hand zu nehmen.

Im Fall von Uncharted, der immens erfolgreichen Abenteuer-Reihe von Naughty Dog sieht es ganz danach aus, als ginge es wieder in eine ähnliche Richtung. Anstatt sich auf die Stärken der Reihe zu konzentrieren, will man sich an ähnlichen Filmen wie Das Vermächtnis der Tempelritter und The Da Vinci Code - Sakrileg oder gar andere Spieleverfilmungen wie Tomb Raider orientieren.

So schrieb Adam North, Creative Executive bei Sony Pictures Entertainment, eine E-Mail an die ehemalige Motion Picture Chief bei Sony Pictures Amy Pascal, in der klar wird, dass die Verfilmung sich in vielen Ansätzen vom eigentlichen Spiel Uncharted: Drakes Schicksal unterscheidet. "Die erste Hälfte von Uncharted ist großartig und der Film wird ein wirklich toller Sommer-Abenteuerfilm wie die Lara Croft-Filme (mit einer Prise Dan Brown). Jedoch bin ich an der Stelle, als Drake eine Karte im Sarg findet und nach London muss, ein wenig ausgestiegen. Der Rest des Films geht weiter zügig voran, aber es ist diese Stelle, wo die Charaktergestaltung etwas an Dampf verliert", so North. "Ich bin nicht davon überzeugt, dass sich Eve mit nur wenig mehr als Stolz und einem One Night Stand als Motivation auf eine weltweite Jagd begibt. Und ich habe aufgehört, mich um Drake zu scheren. Es mangelt ihm noch immer an einem gewissen Humor und Cleverness, um die staubigen Dinge, über die er redet, aufregender zu gestalten. Drake benötigt mehr brennende Fragen über seine Vergangenheit und woher seine Familie stammt, damit ihm diese Entdeckung, dass er mit Sir Francis Drake verwandt ist, eine persönliche Bedeutung gibt. Momentan ist es zwar eine Überraschung, aber es fühlt sich nicht emotional an."

Zudem verlangt North, dass die Komponente der Goldstatue, die Menschen in blutrünstige Ungeheuer verwandelt, schon eher in den Film eingebracht werden soll, da ansonsten im dritten Akt ihrer Meinung nach ein zu großer Schnitt im Tonfall entstehe. Diese Ungeheuer werden in einer späteren Mail als "Infizierte / Zombies" bezeichnet. Da darf man nur hoffen, dass dies nicht wörtlich gemeint war.

Auf die Frage von Amy Pascal, ob man den Spielern genügend Gründe gebe, sich diesen Film anzusehen, antwortet Produzent Jonathan Kadin, dass man einige Änderungen vorgenommen habe, die sicherlich eine Bereicherung darstellen. "Unser Drehbuch erweitert die Charaktere und macht einige signifikante Änderungen, die hilfreich sein sollten, was Elena und Roman betrifft, aber auch in Hinsicht auf Drakes Hintergrundgeschichte", so Kadin. "Der geografische Umfang ist soviel größer, wenn man ihn mit dem aus dem ersten Spiel vergleicht. Fast das gesamte Spiel findet im Dschungel mit Ruinen und Höhlen statt. Unsere Geschichte geht nach Südamerika, zum Panamakanal und nach London, alles Orte, die nicht im Spiel existierten. Und Drakes Beziehung zu Elena und Sully ist viel tiefer."

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Wird der Film mit Schauplätzen überfrachtet?
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De facto werden hier also bereits Elemente aus den beiden Sequels Among Thieves und Drakes Deception verwurstet. Die Gefahr, die hier lauert ist jene, dass der Film wie viele heutige Sommerblockbuster einfach zu überfrachtet wird und nur noch wie eine Abfolge von Actionszenen wirkt, statt tatsächlich auf die Figuren einzugehen, auch wenn man hier andeutet, die Charaktere feiner ausgearbeitet zu haben. Norths Problem mit dem im Spiel eigentlich charmanten Nathan Drake ist schon mal ein schlechtes Omen.

Tatsächlich hat man sich dessen aber bereits angenommen, denn wie man weiß, wurde Mark Boal (Tödliches Kommando - The Hurt Locker) an Bord genommen, um das Drehbuch von David Guggenheim (Safe House) zu überarbeiten. Indes wird die Beziehung zwischen Nathan Drake und Elena Fisher stärker in den Vordergrund rücken und romantischer ausfallen als im Spiel. Auch hier orientiert man sich an Das Vermächtnis der Tempelritter und der Beziehung zwischen Benjamin Franklin Gates und Dr. Abigail Chase, will das Ganze aber "sexier und spaßiger" gestalten.

Produzent Kadin betont auch, dass man im Gegensatz zu Das Vermächtnis der Tempelritter stärker und mehr auf Action setzt und dass man "Erwachsene wie auch Kinder" ansprechen wolle. Tatsächlich beginnt das Drehbuch mit einem genretypischen Rückblick auf den neunjährigen Nathan, bevor in die Gegenwart in ein Action-Setpiece geschnitten wird.

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Wäre Wahlberg überhaupt die richtige Wahl gewesen?
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Mark Wahlberg, der kurzzeitig als Nathan Drake vorgeschlagen wurde, hat einige Änderungen im Drehbuch durchgesetzt, die Drake nun mehr in Richtung Jason Bourne statt Indiana Jones rücken. Wahlberg ist ja sowieso eher für seine ernsten Actionfilme bekannt, aber Nathan Drake, für den sich die meisten Fans noch immer Nathan Filion, speziell in seiner Rolle als Malcolm 'Mal' Reynolds aus Firefly - Aufbruch der Serenity wünschen, hat ja auch in den Spielen eher ein sonniges Gemüt. Auch wurde nun Nathan stärker in den Vordergrund gerückt, was den Film weniger als Buddy-Streifen mit Drake und Sully und stattdessen mehr wie eine One-Man-Show gestaltet. Wahlberg wollte aber auch mehr echte Locations haben und weniger Green Screen-Aufnahmen. Ob das die veranschlagten 100 Millionen Dollar Budget erlaubt hätten?

Wahlberg ist mittlerweile nicht mehr involviert. Weitere Darsteller, die man in Betracht gezogen hat / In Betracht zieht sind Chris Hemsworth, Chris Pratt und Pascals Liebling Channing Tatum. Von Chris Pratt gibt es auch eine E-Mail, in der er bereits absagte, da dies einfach "nicht sein Ding" sei.

Offensichtlich will man hier auf Gedeih und Verderb einen Sommerblockbuster produzieren und läuft dabei Gefahr, sich in Sachen Charakterisierung völlig von der Materie zu entfernen. Ein Nathan Drake im Bourne-Modus, Locationsprünge im Minutentakt und die abgeschwächte Buddy-Komponente deuten auf einen generischen Actionfilm, wie man ihn im Grunde jeden Sommer zu sehen bekommt. Aber vielleicht entsteht auch ein richtig guter Film. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Uncharted soll im Juni 2016 in die Kinos kommen.