Kinofilme wie „Das große Krabbeln“ oder „Ratatouille“ lehrten uns, dass Helden nicht immer riesig und stark sein müssen, um bedeutende Taten zu vollbringen. In Dreamworks‘ neustem Streich ist diesmal die kleine Schnecke „Turbo“ der titelgebende Held. Ganz nach dem Motto: „Kein Traum ist zu groß und kein Träumer zu klein“.

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Kleiner Träumer

Wie der Name schon sagt, gibt der kleine Turbo richtig Gas. Er träumt davon, einmal an einem richtigen Autorennen teilnehmen zu dürfen. Das ist natürlich völliger Blödsinn, denn Turbo ist bloß eine gemeine Gartenschnecke.

Als diese verbringt der kleine Träumer sein Leben auf einer Tomatenplantage (für Menschen ein kleines Tomatenbeet), wo die Schnecken tagtäglich zum Tomatenernten und -fressen aufschlagen. Während Turbos Bruder Chet fleißig alle faulen Tomaten von den reifen trennt, ist Turbo eher ein Nichtsnutz, der sich in seinen Tagträumen verliert.

Und so kommt es natürlich, wie es kommen muss: Turbo trainiert immerzu, um seinen eigenen Streckenrekord zu brechen – 90 Zentimeter in unschlagbaren 17 Minuten –, und bringt mit waghalsigen Aktionen alle in Gefahr. Nach einer gewaltigen Standpauke verkriecht er sich zu einer illegalen Rennstrecke. Ein Windstoß weht ihn auf die Motorhaube eines der Autos. Durch einen Sog gerät er in die Lüftung und wird dort giftigem Stickoxid ausgesetzt, das jedes Atom seines Schneckenleibes durcheinanderwirbelt und ihn in eine Rennschnecke verwandelt.

Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum - Nette Familienunterhaltung - aber auch etwas blass und charakterlos

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Kecke Rennschnecken - wie süß.
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Die schnellste Schnecke auf Erden

Blitzschnell kann Turbo nun die Straßen von Los Angeles unsicher machen. Chet ist davon weniger begeistert. Bei einem Ausflug werden beide vom Imbisswagenbesitzer Tito geschnappt, der mit seinem Bruder Angelo einen Taco-Imbiss betreibt und in seiner Freizeit Schneckenrennen veranstaltet. Tito ist ein ebenso großer Träumer wie Turbo. Als er Turbos Talent entdeckt, malt er sich aus, dass er mit der wahnsinnig schnellen Schnecke als PR-Aktion am „Indianapolis 500“-Rennen teilnehmen könnte.

Dabei trifft Turbo auf allerlei irrwitzige Charaktere: Angelos Imbiss befindet sich im heruntergekommenen Einkaufszentrum „Starlight Plaza“. Die Ladenbesitzer dort sind ein buntgemischter Haufen, vom Modellfahrzeugverkäufer über die kesse Autowerkstattbesitzerin bis hin zur Nageldesign-Lady.

Gemeinsam tunen sie Gartenschnecken zu Rennmaschinen. Prompt haben Turbo und Chet eine Clique von Rennschnecken um sich versammelt, die Turbo helfen wollen, die Indy 500 zu gewinnen.

Blasse Charaktere mit Starbesetzung

Leider wird diesen Schnecken nicht sehr viel Beachtung gewidmet. Sie sind nettes Beiwerk, dienen aber eher nur dekorativen Zwecken. Das merkt man auch an den Namen der Rennschnecken, die oberflächlich den jeweiligen Charakter oder stumpf ihr Aussehen beschreiben: Checker, Flamme, Drifter, Schneller Schatten und Bleifuß. So wirken all diese Schnecken sehr wahllos ins Script geklatscht. Und da ihre Charaktere nicht herausgearbeitet wurden, sind sie auch absolut austauschbar.

Packshot zu Turbo - Kleine Schnecke, großer TraumTurbo - Kleine Schnecke, großer Traum

Man könnte die gesamte Handlung sogar ohne die anderen Rennstrecken bestreiten, wirklich vermissen würde man sie nicht. Das ist allerdings sehr schade, da das Design der Schnecken gut gelungen ist und man die kleinen Tierchen im englischsprachigen Original auch mit hochkarätigen Sprechern besetzt hat.

Keine lahme Unterhaltung, sondern süße Schneckenpower. Netter Familienfilm, allerdings ohne Kultpotenzial.Fazit lesen

So wird Checker von Snoop Dogg gesprochen, Flamme von der Schauspielerin und Komikerin Maya Rudolph („Saturday Night Live“, „Kindsköpfe“) und der draufgängerische Bleifuß von Samuel L. Jackson.

Doch auch das genügt nicht, um den Schnecken Charisma einzuhauchen. Das liegt allerdings nicht an den Sprechern, sondern schlicht und ergreifend am Drehbuch und an fehlenden Herausforderungen für die Schneckenbande. Auch Turbo wirkt etwas blass. Er ist ein kleiner, störrischer und verträumter Querkopf, konnte sich aber nicht in mein Herz kriechen.

Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum - Nette Familienunterhaltung - aber auch etwas blass und charakterlos

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Auch wenn die Charaktere blass bleiben - nette Unterhaltung ist Turbo trotzdem.
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Ein dreidimensionaler Lichtblick

Überzeugt hat mich stattdessen der Taco-Verkäufer Tito, der im Deutschen von Giovanni Zarrella gesprochen wird. Seinem Bruder Angelo leiht Manuel Cortez seine Stimme. Die Rolle des Tito wurde wunderbar schräg angelegt und verkörpert viel deutlicher und ergreifender die Moral des Films: „Träume können wahr werden“.

So probierte er schon einiges, um dem Taco-Imbiss seines Bruders zu Ruhm zu verhelfen und Kundschaft anzulocken: „Tacos und Affenstreichelzoo“ oder „Tacoman und Los Churros-Boy“ – Tito hatte schon einige Ideen, die jedoch nicht von Erfolg gekrönt waren. Daher soll nun die kleine schnelle Schnecke als PR-Gag herhalten. Und so wurde die Figur des Tito mit viel Herz, Humor und Charme ausgestattet.

Zu einer klassischen Handlung gehört natürlich noch ein Bösewicht. Und hier hat man sich einen netten Kniff überlegt: Turbos größtes Idol ist der Rennfahrer Guy Gagné, der sich während der Rennvorbereitungen als fieser Egoist herausstellt, nur seine eigene Karriere vorantreiben will und keine Konkurrenz – nicht einmal durch eine kleinen Schnecke – duldet. Turbo muss also erfahren: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Glänzend sticht allerdings der 3D-Effekt hervor. Er unterstützt, was nur sehr selten vorkommt – die Handlung –, indem er mehr Tempo und Action einbringt. Das eignet sich für einen Film über Rennschnecken natürlich ausgezeichnet und poliert die typische Außenseitergeschichte noch einmal gehörig auf.