Auf Festivals hat „Turbo Kid“ die Zuschauer in Verzückung versetzt. So schön verspielt, so amüsant, so blutig war die Endzeit selten. Und nicht nur das, es ist eine Endzeit, die als Hommage an die „Mad Max“-Filme und ihre Epigonen gestaltet ist. Ein Film, der sich anfühlt und wirkt, als wäre er in den glorreichen 1980er Jahren gemacht worden, komplett mit Synthesizer-Soundtrack, (mehrheitlich) handgemachten Effekten und BMX-Rädern!

Turbo Kid - Exklusiv bei uns: Der erste deutsche Trailer ist da!Ein weiteres Video

Ein Kritiker nannte den Film „Mad Max mit BMX-Rädern“ – und liegt damit vollkommen richtig. In „Turbo Kid“ ist die Endzeit schon lange gekommen. Viele Jahre sind vergangen, seit die Zivilisation unterging. Benzin gibt es nicht mehr, weswegen jedermann auf Fahrrädern unterwegs ist. Wasser ist, wie immer in dieser Art von Geschichte, ein Problem. Und: Das noch größere Problem sind martialisch gekleidete Killer, die unter dem Kommando eines Warlords stehen.

Turbo Kid - Endzeit 1997: Mad Max mit BMX-Rädern

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Der Film erscheint am 22.10.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Hier ist es Zeus – eine grandiose Altersrolle für Michael Ironside. Der altgediente Recke spielt selten Helden. Das kann er zwar, richtig gut ist er aber, wenn er herrlich fies sein darf. So auch hier, ist Zeus doch ein Machthaber, wie man ihn im Endzeit-Genre liebt: brachial gekleidet, brutal ohne Ende, aber mit einem bösen Sinn für Humor. Den zeigt er etwa dann, als er einen Mann verhört, der durchaus gewillt ist, zu reden, angesichts dessen, was ihm bevorsteht. Aber da der Aufbau des Folterapparats solch lange Zeit benötigt hat, wird das Gerät auch eingesetzt.

Packshot zu Turbo KidTurbo Kid

Gore und Splatter gibt es hier genug, aber bei „Turbo Kid“ achtet man peinlich genau darauf, nicht ins Bösartige zu verfallen. Gestorben wird reichlich, aber ernsthaft ist das alles nie. Das zeichnet aber auch den Unterhaltungswert des Ganzen aus: Hier kann man abfeiern, während die Blutfontänen nur so spritzen!

Turbo Kid - Endzeit 1997: Mad Max mit BMX-Rädern

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Brutal. Abgedreht. Lustig. Spannend. Was will man mehr?
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Den Turbo reinhauen

Der Junge steht im Mittelpunkt des Geschehens. Er lebt allein, sammelt Müll und verhökert ihn dann. Zum Überleben reicht es, und hin und wieder springt sogar ein Comic-Heft mit seinem Lieblingshelden heraus, der ihn natürlich auch inspiriert – und das umso mehr, als er später noch auf eine passende Rüstung stößt, die zudem eine mächtige Strahlenwaffe am Arm hat.

Aber zuerst lernt der Junge noch das Mädchen Apple kennen, das ein bisschen schräg, merkwürdig, vielleicht auch gefährlich ist. Sie mag ihn jedoch und er sie auch. Beide ziehen zusammen durchs Ödland auf der Suche nach Kram, der sich versilbern lässt. Dabei bringt Turbo ihr seine Regeln bei, sie hört brav zu und beide kommen sich näher. Das Happy End steht sozusagen an, doch dann wird Apple entführt.

Endzeit der 90er im Stil der 80er aus dem Jahr 2015. Einfach geil!Fazit lesen

Apple ist dabei nicht das einzige Opfer, das zur Belustigung der Garaus gemacht werden soll. Auch andere sind Zeus‘ Gefangene. Der Junge macht sich auf, sein Mädchen zu retten. Was folgt, ist Splatter Pur.

Turbo Kid - Endzeit 1997: Mad Max mit BMX-Rädern

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Die Endzeit war selten verrückter.
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Keine Wüste

Eigentlich sollte die Geschichte ja in der Wüste spielen, aber anhaltende Regenschauer in Kanada, wo gedreht wurde, sorgten dafür, dass man sich anders besann. Säureregen wurde eingebaut und der Look änderte sich. Durchaus zum Vorteil von „Turbo Kid“, der damit ein wenig eigenständiger aussieht, als es bei den üblichen „Mad Max“-Epigonen der Fall ist.

Anders als diese zumeist italienischen Produktionen, die vor allem durch Steinbruch-Feeling auffielen, schafft „Turbo Kid“ es, eine eigene Identität zu entwickeln. Das liegt einerseits daran, dass man sehr liebevoll die ganzen Outfits von Helden und Schurken gestaltet hat, andererseits ist es aber auch das Ergebnis dessen, dass man sich nicht scheut, albern zu sein. Wenn Helden und Schurken mit dem Fahrrad unterwegs sind, sieht das natürlich witzig aus!

Wo die Liebe hinfällt

Neben aller Endzeit-Stimmung und 80er-Jahre-Hommage ist „Turbo Kid“ auch so kühn, in den Mittelpunkt der Geschichte nicht nur typische Coming-of-Age-Momente einzubauen, sondern auch eine zarte Romanze zwischen dem Jungen und Apple. Der Name des Mädchens ist übrigens doppelbödig…