Die Welt ist schön, aber auch ganz schön rätselhaft: Neben allerhand tagtäglichen mysteriösen Vorgängen (Wieso kommt die Bahn selbst bei schönstem Wetter ständig zu spät? Warum stehen bei drei offenen Supermarktkassen alle an einer an? Warum nimmt über 60 Jahre später immer noch jemand die BILD ernst? Wieso gibt es Leute, die Zeit und Muße haben, andere im Internet auf Rechtschreibfehler hinzuweisen?), gibt es auch vielerlei Rätsel in der bunt glitzernden Filmwelt. Eines davon wäre, wie ein gut gemachter und unterhaltsamer, aber auch schlichter und nicht wirklich herausragender Monsterfilm von 1990, über gigantische Würmer, die ein kleines Dorf terrorisieren, sich zu einem Franchise mit einem recht beachtlichen Umfang (4 Filme, eine Serie, ein Spiel) entwickeln konnte.

Wobei man den Filmen aber anrechnen muss, dass dank der stetig gleichen Verantwortlichen hinter der Kamera eine qualitativ halbwegs gleich bleibende Linie gegeben ist, sprich: Die Fortsetzungen sind zwar, wie so viele Fortsetzungen, nicht unbedingt nötig, aber richtige Ausfälle gibt es auch wieder nicht, Liebe zum Thema ist überall spürbar. 11 Jahre nach dem letzten Film steht nun „Tremors 5: Blutlinien“ in den Startlöchern und wie immer man zu der Reihe letztendlich auch steht: Dass die Macher der bisherigen Filme dank fehlender kreativer Kontrolle das Zepter komplett abgegeben haben, war schon im Vorfeld ein böses Omen.

Die „Graboiden“ genannten Killerwürmer tauchen in einem südafrikanischen Tierschutzgebiet auf (in den Teilen zuvor: USA, Mexiko und Argentinien, ziemlich reiselustig also) und mampfen sich dort durch die Botanik. Wobei es dieses Mal vorrangig um die im dritten Teil eingeführten, in der deutschen Synchronfassung etwas unglücklich getauften (wer einen Google-Check macht, weiß, was ich meine) „Arschknaller“, wie die voll entwickelten „Graboiden“ genannt werden, geht. Da muss natürlich wieder der erfahrene Wurmjäger Burt Gummer (Michael Gross, als einziger Darsteller in allen „Tremors“-Filmen plus Serie dabei) ran an den Speck beziehungsweise Wurm.

Tremors 5: Blutlinien - Da ist der Wurm drin!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Meiner ist größer!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Einzelkämpfer Gummer kriegt nun allerdings Unterstützung, denn Jamie Kennedy kann es sich seit seligen „Scream“-Tagen nicht unbedingt leisten, Rollenangebote abzulehnen und eilt deswegen mit seiner nervtötenden „lustiger Sidekick“-Figur Travis B. Welker zur Hilfe herbei. Doch die Monsterbeseitigung wird nicht einfach: Die Viecher haben sich, da man dem Zuschauer in jeder Folge zumindestens ein bisschen was Neues bieten muss, weiterentwickelt und sind jetzt noch größer, stärker und auch bei Tag aktiv, außerdem will ein schurkischer Regierungsangestellter Graboiden-Eier klauen und auf dem Schwarzmarkt verhökern.

Es gibt auch Gutes…

Die frohe Botschaft zuerst: Don Michael Paul („Jarhead 2 – Zurück in die Hölle“, „Sniper: Legacy“) hat seinen Film ganz gut im Griff. „Blutlinien“ nutzt sein Südafrika-Setting ausgiebig und wirkt dadurch optisch recht hochwertig. Das Gleiche gilt für die verhältnismäßig kompetenten Tricks, die sind nicht nur für eine DTV-Produktion mehr als ordentlich gemacht, gerade im Big-Budget-Bereich der letzten Jahre gab’s da weitaus Schlechteres zu sehen.

Packshot zu Tremors 5: BlutlinienTremors 5: Blutlinien

…nun die schlechten News

Problematisch wird’s allerdings auf der inhaltlichen Seite: Der Film hat einen langen Weg hinter sich und den hat er nicht allzu gut überstanden. Der ursprüngliche Titel war „Tremors: Thunder From Down Under“, das Drehbuch wurde bereits 2004 von den „Tremors“-Schöpfern S.S Wilson und Brent Maddock geschrieben, sollte in Australien spielen und die Chancen standen sogar gut, dass die beiden Hauptdarsteller des ersten Teils, Kevin Bacon und Fred Ward, sich wieder für einen weiteren Teil erwärmen. Im Oktober 2009 meldete die Produktionsfirma allerdings urplötzlich, dass der Film doch eher unwahrscheinlich ist, August 2010 wurde die Produktion aus unbekannten Gründen komplett abgeblasen.

Tremors 5: Blutlinien - Da ist der Wurm drin!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Michael Gross am Tiefpunkt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

„Blutlinien“ soll zum Teil auf dem damals angefertigten Drehbuch basieren, die IMDB listet jedenfalls vier verantwortliche Namen, von denen drei (M.A. Deuce, C.J. Strebor, William Truesmith) in keinem anderen Zusammenhang irgendwo auftauchen. Warum dieses Aufzählen von Trivia? Weil das Resultat sich nämlich genauso anfühlt wie die Produktionsvorgeschichte es erahnen lässt. Die Jagd der beiden Hauptdarsteller nach den Monsterwürmern ist lediglich der große Aufhänger, aber anstatt die Nummer straight durchzuziehen zerfällt der Film in diverse Szenen und findet einfach nicht zu einem großen Ganzen.

Es werden umständlich Figuren eingeführt (ein Forscher und seine Freundin), die kurz drauf eh gefressen werden. Es wird ein Liebes-Dreieck angedeutet (zwischen Travis, einer Mitarbeiterin des Parks und einem weiteren Angestellten), das für den Film nicht die geringste Rolle spielt. Genauso wird am Ende mit der Brechstange eine inhaltliche „Überraschung“ aus dem Hut der planlosen Drehbuchautoren gezaubert, die für den Film null relevant ist und wohl einzig und allein den Zweck hat, die nächsten 52 Fortsetzungen auf festen Boden zu stellen.

Franchisekiller Deluxe: Total unausgegoren, mit Hang zur Peinlichkeit.Fazit lesen

Humoristisches Flachland

Leider haben sich im neusten „Tremors“-Film nicht nur die Graboiden weiterentwickelt, auch der Humor hat eine Metamorphose hinter sich: Die Reihe war noch nie todernst, hatte aber fast immer auf eine mehr oder weniger gut austarierte Mischung zwischen Augenzwinkern und Spannung gesetzt, allzu brachiale Töne wurden eher weniger angeschlagen. Im neusten Ableger hat man zeitweise das Gefühl, dass Script stamme von 13jährigen: Namensveräpplungen, die man vom Pausenhof der dritte Klasse in Erinnerung hat (aus Erich Van Wyck wird in der Originalversion Erich Van Dick, in der Synchronfassung Erich Van Fick) sind da noch das kleinere Übel.

Tremors 5: Blutlinien - Da ist der Wurm drin!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Der Termin für die deutsche DVD-Veröffentlichung ist der 03.12.2015
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Den humoristischen Tiefpunkt markiert eine quälend lange Szene mit Gummer, der von Van Wyck in einen Käfig gesperrt wurde. In den folgenden Minuten darf man dann erleben, wie der militante Wurmjäger sich mit seinem Urin einreibt um Mücken fernzuhalten, ihn trinkt und schlussendlich auch noch von einem Löwen angepinkelt wird. Die Karriere von Michael Gross muss wirklich im Argen liegen. Aber nicht genug: Welker eilt zur Rettung und schleppt den nur mit Shorts bekleideten Gummer samt Käfig kurzerhand ab, was in einer „witzigen“ Käfig-mit-halbnackten-Gummer-wird-über-Landstraße-gezogen-Szene mündet, zu allem Überfluss auch noch mit Benny-Hill-artigem Country-Gefiedel unterlegt! Man windet sich vor tiefster Scham im Sessel.

Zugutehalten muss man, dass sich der Film nach dieser Pein wieder halbwegs fängt und die anschließende Schlacht gegen die Monster zwar weitaus weniger originell als bei den Vorgängern abläuft, allerdings, auch dank einer gelungenen Verbeugung vor „Jurassic Park“, recht gut bei Stange hält. Das Eisen wird aber trotzdem nicht mehr aus dem Feuer geholt. Auf „Tremors 5: Blutlinien“ hat die Welt nicht gewartet und selbst Hardcore-Fans der Reihe dürften sich diesen Teil nur mit Zähneknirschen ins Regal stellen.