Autoren: Peer Kröger, Martin Weber
Uwe Boll hat noch jedes Videogame zu einem miserablen Film verhunzt. Unsere Trashfilm-Experten haben sie trotzdem tapfer ertragen: Martin hat Angst vor Uwes Haue und sagt, warum Bolls Filme trotzdem Spaß machen – und Peer versteht die Handlung nicht. Lest den ersten von zwei Teilen unseres Trashspecials über Uwe Boll!
Trash made in Germany
Wer kennt ihn nicht – Dr. Uwe Boll. Der deutsche Literaturwissenschaftler mit der Nase für gute Geschäfte macht legendär schlechte Filme, da sind sich wohl alle einig. Trotzdem müssen wir beim Schreiben solcher Zeilen vorsichtig sein – Uwe ist nicht gerade dafür bekannt, mit seinen Kritiker zimperlich umzugehen. Gerne zerrt er sie auch mal in den Boxring und gibt ihnen gehörig eins auf die Nüsse. Davon unbeeindruckt kommen wir unserer journalistischen Pflicht nach und widmen uns im Rahmen unserer Reihe über die größten Trashfilme aller Zeiten heute dem deutschen Wunderkind der miesen Gameverfilmungen.
Uns Uwe verteilt gerne auch Kinnhaken an seine Kritiker.Schon als Knirps entdeckte der 1965 geborene Wermelskirchener Bub seine Liebe zum bewegten Bild und drehte Kurzfilme auf Super 8 und Video. Nach seinem Studium und einer Promotion machte er seine Leidenschaft zum Beruf – und schockiert seitdem Fans und Kritiker auf der ganzen Welt mit einem üblen Machwerk nach dem anderen. Was auch immer man von Uwes Filmen halten mag – man muss ihm zugute halten, dass er es immerhin geschafft hat, sie zu drehen. Und zwar nicht auf typisch-deutsche Weise als verkopftes TV-Gequase, sondern mit großen Budgets, internationalen Stars und fetten Explosionen.
Und sein Output an Filmen als Regisseur und Produzent ist gewaltig, so kamen alleine 2007 vier seiner Filme auf den Markt. Das große Problem bei Filmen ist oft die Finanzierung, und in diesen Bereichen hat sich Uwe als wahres Genie erwiesen – bis 2008 nutzte er ein Steuer-Schlupfloch für Medienfonds, um das Geld aufzutreiben, und bekommt auch seitdem immer noch seine Filme finanziert. Dabei hat er sich vor allem anfangs auf Videogame-Verfilmungen gestürzt, deren Name alleine für einen gewissen Erfolg (zumindest im DVD-Verkauf) reichte, ungeachtet der Qualität des entstandenen Werkes. House of the Dead (2003), Alone in the Dark (2005), BloodRayne (2006, 2007 und voraussichtlich 2010), Postal (2007), Dungeon Siege (2007) und Far Cry (2008) schafften so den Sprung auf Zelluloid, allesamt trotz oft geringer Budgets mit großen Stars versehen.
Immer cool: Boll beeindruckt die stetige Negativpresse gerade mal so mittel...Und auch, wenn die Kritiker ausnahmslos jeden dieser Filme zerrissen haben, kann man eines nicht abstreiten: Uwe ist ein unglaublich cooler Hund. Er bekommt seine Filme gemacht, hat ein gehöriges Maß an Kaltschnäuzigkeit, nimmt nie ein Blatt vor den Mund und hat es auch ohne richtig großen Kinoerfolg geschafft, zu einer der bekanntesten und schillerndsten deutschen Figuren in Hollywood zu werden. Und das ist gut so: Uwe, bleib so, wie du bist – auch wenn das bedeutet, dass wir noch viele weitere deiner Game-Verfilmungen ertragen müssen!
Dungeon Siege – Schwerter des Königs
Zu einer Zeit, als Männer noch Männer sein durften, Lederplünnen trugen, sich ausschließlich von Fleisch ernährten und mit dem Schwert für ihre Ehre einstanden, existierte einst das Königreich Ehb. Regiert vom müden König Konreid, ist der Alltag dort so aufregend wie die gesamte Simulator-Serie von Astragon – zumindest bis der böse Zauberer Gallian und der Königsneffe Fallow eine Armee der animalischen Krugs auf die Bevölkerung hetzen. Auch die Familie von Farmer gehört zu den Opfern. Pech für den Magie, dass er nicht weiß, mit wem er sich da angelegt hat. Der kampfbegabte Farmer hat nämlich nun eine Sauwut und befindet sich mit dem Bauern Norick und dem Hofzauberer Merik auf dem Rachetrip. Im Laufe der Reise gegen Gallian entpuppt sich Farmer als veschollener Sohn des Königs. Ein praktische Wendung, denn nun kann der unverhoffte Thronfolger eine große Armee gegen die Krugs schicken. Den Astraljongleur Gallian knöpft er sich aber dennoch selbst vor – Strafe muss schließlich sein.
Peers Kommentar:
Das kommt also heraus, wenn man Uwe ein großes Budget in die Hand drückt: Er heuert sich eine ganze Riege von Stars und Sternchen an, von Ray Liotta über Burt Reynolds bis hin zu Jason Statham (womit Boll damals einen echter Glücksgriff gelang, da Jasons Marktwert kurz darauf in die Höhe schnellte). Das ganze wird dann in die absolut vorhersehbarste 08/15-Rache-Story gequetscht, mit willkürlich reineditierten Spezialeffekten versehen und auf eine Länge von gefühlten Tagen aufgeblasen.
Jason Statham lässt mit seinem hölzernen Schauspiel sogar die Bäume im Hintergrund alt aussehen.Da fragt man sich nur, warum bei all dem Budget nicht die Kohle übrig gewesen wäre, um die Orks – pardon, Krugs – irgendwie hätte bedrohlich wirken lassen können. So sehen die Haupt-Gegner weniger nach blutrünstigen Bestien sondern mehr nach kackenden Rheumatikern aus. Und aus dem viel zu langen Film einfach mal die Hälfte herauszuschneiden hätte der Dramaturgie auch nur gut getan. Aber Uwe hatte nun einmal all das Geld, und wusste offenkundig nicht, wohin damit: Zu gerne hätte er einen Film auf Augenhöhe mit Herr der Ringe gemacht. Zu dumm nur, dass er nicht weiß, dass man so etwas nicht mal eben aus dem Ärmel schlampen kann, 60 Millionen hin oder her.
Martins Kommentar:
Wie Boll es schafft, aus dieser über 60 Millionen Dollar teuren Produktion ein Kammerspiel zu machen, das aussieht, als hätte es gerade einmal ein Zwanzigstel gekostet, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Liest man sich die Besetzungsliste durch, so ahnt man zumindest, wofür die Kohlen verbrannt wurden: Jason Statham und Ron Perlman als Rübenbauern, Burt Reynolds als methylisierter Regent und ein permanent besoffener Ray Liotta. Es ist schon wahre Kunst, dieses Ensemble zusammenzutrommeln und von dem dürftigen Drehbuch zu einer Dorftheatertruppe degradieren zu lassen. Dafür alleine hätten die Schwerter des Königs ein Erfolg werden sollen. Reynolds mutmaßt die unfassbarsten Fakten mit der Holzkasper-Mimik eines Charlton Heston, der ja sowieso nicht für lebendige Schauspielkunst bekannt war.
Ray Liotta, Burt Reynolds, Ron Perlman - wo nimmt Boll nur diese Darstellerriege her?Der Rest der Crew agiert dermaßen übertrieben, dass jedem Fantasy-Liebhaber die Ohren wackeln müssen. So trashig, dass es wieder Spaß macht, dabei aber trotzdem von überdurchschnittlichem Niveau. Den kommerziellen Misserfolg hat diese RPG-Verfilmung aber auch deshalb nicht verdient, weil Boll dieses Mal mit Leichtigkeit einen Spannungsbogen aufbaut und sogar halten kann. Ich vermute, dass genau diese Umstände den Streifen floppen ließen: Wer will schon solides und unterhaltsames Filmhandwerk von Uwe Boll sehen? Kinobesucher brauchen nun einmal ihr Weltbild. Und das ist von der irrigen Konstante besetzt, nach der Tarantino-Streifen grundsätzlich visuelles Gold bieten, während Boll nur Mist produziert. Schade, dass der Wille zum Umdenken hier einfach fehlt.
Bierwertung: Zwei mächtige Mittelalter-Humpen kräftigsten Klostergebräus


























Und diese Gefühle hatte Dungeon Siege beim DVD Abend noch übertroffen!
Ich schau gerne Trash aber dieser machte echt keinen Spaß sondern war einfach nur Mist.
www.youtube.com/watch
Echt amüsant anzuschauen, muss ich schon sagen. Was dir das, dann eigentlich bringt ist mir schleierhaft. Als ob, nur weil du jetzt hier deine "Argumente" von dir gibst, jetzt alle ihre Meinung ändern würden.
Geschmäcker sind nun mal unterschiedlich und damit musst auch du dich abfinden.
Davon ab, denke ich nicht, dass sich hier der Autor derartig rechtfertigen muss...
Aber naja....ist ja nur meine Meinung! xD
Dr. Boll hat ja auch schon mehrmals klar Position gegen den deutschen Fördersumpf bezogen, dass da wohl nie mehr die große Liebe aufblühen wird.
ich freue mich schon auf den zweiten teil
Wahrscheinlich hat man(n) die 1.380.000 Fernsehzuschauer auch alle gezwungen den Film zu schauen.
Und Sätze wie "Boll haut hier in jeder Szene so sehr auf die Atmo-Kacke, dass selbige in gequirlter Form bereits aus dem DVD-Spieler quillt." sind absolut unter der Gürtellinie.
Nicht zu vergessen die Ninjas und die seltsamen Amazonen oder was das sein sollen.
Und die Krugs mit ihren Plastikkostümen vom Rummel is auch echt arm.
Wir haben doch auch nur über Dungeon Siege geredet? Und da kann die Zweitverwertung noch so gut sein, am kommerziellen Flopp ändert das nichts.
Außerdem haben wir versucht, es deutlich zu machen, dass wir zu den einzelnen Filmen unsere persönlichen Meinungen abgeben ("Peers Meinung", "Martins Meinung"), insofern dürften wir da sogar die Grenzen des Jorunalismus etwas beugen... ;) /ironie
"Den zitierten Satz derart aus dem Zusammenhang zu reißen ist fast schon böswillig. Der Spruch ist nämlich äußerst positiv gemeint. Das sollten die nachfolgenden Sätze eigentlich mehr als verdeutlicht haben.
Und Peers Frisur ist nicht Gegenstand der Diskussion! Keine Haarspaltereien bitte!!!!eins!!!11"
;)
Nur so mal zum Feierabend hin: wenn Uwe mit seinen Filmen nur immer Minus machen würde, dann würde er keine Filme mehr drehen ;-)
Über die Zweitverwertung reden wir hier nicht, die kann noch so gut sein, am Kinoflop ändert das nichts. ;)
Zitat "Ich vermute, dass genau diese Umstände den Streifen floppen ließen: Wer will schon solides und unterhaltsames Filmhandwerk von Uwe Boll sehen?"
Sorry aber nur weil man kein dickes Filmstudio im Rücken hat, ist ein Film gleich ein Flop wenn er nur in wenigen Kinos läuft?
DVD/BluRay Verkaufszahlen und TV Einschaltquoten sind doch gut, Uwes Filme auf Independend Festivals immer gerne gesehen, aber das veröffentlicht man natürlich nicht.
img63.imageshack.us/.../ratingsmay23.jpg
img138.imageshack.us/.../chinadungeonsiege.png
Aber schon mal vorweg gespoilt: Sind schon riesige Unterschiede da... andere Hauptdarstellerin - Wild West statt Fantasy - DVD statt Kino - kein Michael Pare... ;)
mir gefällt das Boll-Bashing überhaupt nicht.
Paar Kumpels, Chips & Bier und man hat den
perfekten Kinoabend.
Ok, die andern waren scheisse, aber den Film kann man doch net zerreissen. der zerreisst sich höchstens selber ...