Simon (James McAvoy) arbeitet bei einem Kunstauktionator. Als ein mehr als 25 Millionen Pfund teures Bild versteigert werden soll, findet ein Überfall statt. Beinahe gelingt es Simon, das Bild zu retten, doch die Räuber entkommen mit der (tatsächlich leeren) Tasche und der sich als Held gerierende Simon wird mit einem heftigen Schlag auf den Kopf ins Reich der Träume geschickt.

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Gut zehn Minuten von „Trance“ sind vergangen. Die Geschichte scheint abgesteckt, die Helden- und Schurkenfiguren definiert, doch dann nimmt Danny Boyles neuer Film eine harte Wende. Denn Simon ist Teil des Raubzugs, aber damit beginnt auch das Problem. Nach dem Schlag auf dem Kopf und einer Operation leidet er an Amnesie. Er hat keinerlei Erinnerung mehr daran, wo er das Bild versteckt hat.

Seine Kumpane foltern ihn erst, glauben ihm dann aber, dass er sich tatsächlich nicht erinnern kann. Doch nun stellt sich die Frage, wie man Simons Erinnerung auf die Sprünge helfen kann. Franck (Vincent Cassel) hat die rettende Idee: Hypnose soll’s richten.

So wird Simon zur Hypnose-Therapeutin Elizabeth Lamb (Rosario Dawson) geschickt, doch damit beginnt ein Verwirrspiel, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Erinnern und vergessen

„Trance“ beginnt als ein Heist-Film, ist aber weit mehr als das. Zumeist kann man Geschichten in zwei Kategorien unterteilen: Jene, die von der Story angetrieben werden, und jene, die durch die Figuren am Laufen gehalten werden. „Trance“ ist eine Mixtur aus beidem, eine filigran gestaltete, immer wieder in den nächsten Gang schaltende Narrative, die für Irritierung sorgen kann, aber auch eine Geschichte, in der es vor allem die nicht übermäßig komplex gestalteten Handlungsträger sind, die den Verlauf der Geschichte diktieren.

Spannender Thriller, der mit seiner wechselhaften Erzählweise herausfordernd ist. Danny Boyles Versuch, den Zuschauer in Trance zu versetzen.Fazit lesen

Boyles Film befasst sich im Kern mit dem Gegensatz von Vergessen und Erinnern. Er geht soweit, dass er dem Zuschauer Szenen präsentiert, die nicht geschehen, obwohl sich der Protagonist an sie erinnert. Denn „Trance“ spielt häufig in jenem Reich, das der Titel vorgibt – der Zwischenwelt zwischen Realität und Einbildung. Was man sieht, spürt, schmeckt, anfassen kann, kann genauso irreal sein wie ein rosa Elefant im Porzellanladen, falls man in der unglückseligen Lage ist, sich so etwas einzubilden.

Trance - Gefährliche Erinnerung - Einbildung oder Realität? Der neue Mindfuck des Regisseurs von 28 Days later

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James McAvoy in Trance: Was ist echt und was nur eingebildet?
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Boyle ist sich seiner Geschichte, aber auch der Inszenierung sicher. Er findet phantastische Übergänge von einem Bewusstseinszustand in den nächsten. Mehr als einmal erlebt man als Zuschauer das Gefühl der Desorientierung, wenn ein Umschnitt der Fortführung einer Handlung Vorschub leistet, die man so nicht erwartet hätte.

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Schicksal vs. Freier Wille

In einer Szene mit Franck und Elisabeth wird klargestellt, dass fünf Prozent der Menschheit für hypnotische Suggestionen extrem empfänglich sind. Man kann diesen Menschen buchstäblich alles befehlen. Und sie werden es tun, weil der eigene freie Wille gegen den nicht empfundenen Zwang eines anderen ausgetauscht wurde. „Trance“ spielt mit dieser Idee und stellt den freien Willen als solches in Frage, der von der Wissenschaft – oder zumindest Teilen davon – als eine Art Illusion, der man selbst aufliegt, entlarvt wurde.

Analog vs. Digital, Gut vs. Böse

„Trance“ arbeitet mit Gegensätzen und Kontrasten, und das im Großen wie auch im Kleinen. Vergangenheit und Gegenwart bedingen einander und verschmelzen im Verlauf der Geschichte immer mehr. Es sind nicht die einzigen Gegensätze, die – oftmals auch subtil – spürbar werden. So trifft man die Therapeutin in einem Club namens „Analog“, sie selbst arbeitet aber ausgesprochen digital – und das nicht nur in der realen Welt, sondern auch im Bereich der Trance selbst. Nicht zuletzt nutzt der Film die Darstellung der nackten Frau in der Kunst als ein die Geschichte vorantreibendes Detail.

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Danny Boyle beweist einmal mehr ein Gespür für kraftvolle Bildsprache.
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Grandios ist „Trance“ aber auch, weil er mit der Wahrnehmung des Zuschauers spielt. Er gibt ihm ein klares Set an Figuren und Konditionen vor und bedient die Erwartungen, nur um dann das Verständnis dessen, wer gut und wer böse ist, vollständig auf den Kopf zu stellen.