Im Verlauf des Films werden die Spielregeln für eine falsche Erinnerung der Hauptfigur, aber auch dem Zuschauer erklärt. Implantierbar ist jede Erinnerung, aber es darf nichts sein, das der Klient bereits erlebt hat. Würde man also mit einer Geliebten eine Reise machen wollen, dann sollte man im echten Leben keine Geliebte haben. Das Gehirn kann sonst die widersprüchlichen Informationen nicht verarbeiten. Es kommt zu einem schweren Gehirnschaden.

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Den muss man bei der Neuauflage von „Total Recall“ nicht befürchten, allerdings fühlt man sich wie ein Rekall-Klient, dem Erinnerungen implantiert werden, die man bereits hat. Oder anders ausgedrückt: Len Wisemans Film kopiert das 1990er Original gnadenlos.

Doug Quaid lebt in der Kolonie, einem verarmten Teil der Welt, aus dem die Arbeiter für die Fabriken des wohlhabenden Teils dieser Welt kommen. Er ist Fließbandarbeiter und möchte endlich mal was erleben – oder sich zumindest daran erinnern. Darum geht er zu Rekall, wo man ihm anbietet, dass er ein Abenteuer als Geheimagent erleben kann.

Total Recall - Die Qual der totalen Erinnerung

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Doug will die totale Erinnerung.
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Doch als der Rekall-Prozess beginnt, werden echte Erinnerungen geweckt. Denn Quaid ist ein Geheimagent, der nun jedoch weder weiß, wer er ist, noch wem er vertrauen kann. Seiner Frau Lori auf jeden Fall schon mal nicht, denn die arbeitet für die Regierung, ist eine hochspezialisierte Agentin und versucht, ihn auszuschalten.

Während Kanzler Cohaagen einen gigantischen Coup plant, der die aufmüpfige Kolonie ein für allemal unter seine Knute bringen wird, muss Quaid den Anführer des Widerstands finden. Denn in seinem Kopf befindet sich eine Information, die den Tod vieler Tausender verhindern könnte…

Original und Fälschung

Warum man einen Film aus dem Jahr 1990 der Remake-Behandlung unterziehen muss, bleibt unverständlich. Verhoevens Film ist für moderne Zuschauer noch immer exzellente Unterhaltung. Nun hätte man eine Neuinterpretation von „Total Recall“ auch so angehen können, dass man sich stärker an der zugrundeliegenden Kurzgeschichte orientiert. Doch auch das gibt es nicht.

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Statt die interessanten Ideen aus Dicks Vorlage – im Speziellen das doppelbödige Ende – umzusetzen, hat man die Geschichte des Schwarzenegger-Films einfach noch einmal verfilmt. Die größten Unterschiede? Der Film spielt nicht auf dem Mars und Quaids Alter Ego heißt nicht mehr Doug, sondern Carl.

Nette Actionsequenzen bewahren diese Kopie des 1990er-Films auch nicht davor, an der eigenen Redundanz zu ersticken.Fazit lesen

Die Beats des Originals werden einfach wiederholt, die Veränderung des Settings und ein paar neue, gut gemachte, aber letztlich angesichts der vertrauten Geschichte nicht ausreichende Action-Sequenzen können da auch nichts mehr retten.

Total Recall - Die Qual der totalen Erinnerung

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Dann doch lieber das Original mit Schwarzenegger.
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In praktisch jeder Beziehung ist das Original dem Aufguss überlegen. Das gilt für Arnold Schwarzenegger, der tatsächlich die Verwirrung Quaids gut dargestellt hat, während Colin Farrells Figur nicht großartig drüber nachdenkt, sondern einfach draufloskämpft. Noch mehr gilt es für Ronny Cox, der als Cohaagen ein bedrohlicher Schurke war, während Bryan Cranston hier als Politiker wenig Charisma ausstrahlt – und sich auch noch als exzellenter Elitekämpfer erweist.

Einzig gut kommt Wisemans Frau Kate Beckinsale weg, die quasi ein Amalgam von Sharon Stones und Michael Ironsides Rollen ist und ihren Pseudo-Ehemann Quaid jagen darf.

Dicksche Filme lassen grüßen

„Total Recall“ will durch den Look punkten. Man hoffte wohl, die altbekannte Geschichte wenigstens visuell aufpeppen zu können. Originalität sucht man jedoch auch hier vergebens. Die Straßen der Kolonie erinnern an „Blade Runner“, die schöne Welt der Reichen an „Minority Report“.

Da Farrell auch in letzterem dabei war, wäre eigentlich interessant zu erfahren, wie er das alles sieht. Immerhin gibt es in beiden Filmen Verfolgungsjagden mit futuristischen Autos. Die Sequenzen sehen sich auch ziemlich ähnlich. Und wo man doch mal von der Vorlage abweicht, bedient man sich einfach bei den Ideen aus „Das fünfte Element“.

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Viel Lärm um nichts.
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Neben den bekannten Dick-Elementen plündert man noch „I, Robot“, denn Cohaagen lässt synthetische Polizisten und Soldaten auf seine Gegner los. Das sind in Weiß gehüllte Roboter, die Sunny nicht unähnlich sind.

Unterm Strich erscheint „Total Recall“ wie uninspirierte Resteverwertung, als ob jemand aus einem Schwung seiner Lieblingsfilme einen eigenen Film erschaffen will, mangels Talent und Mut aber nur faden Aufguss zustande bringt.

Was neu ist, ist unlogisch

Dass die Geschichte nicht mehr zum Mars führt, ist kaum von Bedeutung. Dass der Mars keine Erwähnung findet, nur beredtes Indiz dafür, dass die Kurzgeschichte „Erinnerungen en gros“ erst gar nicht für die neue Filmversion konsultiert wurde.

Neu ist hingegen ein Express, der die Arbeiter durch den Planeten am Erdkern vorbei zu ihrer Arbeitsstätte bringt. Nette Idee, wissenschaftlich jedoch absoluter Humbug, was nicht daran liegt, dass man bei Science Fiction auf Realismus pochen würde, sondern sich einfach ergibt, weil explizit auf die sich aufhebende Schwerkraft hingewiesen wird (und für die vielleicht coolste Actionsequenz des Films genutzt wird), das aber im krassen Gegensatz zur physikalischen Realität steht.

Der „leap of faith“ des Zuschauers bei phantastischen Geschichten ist eine Notwendigkeit, aber er funktioniert nur, wenn die Geschichte der eigenen Logik folgt.

Hanebüchen wird es bei der Charakterisierung Cohaagens, der hier nicht nur Politiker und Führer seines Landes ist, sondern abstruser Weise auch noch seine Armee begleitet und sich als Kämpfer erweist, der selbst Elite-Kriegern wie Quaid zu schaffen macht.