Tödliches Kommando - The Hurt Locker – Filmkritik

Unsere Kritik zum Oscar-Sieger

24
von Martin Beck, 08. März 2010 10:47 Uhr

Ein weiterer Film über den Irak-Krieg ist so willkommen wie ein Nagel im Auge. Krieg ist und bleibt eine Thematik, die in filmischer Form nur mit zeitlichem Abstand funktionieren kann. Das was man tagsüber in den Nachrichten sieht, möchte man abends nichts schon wieder schlucken. Alle bisherigen Versuche, den Irak-Krieg ins Kino zu bringen, endeten als satte Flops, was die Aussichten für „Tödliches Kommando“, einen Actionthriller über einen Bombensuchtrupp in Bagdad, ziemlich verdunkeln. Ach nein, nicht schon wieder gramgebeugte Männer zwischen Durchladen und Ehestreit…

Verortung und Spannung

Kathryn Bigelow kann es immer noch: „Tödliches Kommando“ widersteht dem Fluch bleierner Irak-Dramen und punktet als dichter, spannender Actionthriller.FazitWas ein Glück deswegen, dass „Tödliches Kommando“ einen anderen Ansatz wählt und sich vor allem als tougher Thriller präsentiert. Politische Aussagen werden, wenn überhaupt, nur ganz am Rande gemacht und das Geschehen könnte auch an jedem anderen Kriegsort ablaufen. Es geht dem Film vor allem um die Skizzierung der täglichen Erfahrungswelt der Soldaten, die ständig mit tödlichen Bedrohungen konfrontiert werden. Wer ist hier Freund und wer ist Feind? Die Araber werden überwiegend als anonyme Gegenüber gezeigt, was die Anspannung der Soldaten nur noch stärker macht.

Screenshot zu: Unsere Kritik zum Oscar-SiegerDer härteste Job der Erde: Das Bombenräumkommando im irak riskiert sein Leben.

Von Anfang an, als eine erste Bombenentschärfung die Fähigkeiten der Kinolautsprecher austestet, macht „Tödliches Kommando“ seine Marschrichtung klar: der Krieg dient als Hintergrund für Spannung, die zerbombte Umgebung verdeutlicht die Isolation der Soldatentruppe. Politisch korrekte Depri-Dramatik kommt hier nicht zum Zug, weil es keine in Stein gemeisselten Aussagen dafür gibt. Die Soldaten machen ihren Job und dieser ist nunmal verdammt gefährlich. Keiner kann es sich hier leisten, seine Aufgabe zu hinterfragen, dafür ist die Situation einfach zu brisant und die tägliche Konfrontation mit dem Tod viel zu direkt.

Inszeniert wurde „Tödliches Kommando“ von Kathryn Bigelow, die dank „Gefährliche Brandung“, „Strange Days“ und „Near Dark“ immer noch einen exzellenten Ruf als Actionregisseurin geniesst. Ihre letzten Filme, namentlich „The Weight of Water“ und „K-19 – Showdown in der Tiefe“, waren zwar alles andere als stramme Nägelbeißer, doch hier kann sie wieder an alte Stärken anknüpfen. „Tödliches Kommando“ strahlt eine physische Dichte aus, die sofort packt und erst gegen Ende, als der Plot verstärkt Emotionen zuläßt, ihren unmißverständlichen Griff lockert. Einige wenige, klar definierte Personen, ein ebenso klarer Auftrag und dann die ständige Bedrohung. Es sind einfache, geradezu reduzierte Strukturen, die hier als Nährboden für Spannung dienen.

Screenshot zu: Unsere Kritik zum Oscar-SiegerFreund oder Feind: Sehr bald können die Soldaten nicht mehr unterscheiden, wem sie trauen sollen.

Kathryn Bigelow beweist bei diesem Film erneut ihre Fähigkeiten für griffige, direkte Action, wobei allerdings die früher so prominente Kinetik einem deutlich zurückgenommeneren Stil weicht. Ausgehend von einem nach wie vor sehr dynamischen Schnitt, wird „Tödliches Kommando“ von Handkamera, nur spärlich eingesetzter Musik und einem Verzicht auf formale Blendereien bestimmt. Der Film wirkt so real bis fast schon dokumentarisch, die Anspannung der Soldaten erscheint glaubwürdig und überträgt sich auf den Zuschauer. Da das Drehbuch eher ein grobes Handlungsgerüst, denn konventionelle Inhalte verbreitet, bleibt umso mehr Raum für die Vermittlung der jederzeit anwesenden Bedrohung. Der hierfür zuständige Autor, Mark Boal, ist eigentlich Journalist und begleitete vor ein paar Jahren tatsächlich ein Bombenkommando in Bagdad.

Kommentare 24
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MAINSTREAM09.04.2010 14:56
IHR OPFER HÄTTET HIER NIE NE KRITIK GESCHRIBEN WENN DER FILM NICHT BEI DEN OSKARS ABGERÄUMT HÄTTE!
OPFER
TOLLE FILMEXPERTEN
MAINSTREAM SEID IHR
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huraaaaaa22.03.2010 23:29
wieder einmal zeigt Hollywood, was es am besten kann:
sich selber feiern und vor washington knien - business as usual - und schnell noch ein "kommt gut heim, jungs.." in das micro gehaucht, wenn man schon mal die statue in den händen halten darf.
Herr Obama darf krieg führen und den friedensnobelpreis erhalten.
change jungs, change - es ist höchste zeit!
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MamiS_KleineR_LieblinGMamiS_KleineR_LieblinG18.03.2010 20:45
Ich hab mir The Hurt Locker mittlerweile angeschaut und er hat mir wirklich ausgesprochen gut gefallen.
Wenn man bedenkt, dass der Film nur 11 Millionen Produktionskosten in Anspruch genommen hat, finde ich das sogar nochmal beeindruckender.
Meine Wertung 8/10
6 Oscars finde ich aber auch etwas überzogen.

Avatar bleibt für mich aber der Film des Jahres 2009.
Die Inszenierung, der Sound, die Bildgewalt und der 3D Effekt (war mein erster 3D-Film) waren einfach nur genial. Da verzeiht man gerne die wenig anspruchsvolle Story.
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eccelsoeccelso15.03.2010 14:55
Ich finde durch die Oscarverleihung wird einmal mehr gezeigt, dass nicht mehr eine ordentliche Geschichte, schöne Dialoge und ähnliches Zählen; sobald die Helden der Amerikaner verkörpert sind, hat der Film schon Oscars verdient. Er hat mir nicht so gut gefallen.
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Überbewertet11.03.2010 20:40
Also packend sind an dem Film vielleicht die ersten paar Minuten, dann plätschert der Film so dahin um uns am Ende seine Aussage sowas von plump zu präsentieren... Naja.
Des weiteren gab es keine Höhepunkte. Keine ausgefallenen Dialoge, keine bewegenden Bilder, keine außerordentliche Darsteller.

6 Oskars für den Film? Halte ich persönlich für unverdient.
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KampfKeKs10.03.2010 15:47
Oh, jetzt wo du's sagst, stimmt ja - danke :D
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Recht gut aber soooo toll???10.03.2010 14:46
absolut überbewertet und dann noch oskar??

Aber spannend war er schon , kann man sich schon anschauen
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MamiS_KleineR_LieblinGMamiS_KleineR_LieblinG09.03.2010 18:49
@Kampfkeks: Du zitierst nen Post von August 2009...

Die Kritik wurde nur aus der Versenkung geholt, weil der Film so viele Oscars abgeräumt hat, vermute ich mal.
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KampfKeKs93KampfKeKs9309.03.2010 17:29
David Hain schrieb:
...und dass, obwohl der Film erst ab Donnerstag anläuft. Respekt!


Der lief doch schonmal, oder? Oo
Bei Amazon gibt's den zumindest auch als DVD zu kaufen, Link: www.amazon.de/.../ref=s9_simh_gw_p74_i1
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blubb08.03.2010 22:23
ich fand den film sowas von schlecht. oscars hätt ich dem nicht gegeben. avatar hat es freilich auch nicht wirklich verdient.

war eh ein schwaches kinojahr..
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ZamzamahZamzamah08.03.2010 18:41
Ich hab den vor nem halben Jahr oder so gesehen, allzu neu is er nicht.

Und David:

David Hain schrieb:
...und das, obwohl der Film erst ab Donnerstag anläuft. Respekt!


"das" nur mit einem "S" hier ;)

Rechtschreibflames > all
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MamiS_KleineR_LieblinGMamiS_KleineR_LieblinG08.03.2010 16:58
6 Oscars sind ne reife Leistung.
Bisher bin ich noch nicht zum Anschauen gekommen, aber das werde ich nun definitiv nachholen. :)
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MandharbMandharb23.08.2009 20:17
US Release ist auch schon etwas her oder?!^^
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ClariosClarios11.08.2009 19:37
Hmm da bin ich ja mal gespannt, Karten sind schon reserviert. Aber ganz ehrlich, muss mich "Arkem" anschließen, ohne euch wäre der Film wahrscheinlich an mir vorbei gegangen ;)

Danke!
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mac_the_millionmac_the_million11.08.2009 17:49
Sehr passend! Der gute Heinz Rudolf :D
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Astronaut in Bagdad11.08.2009 16:23
ein wie ich finde passender Song zum Film (auch in engl. Version möglich)
www.youtube.com/watch
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ArkemArkem10.08.2009 22:55
ja vielen dank für die kritik! der film wäre sicherlich an mir vorbeigegangen :)
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Chris10.08.2009 22:46
gibt doch sneak
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David HainDavid Hain10.08.2009 22:34
...und dass, obwohl der Film erst ab Donnerstag anläuft. Respekt!
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Pnoy10.08.2009 19:17
Habs mir grad mal angesehen, schon ein ziemlich solider film.
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psy10.08.2009 15:58
werde ich mir anschauen das ist sicher
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Taubenmann´s dazugegebener Senf:10.08.2009 15:41
Hört sich echt interessant an.
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Prozac10.08.2009 13:48
Diese Distanz fand ich gerade gut.Alle Soldaten versuchen irgendwie mit ihrer Situation klar zu kommen,es fällt ihnen schwer, wirklich nach aussen zu tragen, was sie tatsächlich spüren, wie ausgebrannt und fertig sie sind, um eben die "coolnes" zu bewahren, um den Stress des Krieges zu überstehen und nicht wahnsinnig zu werden....was jedoch später stellenweise passiert.Entsprechende Szene kurz vor Ende:"Ich will einen Sohn man...".Es wird mit minimalen Mitteln die Menschlichkeit der Soldaten gezeigt,ihre verletzlichkeit und das sie einfach einsam sind, auch unter Kameraden.Großes Kino.
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David HainDavid Hain10.08.2009 12:46
Toller Film, auch ich war schwer begeistert - auch wenn ich die distanzierte Haltung des Films zu unpersönlich und kühl fand.
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Tödliches Kommando - The Hurt Locker
Tödliches Kommando - The Hurt Locker FilmplakatRegie: Kathryn BigelowGenre:KriegsfilmFilmstart: Darsteller:Evangeline Lilly, David Morse, Guy Pierce, Ralph Fiennes, Jeremy Renner
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