Natalie Portman ist den meisten wohl als Padmé Amidala aus Star Wars, Evey in „V wie Vendetta“ und ihrer oscarprämierten Rolle in „Black Swan“ bekannt. In Thor spielte sie eher unscheinbar die verliebte Frau an der Seite des mächtigen Superhelden. Doch genau das soll sich mit „Thor 2 – The Dark Kingdom“ nun ändern, wie sie im gamona-Interview verriet.

Von Amidala zum Oscar

Eher schüchtern betritt die zierliche Natalie Portman den Raum, der mit Journalisten gefüllt ist. Die Haare schnell und irgendwie zusammengebunden, unscheinbare Kleidung – und trotzdem sehr reizend anzusehen. Niemand würde vermuten, dass hier ein großer Hollywoodstar vor einem sitzt, der solche Interviews schon haufenweise führte. Für ihre Rollen geht sie bis an die Substanz, wirkt stets selbstbewusst und etwas unnahbar. Doch solche Auftritte, in denen sie sie selbst ist, verunsichern Natalie Portman sichtlich. Und gerade das macht sie beim Interview so liebenswert sympathisch.

gamona: Du spielst gerne fordernde Rollen, für die du manchmal monatelang trainieren musst oder für die du sogar deine Haare fallen lässt. Welche Herausforderung bot für dich Jane Foster?

Natalie Portman: Thor 2 ist natürlich keiner von diesen Filmen, für die ich trainieren musste oder der wirklich großartige Forschung über die Rolle erforderte. Es ist eine Fantasywelt, die ich betreten musste und für die ich meine Vorstellungskraft brauchte. Die Herausforderung ist eher, auf dem Boden zu bleiben, wenn man in dieser Fantasywelt ist. Und natürlich der Green Screen, der ist immer eine Herausforderung für mich, egal, wie oft ich es schon gemacht habe, weil man sich die gesamte Umgebung um einen herum vorstellen muss. Es ist ein gutes Training für die Vorstellungskraft.

gamona: Du machst sehr unterschiedliche Filme und hast schon viele Preise gewonnen. Für Black Swan sogar einen Oscar. Wenn du nun Rollenangebote für Filme wie Thor erhältst, sitzt du dann daheim mit deinem Oscar und überlegst dir, ob du die Rolle annehmen solltest oder nicht?

Natalie Portman: Nein, denn es ist sehr aufregend und spaßig, verschiedene Dinge auszuprobieren. Ich mag Neues und jede Rolle bringt neue Herausforderungen, aber auch neue Freuden mit sich. Manchmal möchte man auch verschiedene Zielgruppen ansprechen. Manchmal will das Publikum etwas Dramatisches sehen, manchmal große Fantasy wie „Thor“ und manchmal etwas Lustiges. Ich denke, es gibt genug Platz für viele verschiedene Arten von Filmen.

Thor 2 - The Dark Kingdom - Von Amidala zum Oscar: Natalie Portman im Interview

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Natalie Portman mit ihren Filmkollegen Tom Hiddleston (Loki) und Chris Hemsworth (Thor).
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gamona: Dieses Mal führt Alan Taylor Regie, letztes Mal war es Kenneth Branagh. Beide Male spielst du die gleiche Figur. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeitsweise der beiden für dich?

Natalie Portman: Die beiden sind sehr unterschiedlich, so wie jeder Regisseur seine eigene Herangehensweise hat. Aber beide sind auf ihre Art und Weise grandiose Regisseure. Ken versteht sich bestens auf Shakespeare und konzentriert sich dadurch auf die einzelnen Charaktere im Film. Er ist ein Regisseur, der sehr auf die Schauspieler eingeht und den Figuren eine tiefe Persönlichkeit verleiht. Alan hat einen Doktor in Philosophie, dadurch hat er eine sehr einzigartige Sicht auf die Story und die Figuren. In dem einen Moment sieht er zum Beispiel ganz klar Thesen von Hegel oder anderen in der Handlung, darin geht er total auf. Dadurch verleiht er dem Film eine ganz neue Tiefe.

gamona: Konntest du die Weiterentwicklung der Rolle beeinflussen? Jetzt spielt Jane eine viel gewichtigere Rolle als im ersten Teil, in dem sie noch mehr dazu da war, Thor bloß anzuhimmeln. Nun rettet sie mit ihm die Welt.

Packshot zu Thor 2 - The Dark KingdomThor 2 - The Dark Kingdom

Natalie Portman: Wir haben alle darüber diskutiert, was sie durchmachen musste, in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Teil. Sie wusste, dass Thor mit den Avengers auf der Erde war und sich nicht bei ihr gemeldet hat. Deswegen konzentriert sie sich jetzt wieder auf ihr Leben und versucht sich auch wieder mit anderen Männern zu treffen. Solche Überlegungen haben wir gemacht, als wir uns zusammensetzten, um an Janes Rolle zu arbeiten, damit sie zu einer runden Sache wird. Das spiegelt sich dann auch im Skript wieder.

gamona: Stimmt es, dass du mehr Humor für Jane in diesen Film wolltest?

Natalie Portman: Ja, es war definitiv ein großer Wunsch, dass Jane in diesem Film lustiger sein sollte. Ich denke, eines der spaßigsten Dinge an den Marvel-Filmen ist der Humor. Niemand nimmt sich zu ernst. Und das ist etwas Tolles, das ich nun auch in meiner Rolle als Jane ausleben durfte.

Frauen, die ihre Männer vergöttern...

gamona: Was findet Jane so faszinierend an Thor?

Natalie Portman: Nun ja, Frauen haben oft die Neigung, ihre Männer zu vergöttern oder sie auf ein göttliches Podest zu stellen, wie viele meiner Freundinnen und ich es in der Vergangenheit schon taten. Das macht es umso witziger, sich mal in einen echten Gott verlieben zu dürfen (lacht).

gamona: Würdest du gerne einmal einen weiblichen Superhelden spielen?

Natalie Portman: Ich habe darüber noch nicht konkret nachgedacht, aber ich denke, dass das Publikum bereit für weibliche Superhelden ist. Ich würde es aber definitiv aus der Sicht des Zuschauers genießen, wenn so etwas herauskommen würde.

gamona: Hattest du Spaß daran, Tom UND Chris ohrfeigen zu dürfen?

Natalie Portman (lacht): Ja, Jane ohrfeigt dieses Mal sehr gerne, stimmt. Es ist definitiv ihre bevorzugte Bewegung. Und es war toll! Die beiden haben mich dazu ermutigt, sie auch wirklich zu schlagen, damit es echt aussieht. Wir haben Fake-Schläge ausprobiert, aber das sah nie echt aus. Also musste ich sie wirklich schlagen. Sie sind aber viel zu groß und stark, als dass ich ihnen wirklich wehtun könnte. Daher denke ich, dass es OK war. (grinst verschmitzt)

Thor 2 - The Dark Kingdom - Von Amidala zum Oscar: Natalie Portman im Interview

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Natalie Portman spielte u.a. in "Leon - der Profi", "Star Wars" und "V wie Vendetta".
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gamona: Der Äther übernimmt Besitz von Janes Körper. Wie kommt es, dass sie so kontrolliert bleibt und sich nicht sofort in etwas Böses verwandelt?

Natalie Portman: Puh! Das ist eine sehr wichtige Frage, die auch die Natur des Charakters betrifft. Wir haben darüber am Set sehr viel geredet. Wann wird sie müde, wann wird sie schwach? Dann geht es ihr auf einmal wieder gut und sie geht herum, dann rennt sie, dann wird sie aber gräulicher und blasser im Gesicht… und so weiter. Wir haben entschieden, dass das eines dieser unberechenbaren Dinge wie Malaria ist. Mal geht es dir gut und auf einmal hast du eine Attacke. (spricht mysteriös) Du weißt nie, wann es dich trifft!

gamona: Jane war im ersten Avengers-Teil ja nicht dabei. Wird sie Bestandteil des zweiten Films sein?

Natalie Portman: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Bislang habe ich noch nichts gehört. Das könnte man als Zeichen dafür nehmen, dass sie nicht dabei sein wird. Aber wir werden erst noch sehen, was der Plan ist.

gamona: Bist du selbst ein Wissenschaftsfreak wie Jane?

Natalie Portman: Ähm… eigentlich nicht. Aber ich bin damit aufgewachsen. Mein Vater ist Arzt, daher gab es jeden Tag beim Abendessen viele wissenschaftliche Gespräche am Esstisch. Wenn etwas Derartiges in den Nachrichten kommt, erregt es auf jeden Fall meine Aufmerksamkeit - mehr als manch anderes sogar. Aber ich lese keine wissenschaftlichen Fachmagazine. (lacht)

Star Wars, Leon - der Profi, Thor

gamona: Du hast inzwischen bei „Star Wars“ und bei „Thor“ mitgespielt, das sind beides Reihen, die viele Fans haben. Bist du selbst Fan von etwas? Von Comics, Bands oder anderem?

Natalie Portman: Nein, ich war nie ein Comic-Fan. Aber ich war unglaublich großer Fan der Bücherreihe „Baby-Sitters Club“. (fängt an zu schwärmen) Das ist eine Buchserie für junge Mädchen, es gibt glaube ich inzwischen an die 150 Bücher davon. Als ich 10 Jahre alt war, stand ich 5 Stunden in der Warteschlange, um die Autorin zu treffen und einen von mir erdachten Charakter vorzuschlagen. Ich weiß also ganz genau, was es heißt, Fan von einer Sache zu sein. (lacht)

gamona: Was für persönliche Erfahrungen konntest du denn bislang mit den Fans von Star Wars oder Marvel machen?

Natalie Portman: Bisher waren alle sehr positiv. Ich denke auch, dass die Fans am Entstehungsprozess teilhaben. Sie sind leidenschaftlich und enthusiastisch. Gerade in Zeiten des Internets, wo jeder seine Meinung äußern kann, hören die Studios auch wirklich auf ihre Fans und kümmern sich um sie. Eines der Dinge, die ich so toll an Marvel finde, ist, dass die Mitarbeiter in den Studios selbst die größten Marvel-Fans sind – sie kennen die Comicbücher besser, als irgendjemand sonst und wissen dementsprechend auch wirklich, was die Fans sehen wollen. Das ist eben Teil ihres Erfolgsgeheimnisses.

gamona: Aber du hast keinen Kontakt mit Fans über Twitter oder so?

Natalie Portman: Oh nein! Nein, nein! Soziale Netzwerke liegen mir einfach nicht, aber ich nutze die Chance auf Premieren und Events wie der Comic-Con.

gamona: Wann hast du selbst den fertigen Film mit allen seinen Effekten gesehen und wie war das für dich?

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Natalie Portman als Jane.
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Natalie Portman: Ich habe den Film zum ersten Mal erst vor zwei Wochen gesehen. Es war eine sehr wilde Erfahrung, sich selbst auf einer Reise zu sehen, an Orten, an denen man nie war. Du siehst dich selbst und diese ganzen Erfindungen und siehst dich mit Personen sprechen, die du nie getroffen hast. Das ist sehr verrückt und aufregend. Daher ist es auch gut jemanden wie Alan zu haben, der dir ganz genau erklärt, was um dich herum passiert und dir Bilder davon zeigt. Denn im Endeffekt ist diese Welt nur eine Täuschung, die man sich vorstellen muss und am Ende dann so wundervoll kreiert wird. Das benötigt auf jeden Fall eine große Portion Vorstellungskraft.

gamona: …weil es kein Theater und keine traditionelle Schauspielerei ist.

Natalie Portman: Ich würde sogar behaupten, dass das die reinste Form der Schauspielerei ist! Ich glaube, die Leute erkennen die Leistung von Chris Hemsworth zum Beispiel gar nicht genug an. Zu tun, als wäre man so mächtig und so dramatisch zu agieren, mit so wenigen Dingen am Set um sich herum, die das unterstützen könnten, ist viel schwerer als bei klassischen Filmen, die jedoch mit Preisen überhäuft werden. Diese Filme thematisieren reale Probleme mit realen Drehorten und realen Charakteren. Dafür braucht man sich als Schauspieler nicht so viel vorzustellen.

Eine Geschichte von Liebe und Dunkelheit

gamona: Was ist dir als Künstlerin wichtiger? Der Dreh selbst oder das fertige Werk?

Natalie Portman: Beides ist sehr wichtig. Das, was du am meisten davon mitnimmst, ist natürlich die Erfahrung, die du beim Dreh gemacht hast. Aber auch das Ziel, eine Verbindung mit den Zuschauern zu schaffen und mit ihnen zu kommunizieren, ist mir wichtig. Müsste ich jedoch eines von beiden wählen, wäre es die Erfahrung am Set.

gamona: Was war das Überraschendste für dich, während ihr Thor gedreht habt?

Natalie Portman: Am meisten hat mich überrascht, WIE viel wir gelacht haben. Wir haben wirklich sehr viel am Set gelacht. Und diesen Spaß, den wir hatten, kann man auch im Film spüren. Denn der Film ist sehr lustig geworden.

gamona: Kannst du uns etwas über dein nächstes Projekt verraten?

Natalie Portman: Ja, ich bin gerade dabei in Israel zum ersten Mal Regie bei einem Film zu führen. Er wird „A Tale of Love and Darkness“ heißen. Es ist eine Verfilmung des Buches von Amos Oz. Das ist das erste Buch, das ich gelesen habe und bei dem ich das Gefühl hatte, dass diese Geschichte wirklich erzählt werden möchte und erzählt werden muss! Es begleitet mich schon lange und übt eine gewisse Faszination auf mich aus.

gamona: Vermisst du es manchmal, so verrücke Kostüme wie die von Prinzessin Amidala zu tragen?

Natalie Portman: Oh ja, es war toll, diese Kostüme zu tragen! Die Kostüme von Jane in Asgard waren natürlich nicht so beeindruckend und ausgefallen wie die Königinnenkostüme von Amidala, aber trotzdem sehr prunkvoll. Das ist auch Teil des Spaßes, den man beim Filmemachen hat. Es ist wirklich beeindruckend, wie viel Arbeit in den Entwürfen für die Kleider steckt. Selbst ein eigener Juwelier befindet sich im Haus, der alles eigenhändig für den Film anfertigt. Privat trage ich natürlich Jeans und T-Shirt. Es wäre eigenartig in asgardischer Kleidung am Spielplatz zu erscheinen… (lacht)

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Als Nächstes führt Natalie Portman selbst Regie beim israelischen Film "A Tale of Love and Darkness".
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gamona: Du bist gerade auf großer Promotour und hast viele Interviews. Welche Frage kannst du nicht mehr hören?

Natalie Portman (lacht): Wie sich Jane im Laufe der beiden Filme verändert hat. Das hat man mich schon sooo oft gefragt, was aber auch verständlich ist.

gamona: Siehst du die Auftritte am roten Teppich als notwendiges Übel oder hast du wirklich Spaß daran?

Natalie Portman: Es ist schwer, das so einzuteilen. Nach all den Jahren fühle ich mich noch immer unwohl mit solchen Situationen. Andererseits ist es auch eine spaßige Abwechslung einmal den Prinzessinnen-Moment zu haben, wenn man sonst nur T-Shirts und Freizeithosen trägt.

gamona: Und was trägst du heute Abend?

Natalie Portman: Ich habe eine Auswahl dabei. Mal sehen, was sich nach dem Abendessen am bequemsten anfühlt. (lacht)

gamona: Was ist dein Lieblingsfilm?

Natalie Portman: Oh, da einen einzigen rauszusuchen ist schwierig bei so vielen verschiedenen Arten von Filmen. Ich mag „In der Glut des Südens“ („Days of Heaven“) sehr. Am häufigsten gesehen habe ich allerdings „Dirty Dancing“ (lacht). Aber auch „Das darf man nur als Erwachsener“ („Sixteen Candles“) ist toll.

gamona: Wie siehst du aus heutiger Sicht die Erfahrung als junge Schauspielerin bei einem Film wie „Leon der Profi“ mitgespielt zu haben?

Natalie Portman: Ich betrachte es als große Chance, dass das mein erster Film sein durfte, und denke, dass ich großes Glück damit hatte. Ich hätte vermutlich jeden Film angenommen, den man mir angeboten hätte. Aber dass mein erster Film dann direkt so etwas Großes war, mit so großartigen Schauspielern, einem so tollen Regisseur und einer so fantastischen Geschichte, das war wahres Glück! Es war eine großartige Erfahrung und ich hatte eine tolle Zeit.

gamona: Natalie, vielen Dank für das Gespräch.

Thor 2 - The Dark Kingdom - gamona am Roten Teppich14 weitere Videos