Nein, um das Ende der Welt geht es in Edgar Wrights neuem Film nicht. Allenfalls um das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Das titelgebende „The World’s End“ meint aber nicht das Ende allen Seins, sondern den Finalpunkt einer Sauftour, die in eben diesem Pub enden soll.

The World's End - Exklusiver Clip: 5 Freunde, 12 Pubs, 60 Biere4 weitere Videos

Gary King (Simon Pegg) hat nicht viel im Leben. Er ist im Grunde noch immer der Loser, der er auch mit 19 Jahren war. Damals zogen seine vier Freunde Oliver (Martin Freeman), Steven (Paddy Considine), Peter (Eddie Marsan), Andy (Nick Frost) und er durch die Stadt. Das Ziel war die Goldene Meile, ein Parcours quer durch die Stadt, der durch zwölf Pubs führt. In jedem sollte etwas getrunken werden. Damals mussten die Freunde jedoch beim neunten Pub abbrechen.

Nun möchte Gary die Goldene Meile endlich bezwingen. Es gelingt ihm, die alten Freunde, die sich jahrelang schon nicht mehr gesehen haben, zusammenzutrommeln. In ihrer alten Heimatstadt beginnt die Sauftour, das Aufwärmen alter Erinnerungen kommt jedoch auch mit Streitigkeiten einher, die sich nun, da man älter ist, potenzieren. Aber das ist noch das kleinste Problem der Freunde, denn sie müssen feststellen, dass sich in Newton Haven so einiges verändert hat. Die Menschen, die hier leben, sind nicht mehr, was sie einmal waren…

The World's End - Auf einen gelungenen Trilogieabschluss: Das kann uns keiner nehmen, lasst uns die Gläser heben

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Hoch die Gläser: Gary will die Goldene Meile gemeinsam mit seinen früheren Saufkumpanen endgültig bezwingen. Prost!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein Hauch von Nostalgie

Mit dem Abschluss ihrer Three-Flavours-Cornetto-Trilogie geben sich Edgar Wright und Simon Pegg recht nostalgisch. Der Blick auf die eigene Jugend, auf eine unbeschwerte Zeit, die in der Retrospektive umso süßer ist, bestimmt diesen Film. Nach dem Zombiefilm mit „Shaun of the Dead“ und dem Actionfilm mit „Hot Fuzz“ nehmen sich die beiden nun des Science-Fiction-Films an. „The World’s End“ hätte aber sogar funktioniert, wenn alle phantastischen Aspekte außen vorgelassen worden wären. Sie treten immerhin auch erst nach gut einem Drittel auf.

Der Film vollzieht dann einen Genrewechsel, nicht unähnlich „From Dusk Till Dawn“. Was gerade noch eine Komödie darüber war, wie fünf Freunde sich nach Jahren wiedersehen – sozusagen „Der große Frust“ lustig und ohne Beerdigung – wird urplötzlich zu einem Körperfresserfilm. Das verrät schon der Trailer. Beim Marketing war man in einer Zwickmühle. Einerseits will man zeigen, was Cooles zu erwarten ist, andererseits nimmt das natürlich auch den überraschenden Genrewechsel vorweg.

Packshot zu The World's EndThe World's End

Wilder Genremix

Ein bisschen wünscht man sich gar, dass Wright und Pegg auf die Außerirdischenkomponente verzichtet hätten. Im Grunde wäre sie nicht vonnöten gewesen, was den Film aber allen Humors zum Trotz dann hätte ernsthafter werden lassen. Denn die Figuren, allen voran Gary King, machen eine Entwicklung durch, die viel dramatisches Potenzial besitzt.

Der Film spielt mit Nostalgie, die sich in fortgeschrittenem Alter einstellt, mit der Sehnsucht danach, sich wieder so jung und frei wie früher zu fühlen, als die Zwänge des Alltags noch nicht so spürbar waren, als man noch nicht gegenüber Frau und Kind Verantwortung trug und einfach in den Tag hineinleben konnte.

Natürlich gibt es kein Zurück zu dieser Zeit, aber sich daran zu erinnern hat manchmal eine ganz besondere Würze. Das haben auch Wright und Pegg erkannt, die die Geschichte dieser Freunde höchst charmant erzählen und dabei auch einen bissigen Kommentar darauf geben, wie sich die Welt um uns herum ändert und aus hübschen, kleinen Pubs Franchise-Unternehmen ohne Herz und Seele werden.

Nach Shaun of the Dead und Hot Fuzz nehmen sich Edgar Wright und Simon Pegg eines weiteren Genres an: Vergnügliche SF-Komödie mit viel nostalgischem Flair.Fazit lesen

Von Vorteil ist, dass die fünf Hauptdarsteller wirklich wie alte Freunde erscheinen. Auch aus dieser Vertrautheit heraus ergeben sich einige vergnügliche Momente.

Das Abenteuer beginnt

In der zweiten Hälfte ist „The World’s End“ natürlich deutlich überzogener. Man kann es sich wie „Shaun of the Dead“ vorstellen, nur mit Robotern anstelle von Zombies. Dazu kommt, dass Pegg und Frost im Grunde dieselben Figuren spielen. Sie haben immer andere Namen, aber in allen drei Cornetto-Filmen spielen sie sehr ähnliche Typen.

The World's End - Auf einen gelungenen Trilogieabschluss: Das kann uns keiner nehmen, lasst uns die Gläser heben

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Simon Pegg überzeugt auch diesmal als durchgeknallter Vogel, der nie wirklich erwachsen geworden ist.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Kampf mit den Robotern – den Hohlen, wie die Freunde sie nennen – ist dann überdrehte Action, die aber auch nicht vergisst, Dramatik und Humor zu bedienen. Passend dazu gibt es Pierce Brosnan in einer Rolle zu sehen, wie er sie wohl noch nie zuvor gespielt hat.

Amüsant ist bei den Kämpfen mit den Robotern, dass Gary King niemals aufhört, die Sauftour fortzusetzen. Sehr schön, wie er sich prügelt und dabei ganz genau darauf achtet, nur ja nicht sein Bier zu verschütten.

Bei einem Film wie diesem steht natürlich die Frage im Raum, wie man die Geschichte zufriedenstellend beenden kann. Wright und Pegg geben sich dabei besonders mutig und finden einen Epilog, der im Grunde perfekt ist, ein Sequel vorzubereiten, in dem dann eine andere Unterart der Science-Fiction in neuem Kontext eingesetzt werden könnte. Aber ein solches Sequel wird es nicht geben, auch wenn Wright und Pegg nicht ausgeschlossen haben, künftig weitere Filme zu machen. Aus der Trilogie könnte so eine Tetralogie werden.