Jedes Jahr verschwinden Hunderte Menschen auf hoher See. So der einleitende Text von „The Watermen“. Die Implikation ist klar: Sie werden Opfer der Watermen. Während des Ansehens wünscht man sich eigentlich auch, zu ihnen zu gehören, um das Trauerspiel nicht weiter ertragen zu müssen.

„Die Glücklichen sterben zuerst“, hieß die Werbezeile eines anderen Horrorfilms. Für „The Watermen“ gilt dies, und zwar für jeden Schauspieler, der flugs verschwindet, aber auch für den Zuschauer, der ansonsten miterleben muss, wie quälend lang 90 Minuten sein können.

Ein paar reiche Jungs und Mädels fahren mit einer Yacht aufs Meer hinaus. Hochseefischen ist angesagt, doch schon nach kurzer Zeit fällt der Motor aus und die Kommunikation ist gestört. Ganz offenbar wurde hier Sabotage betrieben. Etwas Zeit vergeht und die Panik nimmt zu, als ein Fischerboot am Horizont auftaucht und Kurs auf die Yacht nimmt.

Die Unglücklichen glauben, sie seien gerettet, und trinken gierig das Wasser, das man ihnen anbietet. Dumm nur, dass es mit einem Betäubungsmittel versetzt ist. Als die Jungs und Mädels wieder erwachen, befinden sie sich in einer Hütte am See, wo die Watermen mit ihrem blutigen Handwerk beginnen.

Einen nach dem anderen wollen sie ihre Opfer tranchieren, aber dann können diese entkommen, was zu einer langatmigen Flucht mit allerlei Gerangel zwischen Watermen und Fliehenden führt.

The Watermen - Fisherman's Foe: Mörder, Möpse und Jay (ohne Silent Bob)

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Am Anfang ist das Holz vor der Hütte noch auf einem Schiff.
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Klischees noch und nöcher

Wie ein Pilot vor dem Flugstart seine Checkliste durchgeht, so kann man auch bei „The Watermen“ die Klischeepunkte abhaken. Hier ist alles vertreten, was 08/15-Horror benötigt. Ein blondes Bimbo, das im Prolog flieht und gekillt wird? Check. Dumme und hohle Figuren, die die Nerven des Zuschauers strapazieren? Check. Elendslange Wartezeit, bis der Horrorteil des Films beginnt? Check. Blutige Folterszenen? Check. Unendlich erscheinende Fluchtsequenzen, die immer wieder von Angriffen der bösen Buben unterbrochen werden? Check. Fehlender Unterhaltungswert? Check.

Packshot zu The WatermenThe Watermen

Es ist ein abgedroschener Spruch, keine Frage, aber das Beste am Film? Dass er irgendwann endet.

Wo ist der Captain?

Autor und Regisseur Matt L. Lockhart ist offensichtlich ein ganz großer Fan von Backwoods-Filmen. Er zitiert sie auch ausgiebig, ohne jemals eigene interessante Impulse setzen zu können. Stattdessen verläuft bei „The Watermen“ alles nach Schema F. Noch nicht einmal der Umstand, dass man nicht durch den Wald hetzt, sondern erst auf dem Meer und dann in Marschland agiert, ändert daran etwas.

Stupide Horrorkost nach Schema F ohne jeden Funken Originalität. Zum Einschlafen.Fazit lesen

Wirklich grandios ist, dass im Verlauf des Streifens eine Figur ganz und gar vergessen wird: der Captain der Yacht. Der verschwindet einfach, als die jungen Leute um ihr Leben kämpfen. Vielleicht hat sich der Schauspieler ja abgeseilt, weil ihm klar wurde, dass diesem Projekt das Wasser bis zum Hals steht.

Futter für die Fische

Man ist bei Horrorfilmen ja gewohnt, dass die Motivation von Killern etwas… naja… eigenwillig ist. Bei „The Watermen“ ist sie jedoch abstruser als üblich. Und das spoilern wir hier auch gerne, weil man ohnehin niemandem empfehlen kann, diesen Film im Kino zu sehen.

The Watermen - Fisherman's Foe: Mörder, Möpse und Jay (ohne Silent Bob)

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Plötzlich ist das Holz vor der Hütte dann in der Hütte. Sachen gibt's...
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Die Watermen entführen Leute am laufenden Band, um sie in Stücke zu hacken und als Fischköder zu benutzen. Weil das Menschenfleisch so schön weich ist und die Fische offenbar besser angelockt werden.

Da wünscht man sich die anarchische, hauptsächlich von Sadismus geprägte Motivation der Saw-Family zurück. Denn die kann man innerhalb ihres irren Kontexts zumindest nachvollziehen. Bei „The Watermen“ kann man hingegen nur den Kopf schütteln.