Der Pitch sah vermutlich so aus: „Meine teuflischen Nachbarn“ trifft „Attack the Block“. Und ein paar Studio-Executives haben angebissen. Umso mehr, da man das humorige Quartett der Nachbarschaftswächter natürlich mit bekannten Namen besetzen konnte.

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In der erstaunlich langen Produktionsgeschichte war es anfangs Will Ferrell, der die Hauptrolle spielen sollte. Geworden ist es nun Ben Stiller, der aber auch schon deutlich bessere Rollen in deutlich besseren Filmen hatte. Aber: Er hat auch schon in noch mieseren Produktionen mitgewirkt.

Nachdem der Wachmann des Costco-Marktes brutal ermordet wurde, gründet Evan (Ben Stiller) eine Nachbarschaftswache. Das Interesse ist gering. Lediglich Bob (Vince Vaughn), Franklin (Jonah Hill) und Jamarcus (Richard Ayoade) beteiligen sich. Die chaotische Truppe sorgt anfangs eher für Chaos denn für Ordnung. Dann finden die Vier jedoch eine merkwürdige Metallkugel, mit der sich Energiestrahlen abschießen lassen.

The Watch - Nachbarn der 3. Art - Bitte, Mr. Alien, erschießen Sie mich!

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Vier Idioten gegen die Alien-Invasion: The Watch ist ein kruder Genre-Crossover.
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Damit nicht genug wird der Nachbarschaftswache bald klar, dass Außerirdische unter ihnen sind. Sie haben auch den Wachmann und weitere Menschen getötet. Da dem Quartett natürlich eh niemand glauben würde, sehen sie sich als erste Verteidigungslinie für die Menschheit und machen sich daran, die außerirdische Brut aufzuspüren…

Dummköpfe unter sich

Dass die vier Nachbarschaftswächter allesamt gestört sind, wird von der ersten Minute an etabliert. Evan gründet gern Gruppen, hat aber keine echten Freunde, Bob ist ein unglaublich nerviges großes Kind und Franklin wollte zur Polizei, man nahm ihn aber nicht, weil er zu krass war. Ach ja, Jamarcus gibt’s auch noch. Der hat auch eine Macke, aber welche lassen wir mal außen vor. Ein bisschen halbgare Überraschung braucht „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ schließlich noch.

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Das Problem mit diesem bunten Haufen ist, dass ein jeder von ihnen hochgradig unsympathisch ist. Hätte man die Wahl, würde man mit keinem befreundet sein wollen. Weil der eine sich wie ein Diktator benimmt, der andere solange an den Nerven sägt, bis man ihn am liebsten erschießen würde, und der dritte derart irritierend ist, dass selbst Stillers Figur gewisse Vorbehalte gegen Jonah Hills Charakter hat.

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Ben Stiller hatte schon bessere Rollen - aber auch durchaus schlimmere.
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Im Großen und Ganzen erinnern sie an „Kindsköpfe“, ein ähnlich illustrer Haufen alternder Komiker, die sich wie Kinder benehmen. Am besten kommt noch Jonah Hill davon, der zumindest ein paar ziemlich dreiste Sprüche absondern darf. Vince Vaughn wiederum beweist eindrucksvoll, warum er lieber bei ernsthaften Stoffen bleiben sollte. Richard Ayoade wirkt, als sei er direkt „The IT Crowd“ entflohen.

Weder Fisch noch Fleisch

„The Watch“ weiß nie so recht, was er nun eigentlich sein will. An sich stellt sich der Film als platte Komödie dar, aber dann wiederum gibt es geradezu lachhafte Versuche, den Figuren etwas mehr Tiefe zu verleihen. An Peinlichkeit kaum zu überbieten – in Regie, Skript und Schauspiel – ist die Szene auf der Bank mit Stiller und Vaughn.

Wenn kaum ein Gag zündet, wenn ein Film irgendwie jedes Genre bedienen will, wenn die Hauptdarsteller nerven – dann leidet man in Ben Stillers Nachbarschaftswache.Fazit lesen

In ein paar Szenen scheint der Film so etwas wie Spannung aufbauen zu wollen. Dafür ist er zuvor aber schon viel zu sehr im Morast des Klamauks versunken, als dass ein Richtungsschwenk da noch überzeugend wäre. Dementsprechend erscheint auch das Finale wie aus einem gänzlich anderen Film, wenn das trottelige Quartett dann doch noch gegen ganze Alien-Horden kämpfen muss.

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Der will doch hoffentlich nur spielen...
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Der Film scheitert an seinem halbgaren Konzept. Aus der Idee einer Nachbarschaftswache hätte sich durchaus eine skurrile Geschichte entwickeln können, aber dafür hätte der Film ein gänzlich anderes Fundament benötigt. Was Satire hätte sein können, wurde albernster Klamauk. Genau der vernichtet den Film auch ganz und gar.

Es ist schon fast schmerzhaft, alten Hasen wie Stiller und Vaughn dabei zuzusehen, wie sie halbgare Gags präsentieren. Fast wirkt der Film wie Almosen für Komiker von gestern, die heute einfach nicht mehr ziehen.

Der Humorgehalt ist gering, selbst wenn man nur niederste Ansprüche anführen würde. Ein paarmal geschmunzelt, ein- oder zweimal gelacht und das war’s. Für eine Komödie ist das eine extrem magere Ausbeute. Und da „The Watch“ auch in keiner anderen Kategorie überzeugt, bleibt letztlich ein Film, der nur unter die Räder geraten kann – und das in den USA auch eindrucksvoll bewiesen hat.

Resterampe

Vieles an „The Watch“ ist bizarr. Der Genre-Wechsel vor allem, versucht der Film doch Komödie, Drama, Horror (ja, ein bisschen blutig ist das Ganze auch), Romanze und Action unter einen Hut zu bringen. Am Ende gibt es gar noch Ballereien in Zeitlupe, die vielleicht als komischer Kommentar auf übliche Action-Konventionen gedacht waren, tatsächlich aber absolut ernsthaft wirken und darum nur ein weiteres Beispiel für die vielen Merkwürdigkeiten dieses Mash-up-Films sind.