Filmparodien ahmen schelmisch das nach, was im Kino besonders erfolgreich ist – oder auch, wie im Fall der Spoof-Komödie „The Walking Deceased – Die Nacht der lebenden Idioten“, was im Fernsehen große Popularität genießt. Ein beliebtes Format wie „The Walking Dead“ zu verballhornen, ist schon deshalb naheliegend, weil viele mit ihrem Zeichenvorrat vertraut sind. Und weil es die unbestrittenen Qualitäten der Zombie-Serie einer parodistischen Annäherung auf interessante Weise ermöglichen, sie hintersinnig und amüsant umzudeuten.

The Walking Deceased - Die Nacht der lebenden Idioten - Official Trailer #1

Parodie der Parodie

Vorausgesetzt also, man hat irgendeine Idee von dem, was man da genüsslich durch den Kakao ziehen will, kann eine Filmparodie ihre Vorbilder plötzlich ziemlich doof aussehen lassen. Sie kann deren Stärken durch neue (absurde) Zusammenhänge in Schwächen verwandeln, kann sie mit feinem oder auch grobem Unernst so verzerren, dass sie ihrerseits zu etwas Interessantem oder vielleicht sogar zu Kunst wird. Doof aussehen aber lässt „The Walking Deceased“ vor allem sich selbst: Derart humor- und merkbefreit hat man über Zombies schon lange nicht mehr lachen sollen.

The Walking Deceased - Die Nacht der lebenden Idioten - Die unerträgliche Leichtigkeit des Zombieseins

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Sheriff Lincoln (Dave Sheridan), das doofe Gegenstück zu Rick Grimes aus „The Walking Dead“.
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Drei wesentliche Referenzvorbilder macht sich der Film zueigen (beziehungsweise: versucht er sich zueigen zu machen, um daran kläglich zu scheitern): Neben der AMC-Serie sind es die Komödie „Zombieland“ und einmal mehr die ungleich düsteren Untoten-Dystopien von George A. Romero, aus denen man nun grellen Blödsinn generieren möchte. Dass „The Walking Deceased“ dabei auch Filme wie „Shaun of the Dead“ mit einbezieht, die sich selbst schon als augenzwinkernde Variationen auf den Zombie-Kinomythos verstanden, kann man vielleicht noch konsequent finden.

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Die Erzählung ist den Vorbildern haarklein nachempfunden, obschon die Herausforderung einer guten Parodie darin besteht, sie um ein eigenes (nämlich bestenfalls entlarvendes) Narrativ zu erweitern. Sheriff Lincoln (Dave Sheridan, „Scary Movie“) also erwacht wie sein serielles Gegenstück Rick Grimes aus einem Koma und hat den Beginn der Zombie-Pandemie buchstäblich verpennt. Mit Sohn Chris (Mason Dakota Galyon), den er immer wieder versehentlich Carl nennt (damit wirklich jeder versteht, was hier veralbert wird), schließt er sich einer Gruppe überlebender Menschen an.

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Ein bisschen Kunstblut gibt es auch, allerdings in bescheidenem Maße.
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Gemeinsam treibt es diese Gruppe in ein Einkaufszentrum, wo es auch oder erst recht für „Dawn of the Dead“-Freunde keine Witze zu entdecken gibt. Im Anschluss macht sie es sich auf der Ranch des freundlichen Familienpatriarchen Abraham (Richard Lukens) gemütlich, der wie Hershel Greene in „The Walking Dead“ sehr um das Wohl seiner Töchter besorgt ist. Sheriff Lincoln besitzt schließlich die besondere Fähigkeit, Leute abzuknallen, die er fälschlicherweise für Zombies hält, weil sie ihm ihr Menschsein lediglich vorgaukeln würden. Zugegeben: daraus hätte man was machen können.

Romantische Zombies

Man hätte überhaupt aus vielem etwas machen können, zum Beispiel etwas Lustiges. Nicht selten kollidiert der faszinierende Existenzialismus von „The Walking Dead“ mit leicht infantilen Dialogen (George A. Romero sagte über die Serie einmal wenig schmeichelhaft, sie sei im Prinzip eine Seifenoper, in der es ab und zu auch mal einen Zombie zu sehen gebe) – und genau da ließe sich mit intelligentem Spott einiges anstellen. Gerade die Figurenkonstellationen der Show und ihre hier besonders präsente zweite Staffel liefern theoretisch Material für schönen Ulk.

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Der Film erscheint bei uns am25.09.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Von schönem Ulk – oder der grenzdebilen Genialität des Filmemacher-Trios ZAZ („Top Secret!“) – ist „The Walking Deceased“ hingegen größtmöglich entfernt. Er muss seine Gags sogar in Textform aufs Bild klatschen, weil ihm nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell nichts einfällt. Und er muss sich auch mit morgen schon uralten Zeitgeistwitzen über Miley Cyrus und Tumblr als seiner Zielgruppe gegenüber würdig erweisen: Es ist die Art Filmparodie, die man entweder auf dem Smartphone oder in Momenten absoluter Verzweiflung schaut, weil ein beknackter Zombie immer noch besser ist als gar kein Zombie.

Die einzige nicht vollkommen unerträgliche Figur des Films ist übrigens ein solcher Zombie. Romeo (Troy Ogletree) hat trotz einer unbändigen Lust auf Menschenfleisch romantische Gefühle – und sein charmanter Voice-Over lässt uns rege teilhaben an der unerträglichen Leichtigkeit des Zombieseins. Die Frage, ob ein wandelnder Toter noch denken und empfinden kann, ist ja auch gar nicht so abwegig. Immerhin schaltet nur die Zerstörung ihres Gehirns sie vollständig aus, vollzieht sich also erst darin eine letzte Entwertung des Lebewesens zum nicht mehr lebenswerten Objekt.

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The Walking Dumb: Eine Figur schlimmer als die andere.
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Selbstverständlich aber ist auch dies eine fremde, weder geistreich noch komisch der Zombie-Rom-Com „Warm Bodies“ entlehnte Idee. Und man hätte sicherlich den vom „Twilight“-Phänomen nicht ganz unberührten Trend, moderne Monster wie den Zombie in Teeniefilm-kompatible Romeos oder Julias zu verwandeln („Life After Beth“, „Weg mit der Ex“ usw.), vorzüglich auf die Schippe nehmen können. Hätte, könnte, sollte: Warum sich Gedanken über seinen Gegenstand machen, wenn man es auch viel einfacher haben kann. Am Ende findet sich offenbar immer jemand, der trotzdem lacht.