„The Voices“ ist der erste Film von Marjane Satrapi, der nicht nach einer eigenen Vorlage entstand. Sie hat sich ein wundervolles Skript ausgesucht, um es auf die Leinwand zu bringen. 2009 befand es sich auf der „Black List“, einer Liste mit den zehn besten unproduzierten Drehbüchern des Jahres. Nun endlich ist dieser Film Wirklichkeit geworden, aber er dürfte es schwer haben, sein Publikum zu finden.

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Denn leicht zu vermarkten ist dieser ungewöhnliche Film, der zwischen allen Stühlen sitzt, wahrlich nicht. Er ist eine schwarze Komödie, eine Tragödie, ein psychologisches Porträt, ein Serienkillerstoff – all das und noch viel mehr.

Jerry (Ryan Reynolds) ist ein netter, sympathischer Kerl. Ein bisschen unscheinbar, ein bisschen zu still, aber immer angenehm. In der Arbeit entwickelt er ein Faible für die aus Großbritannien stammende Fiona (Gemma Arterton). Jerry nimmt seinen Mut zusammen und lädt sie zum Essen ein. Doch Fiona versetzt ihn – weil sie lieber Karaoke singen geht.

The Voices - „Why Don’t You Sing a Happy Song?“ – Stimmen zu hören, kann tödlich sein

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Der Film erscheint am 30.04.2015.
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In derselben Nacht trifft Jerry sie noch einmal, doch eine gemeinsame Fahrt zu einem Laden außerhalb der Stadt endet katastrophal, als er ein Tier überfährt. Denn Jerry ist eben ein guter Kerl, und als das tödlich verwundete Tier ihn bittet, es zu töten, da macht er das auch. Aber damit erschrickt er Fiona, die vor ihm davonläuft – und er hinterher, mit dem blutigen Messer in der Hand.

Realität und Wahrnehmung

„The Voices“, das sind die Stimmen, die Jerry hört: sein böser Kater Mr. Whiskers und der gutmütige Hund Bosco. Die hört er aber nur, wenn er seine Medikamente nicht nimmt. Die muss er aber eigentlich einwerfen, damit er funktioniert. Aber wenn er sie nimmt, reden seine Tiere nicht mehr mit ihm. Und fast schlimmer noch: die Welt ist trist und grau, dreckig und verkommen. Ohne die Pillen ist alles bunt und schön.

Packshot zu The VoicesThe Voices

Das illustriert Marjane Satrapi mit einem starken Kontrast. Immer wieder bekommt man die Welt – und für Jerry ist dies in der Regel seine Wohnung – aus der Sicht des Protagonisten, aber auch so zu sehen, wie sie wirklich ist. Der Wechsel ist erschütternd, mitunter aber auch auf makabere Art und Weise lustig.

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Weit aufmachen und "Aaaaah" sagen/schreien.
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Das ist generell eine der Stärken von „The Voices“. Der Film ist verdammt lustig, ohne eine Komödie zu sein. Er ist auch verdammt dramatisch. Und was er wirklich hervorragend schafft: Er lässt Ryan Reynolds den Spielraum, ein differenziertes, durchaus tragisches Porträt eines zutiefst gestörten Mannes zu zeichnen.

Jerry ist eigentlich ein netter Kerl, aber mental so daneben, dass er zur Gefahr wird. Geringere Filme hätten das als geradlinigen Thriller oder als überdrehte Farce realisiert, unter Satrapis gekonnter Regie wird daraus ein emotionales und faszinierendes Psychogramm, das so schnell wie brillant die Tonalität wechselt und damit dem Zuschauer immer wieder den Boden unter den Füßen wegreißt.

Psychogramm eines kranken Menschen – überbordend witzig, zutiefst traurig und alles dazwischen. Unbedingt anschauen!Fazit lesen

Ryans Stimmen

Eigentlich sollten die Stimmen, die Jerry hört, von anderen Schauspielern eingesprochen werden, aber Ryan Reynolds hat die Regisseurin überzeugt, dass er sie sprechen sollte, da sie ja auch ein Teil von Jerry sind. Im Original ist das eine Wucht, besonders Mr. Whiskers, der mit schottischem Akzent so richtig schön verschlagen und hinterhältig daherkommt.

Es ist nur schwer vorstellbar, dass die Synchronisation dem gerecht werden kann. Wer also die Gelegenheit hat, sollte auf das Original ausweichen.

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