Wenn 2015 ein Horrorfilm mit Exorzismus-Thematik ins Kino kommt, sollte man eigentlich erwarten, dass die dafür verantwortlichen Herrschaften einen frischen Zugang zu der Thematik wählen. „Devil Inside“, „Erlöse uns von dem Bösen“ und „Der letzte Exorzismus“ sind allesamt noch nicht sooo lange her, doch das hält „The Vatican tapes“ nicht davon ab, erneut einen auf Wackelbett und in-der-Luft-schweben zu machen. Herrgott hilf, ein weiterer „Der Exorzist“-Rip Off!

The Vatican Tapes - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Erlöse uns von dem Bösen

Es ist schon erstaunlich, dass „Der Exorzist“ immer noch die Messlatte für Exorzismus-Filme ist. Anscheinend fällt Filmemachern zum Thema „der Teufel rückt an“ nichts anderes ein als 1) Ein unschuldiges Mädel wird urplötzlich besessen. 2) Sie spricht auf einmal seltsame/tote Sprachen. 3) Ihr physischer Zustand geht drastisch bergab. 4) Leute um sie herum sterben auf brutale Weise. 5) Der Exorzismus wird von zwei Priestern durchgeführt, die mit Weihwasser herumspritzen. 6) Während des Exorzismus wackelt das Bett und das Mädel schwebt über dem Boden.

The Vatican Tapes - Satan weiche ... aus dem Kino!

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So schön und doch so bedrohlich: Olivia Taylor Dudley als Teufelsopfer.
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Und, na ja, das war's dann auch, was bei „The Vatican tapes“ die Drehbuchseiten füllt. Drehbuchautor Christopher Borrelli hält sich eng an die „Der Exorzist“-Blaupause und möchte -das könnte sogar als Vorteil gewertet werden- ohne viel Mätzchen an die Horrorgurgel. Keine doppelten Ebenen hier, keine hintersinnigen Meta-Kommentare und vor allem auch kaum „found footage“-Einflüsse – was man anhand des Titel durchaus vermuten könnte. Und anscheinend auch in der frühen Produktionsphase als umfassendes Konzept geplant war.

Der Horror hinter dem Horror

Was hier an „found footage“ zu sehen ist, beschränkt sich auf das titelgebende Archiv des Vatikans, in dem Mitschnitte mit dämonischer Beteiligung gelagert werden. Der eigentliche Film dagegen kommt „ohne“ aus und erzeugt nicht erst durch das finale Setup für ein mögliches Sequel den Eindruck, dass hier eine Art Pilotfilm für eine Serie zu sehen ist...und die Ergründung des Vatikan-Archivs wesentlich mehr Spannung verspricht als die bisweilen ermüdend bekannte Exorzismus-Checkliste der zentralen Handlung.

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Na endlich! Peter Andersson und Michael Pena packen den Weihrauch aus.
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Der Keller des Vatikans als eine Art Horror-Variante der „Akte X“-Regale. Und der erste Fall erzeugt ausgerechnet schrillen Geisterbahnhorror, der durchaus Schocks zu platzieren weiß, aber halt keine inhaltlichen Wurzeln schlagen kann. Was bei „The Vatican tapes“ passiert, ist völlig austauschbar und reicht keineswegs für ein neues Franchise – das tatsächlich interessante Wege einschlagen könnte, siehe den prall gefüllten Vatikan-Keller, nur halt kaum auf den Weg gebracht werden dürfte. Weil der Film hier einfach keinen vom Hocker reißt.

Der Regisseur von „The Vatican Tapes“ ist Mark Neveldine, der nun erstmals ohne seinen Partner Brian Taylor inszeniert und dabei eigentlich ganz gut durchkommt. Die „Crank“-Zuckungen bleiben zum Glück aus, selbst wenn das Tempo durchaus hoch ist und schon ziemlich direkt auf die horrible 12 getrommelt wird.

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The devil inside? Ne, der Film hier.
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Subtil ist der Film ganz sicher nicht, was aber herzlich egal ist, weil sowieso jeder nur auf die Teufelsaustreibung wartet und geschliffene Charaktere oder gar geschliffene Dialoge einer schnittig daherkommenen Exploitation-Revue mit ordentlich Rumms, einem irre hohen Body Count und pompösen Feststellungen à la „The devil possesses what is already his“ weichen müssen. Neveldines erster Nicht-Actionfilm ist trotzdem noch ganz schön rührig. Zu blöd nur, dass hinter der Fassade der Teufel des kleinsten gemeinsamen Nenners sein Unwesen treibt.