Jeder neue Film von Terrence Malick ist ein Ereignis, allein weil es ein neuer Film von Terrence Malick ist. Fünf großartige Langspielfilme in vierzig Jahren, keine öffentlichen Auftritte und gerade mal eine Handvoll Fotos seiner Person haben zu einer Legendenbildung beigetragen, die ihn als einen der herausragenden amerikanischen Regisseure unserer Zeit ausweist.
Ein neuer Malick, ein neues Großereignis. Schwere und bereichernde Kost, die niemanden kalt lässt – ob im Guten oder im Schlechten.FazitNach „Badlands“ (1973), „In der Glut des Südens“ (1978), „Der schmale Grat“ (1998) und „The New World“ (2005) nun der „Tree of Life“, Malicks ganz eigenes Epos von Schöpfung und anderen überlebensgroßen Themen. In Cannes wurde dieses wahlweise ausgebuht und beklatscht, gewann aber trotzdem die Goldene Palme als bester Film. Das Gemüterspalten zwischen Empörung und Faszination ist eigentlich die beste Voraussetzung für „The Tree of Life“, Malicks Magnum Opus.
Eine durchgehende Geschichte erzählt der Film nicht, seine Struktur ist labyrinthisch und streng assoziativ. Gerahmt wird er von Monologen, Rückblenden und Gedankenfetzen eines Geschäftsmannes (Sean Penn), der nach schwerer Kindheit und dem Verlust des Bruders in einer Sinnkrise aus Fragen nach Diesseits und Jenseits gefangen ist. Sein Vater (Brad Pitt) war ein strenger Patriarch, gescheitert an eigenen Lebenszielen, seine Mutter (Jessica Chastain) eine bedingungslos gutherzige Hausfrau.
Ein Film voller Ruhe, aber auch voller Kraft - wunderbar.Malicks Entwurf der archaischen Kernfamilie führt zunächst einmal zum Ursprung aller Existenz. In einer unklaren Mischung aus Kreationismus und Evolutionstheorie gebären seine Bilder den Kosmos, die Welt und das Leben aus dem Nichts, angereichert mit Zitaten Hiobs. Zyniker werden das als aufgeblasene Trash-Esoterik bezeichnen, Polemiker als hochnotpeinliches Schwimmen in der eigenen Ursuppe. Ich nenne es betörenden Größenwahn. Alles oder nichts: ein audiovisueller Gedankenstrom, ausgetragen aus Bedeutungsschwangerschaft im ganz großen Stil.
140 Minuten lang zelebriert Malick Bilder von Schöpfung, Entwicklung und vermutlich göttlichen Interventionen. Seine Schauspieler sind Statisten, die mit wenigen Dialogen auskommen und sich den fragmentarischen Zusammenhängen ihres Regisseurs fügen müssen. Zu den anbetungswürdigen Bildern des derzeit besten Kameramanns der Welt, Emmanuel Lubezki, lässt Malick vorzugsweise Musik sprechen und überlegt Urknall und spielende Kinder auf Wiesen mit Mahler, Brahms und Smetana sowie gelegentlichen Originalkompositionen des wiederum derzeit besten Filmkomponisten der Welt, Alexandre Desplat.
Regie: Terrence Malick Genre:DramaFilmstart: Darsteller:Jessica Chastain, Sean Penn, Brad Pitt
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Leider aber flau er ab der Hälfte etwas ab. Nach dem fantastischen Spektakel mit dem Titel "Lacrimosa“ von Preisner, lässt der Film etwas an weiteren Highlights vermissen.
Trotzdem sehr sehenswert.
Jedenfalls kommt man da nie aus einem Film und sagt, boah auf gamona klang der aber viel besser.
Er hat sich wahrscheinlich intensivst mit der Theorie um den Disappointment-Effekt beschäftigt...
Also, kommt demnächst nochmal was vom Herrn Beck?
Noch persönlicher gehts doch gar nicht. Vielleicht liest du den Text mal und überfliegst ihn nicht.
...weshalb man z.B. auch die Duke Nukem Wertung nachträglich ändert
Scheint mir fast wie bei Stanley Kubrick zu sein. Dessen Filme wurden auch meist von der Masse nicht gerade geliebt, wurden aber meistens Klassiker der Filmgeschichte. Schaut heute ein Jugendlicher einen Kubrick-Film, kann er damit wenig anfangen, es sei denn, es war vielleicht "Full Metal Jacket". Alle anderen sind höhere Kunst und das will heute keiner erkennen, sehen oder verstehen. Sein Stil ist eben nicht kurz-mal-ins-Kino-gehen-Hirn-aus-und-Spaß-haben. Dazu muss ich mir einfach etwas anderes anschauen. Mallick ist schlicht und einfach Kunst. Für mich ein klarer Gang ins Kino, mit den Erwartungen, die ich bei Mallick habe. So wie ich bei Sam Raimi ebenfalls meine Erwartungen hätte, in anderer Hinsicht.
Da siehste mal, wie mutig wir sind, Aladan ;).
Na ich werd ihn mir dann später mal auf Blu-Ray ausleihen, dafür ist mir das Kino zu teuer. (Überlänge 11,80 €)
Doch wollte ich mir mein Geld für diesen Monat eigentlich für "Kung Fu Panda II" und "Transformers III" aufsparen. Musste das sein, Rajko???
Gruß, Moritz.
Anarchisten sind wandelnde widersprüche!,denn sie befolgen ein Gebot/regel,keine Regeln und gebote befolgen!...
Zitat von CS lewis: Ein Ei das vom keinem Vogel stammt,ist nicht natürlicher als ein Vogel der schon seit ewigkeiten existiert!
(interessant finde ich, dass einem Filmkritiker immer vorgeworfen wird, er sei nicht objektiv, jetzt wiederum ist er nicht persönlich genug...)