Filme, die mit einem gewissen Hype einhergehen, enttäuschen oft. Noch öfter ist die Geschichte, die dahinter steckt, weit interessanter, so auch bei „The Revenant – Der Rückkehrer“. Dass die Dreharbeiten hart und unangenehm waren, gibt auch der selbstverliebte Regisseur zu, dass ihm reihenweise die Crew davon lief, mag er aber nicht auf seinen despotischen Stil schieben.

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Aber Größenwahn hin, Arroganz her, was Alejandro Gonzalez Inarritu, der sich – nur von Interviews ausgehend – mindestens von Gott gesalbt fühlt und den Oscar schon in der Tasche hat, denn wer, wenn nicht er hätte ihn schon verdient, hat einen ansehnlichen Film abgeliefert. Wirklich, die Optik ist grandios. Auf der großen Leinwand macht das mächtig was her.

Allein, „The Revenant – Der Rückkehrer“ ist doch recht fade geraten. Er ruht sich auf seiner epischen Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden aus, wo man eigentlich straffen und kürzen hätte können, um einen stärkeren Film zu bekommen. Das hat der Streifen mit dem anderen Oscar-Anwärter „The Hateful Eight“ gemeinsam.

Anders als Tarantinos nicht minder selbstverliebter Film kann „The Revenant – Der Rückkehrer“ wenigstens durch die großartigen Landschaften und die tolle Visualisierung punkten.

Durch die Wildnis

Über Jahre hinweg hatte man versucht, den Roman von Michael Punke zu verfilmen. Irgendwann fanden sich dann Leonardo DiCaprio und Alejandro Gonzalez Inarritu und machten den Stoff zu ihrem großen Projekt. Für DiCaprio geht es dabei um viel. Er will endlich einen Oscar. Da bietet sich eine Rolle wie diese an. Immerhin darf er leiden und kämpfen und mehrheitlich allein durch die Wildnis robben, verdreckt, unterkühlt und hungrig.

The Revenant - Der Rückkehrer - Wie man dem Oscar hinterher hechelt…

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Der Film läuft am 06.01.2016 in den deutschen Kinos an.
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Gut, dass Punke kein Sachbuch geschrieben hat. Schon er fiktionalisierte die wahre Geschichte, die – natürlich auch hollywoodtypisch – damit enden muss, dass nur einer von zwei Kontrahenten überlebt. Im wahren Leben, so heißt es zumindest, soll es ja anders gewesen sein.

Packshot zu The Revenant - Der RückkehrerThe Revenant - Der Rückkehrer

Aber der Reihe nach: Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und einige andere Trapper haben reichlich Felle gesammelt, werden dann aber von Indianern angegriffen. Die meisten von ihnen werden umgebracht, ein paar können jedoch fliehen. Auf der Flucht wird Glass von einem Bären angefallen und fast getötet. Da man ihn nicht mitschleppen kann, bleiben John Fitzgerald (Tom Hardy) und Jim Bridger (Will Poulter) zurück, um auf den Mann aufzupassen. Aber da sie ihre eigene Haut retten wollen, lassen sie Glass dann zum Sterben zurück. Doch der weigert sich, einfach zu verrecken und kämpft sich schwerverletzt 200 Meilen durch die Wildnis.

Das ist dann auch der Löwenanteil des Films und zieht sich nicht unbeträchtlich. Klar, DiCaprio spielt gut, aber er kann nichts auffahren, was wirklich vom Hocker reißen würde. Tatsächlich hat er schon ganz andere Darstellungen abgeliefert, die deutlich mehr Oscar-Glanz hatten.

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Schöne Bilder. Langatmiger Film.
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Die Bilder

Der eigentliche Star des Films ist Chef-Kameramann Emmanuel Lubezki, der nicht nur die Wildnis in packenden Bildern einfängt, sondern auch ein Gefühl von mittendrin erzeugen kann. Das zeigt sich besonders schön bei der Anfangsszene mit dem Angriff der Indianer. Die handgeführte Kamera ist hier mitten im Geschehen, sie schwenkt, so wie auch eine Kopfbewegung stattfinden würde. Man fühlt sich, als wäre man einer der Trapper, die hier im Chaos versuchen, den Überblick zu behalten.

Tolle Bilder machen noch keinen tollen Film.Fazit lesen

Diese Nähe zu den Figuren gibt es auch im späteren Teil. Das ist gut gemacht, das sorgt für etwas Interesse und unterstreicht, dass Lubezki mindestens eine Nominierung für den Oscar verdient hat.