Wenn ein Film zwei Jahre auf Halde liegt, dann verheißt das meistens nichts Gutes. „The Quiet Ones“, der hierzulande gar nicht erst ins Kino kommt, sondern gleich auf DVD und Blu-ray ausgewertet wird, ist ein solcher Film. Schon 2012 gedreht, debütiert er nun. Sollte man also das Schlimmste befürchten? Kann man machen, muss man aber nicht. Dieser Horrorfilm hat seine Momente, wenngleich er auch nicht durchgehend das Interesse des Zuschauers halten kann.

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Professor Joseph Coupland (Jared Harris) vertritt die These, dass es keine übernatürlichen Dinge gibt. Oder anders gesagt: Übernatürliches, das sich manifestiert, wird aus einer Person heraus geboren. Es sind keine Geister oder Dämonen, die für telekinetische Kinkerlitzchen sorgen, es ist der kranke Mensch, der dafür verantwortlich ist. Einen solchen Menschen zu heilen, so Coupland, würde es ermöglichen, die ganze Menschheit zu heilen.

The Quiet Ones - Was, wenn der Mensch es ist, der Geister erschafft?

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Der Film erscheint bei uns am 26.08.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Mittelpunkt des Experiments ist Jane Harper (Olivia Cooke), die von einer Wesenheit – Evie – besessen zu sein scheint. Oder auch nicht, denn auch Couplands Mitstreiter, darunter der Kameramann Brian McNeill (Sam Claflin) sind der Meinung, dass es keine dämonische Präsenz geben kann. Aber je länger das Experiment geht, je mehr sie erleben und sehen müssen, desto mehr zweifelt Brian daran, dass Coupland Recht hat. Was, wenn er sich irrt? Was, wenn Evie doch ein Dämon ist?

Old School

„The Quiet Ones“ ist eine Produktion des renommierten Studios Hammer, das in den 1950er bis 1970er Jahre den Markt an Gruselfilmen dominiert hat. Das neue Hammer hat mit dem alten natürlich nicht viel zu tun, aber dennoch müht man sich, der Tradition treu zu bleiben. Das heißt, man setzt nicht auf Splatter-Filme oder Torture-Porn-Orgien, sondern auf atmosphärisches Gruselkino.

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Patientin Jane Harper (Olivia Cooke).
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Dabei wird durchaus auch mal gerne auf Retro-Stimmung gesetzt, so auch bei „The Quiet Ones“, der im Jahr 1974 spielt und nicht nur den Chic jener Dekade gut dupliziert, sondern auch in der filmtechnischen Umsetzung Reminiszenzen an die „gute, alte Zeit“ setzt. Er ist in gewisser Weise unaufgeregt gefilmt. In Schnittorgien ergeht sich dieser Film nicht, was auch dazu beiträgt, ein klassisches Flair zu erschaffen.

Ein Found-Footage-Ansatz

Interessant ist, dass der Film zum Teil die Manierismen eines Found-Footage-Films annimmt. Das ergibt sich, weil das Experiment durch eine Kamera ständig dokumentiert wird. Man hat aber darauf verzichtet, alles aus dieser Perspektive erzählen zu wollen. So gibt es die durchaus normale Form narrativer Erzählung, die dann in manchen Schlüsselszenen auf die Point-of-View-Kamera der von Sam Claflin gespielten Hauptfigur wechselt.

Ein auf einem realen Experiment basierender Film, der gutes Retro-Feeling bietet, aber nie über Mittelmaß hinauskommt.Fazit lesen

Das Ergebnis ist recht harmonisch und funktioniert zusammen mit der gedämpften, nach 1970er-Jahren aussehenden Farbpalette ziemlich gut.

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Wie gefährlich kann Einbildung werden?
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Wissenschaft gegen Paranormales

Der Kern des Films ist der Diskurs darüber, ob es das Übernatürliche wirklich gibt. Es ist ein interessanter Ansatz, den der Film hier verfolgt und der auf dem so genannten „Philip Experiment“ basiert, in dem in den 1970er Jahren ein Team an parapsychologischen Forschern versucht hat, einen Geist zu erschaffen.

Damals dachte man sich eine fiktive Person aus und versuchte dann, mit deren Geist Kontakt aufzunehmen. Bei einer geisterhaften Erscheinung sollte dies der Beweis sein, dass es eben kein Geist ist, sondern eine von Menschenkraft geschaffene Einbildung, die dann tatsächlich per Telekinese Einfluss auf die Umgebung nehmen konnte.

Das nimmt „The Quiet Ones“ nur als Auslöser, tatsächlich wäre die reale Geschichte aber Interessanter gewesen. Ein wenig tritt der Film auf der Stelle. Er kommt immer wieder auf denselben Punkt, ohne jedoch für neue Erkenntnisse zu sorgen. Erst zum Ende hin positioniert sich der Film, allerdings ist das ein bisschen zu wenig und zwar ein bisschen zu spät.