Als sei Ägypten nicht realpolitisch schon ausreichend krisengebeutelt, stellt jetzt noch Hollywood die stolze Mythologie des Landes auf den Prüfstand. Im sinn-, aber leider nicht wackelfreien Höhlenhorror „The Pyramid – Grab des Grauens“ begibt sich eine Truppe selten unfähiger Wissenschaftler auf altägyptische Entdeckungsreise – um alsbald von Totengott Anubis persönlich in kleine Stücke gerissen zu werden. Recht so!

The Pyramid - Grab des Grauens - Deutscher Trailer

Monsterkätzchen und Schakalkopf

Glücklicherweise also wissen es die US-amerikanischen Archäologen nicht besser, als sie trotz eingehender Warnungen eine erstmals entdeckte dreiseitige Pyramide auskundschaften wollen. Nachdem die ägyptische Regierung ihre Ausgrabungsarbeiten kurzerhand für beendet erklärt (was nebenbei ein guter Witz hätte werden können, sich aber mit flüchtigen Protestbildern begnügt), schickt die Bagage zunächst einen Mars-Rover ins Innere des Bauwerks.

The Pyramid - Grab des Grauens - Altägyptische Götter und Horror aus der Gruft

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Looki-looki und Staunen: Nach dem klaustrophobischen Horror von „The Descent“ wirken selbst die verwinkelten Höhlengänge einer Pyramide eher wie ein Spaziergang.
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Der kleine NASA-Roboter, liebevoll Shorty getauft, kommt dem Team jedoch zügig abhanden. Und weil er so wertvoll sei, dass man nicht ohne ihn abreisen könne, muss er noch irgendwie aus der Pyramide gerettet werden. Dem wissbegierigen Holden (Denis O'Hare, „True Blood“) kommt das sehr gelegen, seine Tochter Nora (Ashley Hinshaw, ebenfalls „True Blood“) hingegen bleibt demonstrativ skeptisch.

Zu der Gruppe gehören außerdem ein sagenhaft nerviger Kameramann namens Fitzie (gespielt von James Buckley aus „The Inbetweeners“), die Fernsehreporterin Sunni (Christa Nicola, wesentlichster Dialog: „There goes my Emmy.“) sowie ein örtlicher Übersetzer, der selbstredend als erster ins Gras beißen muss. Die Versprechungen des R-Ratings löst der Film dabei übrigens nicht ein, in der Pyramide wird weitgehend unblutig aus dem Leben getreten.

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Figuren erklären die Handlung 1: Nora (Ashley Hinshaw) liest aus einem Freimaurertagebuch und findet darin interessante, aber überlebensunwichtige Infos.
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Die verbliebenen Teammitglieder bekommen es nun mit hungrigen Monsterkätzchen zu tun (wahrscheinlich eine Anspielung auf Göttin Bastet) und begegnen schlussendlich Schakalkopf Anubis, der ihnen als CGI-Ungestüm nach dem Herzen trachtet. Sonderlich wissenschaftlich handhaben die Wissenschaftler ihre missliche Situation allerdings nicht: Erst verlieren sie die Spur zum Eingang, dann begrapschen sie jeden Gegenstand in der Pyramide so ausgiebig, dass sich deren tödliche Fallen aktivieren.

Wikipedia-Wissen

Gelegentlich droht das nachfolgende Rennen und Kreischen der Truppe einigermaßen vergnüglich zu werden, wenn etwa die hübsch-abenteuerlichen Setpieces leichte „Indiana Jones“-Vibes aussenden. Oder wenn abgeschmackte – und wie gewohnt vor allem lautstark zum Einsatz gebrachte – Jump-Scares mühsam versuchen, das wegdösende Publikum wach und eben möglichst auch bei Laune zu halten. Aber wirklich nur: gelegentlich.

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Figuren erklären die Handlung 2: Holden (Denis O'Hare) hält einen wissenschaftlichen Vortrag, der ihm im wahrsten Sinne des Wortes herzlich wenig bringen wird.
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Obwohl „The Pyramid“ als Found-Footage-Film vermarktet und vielerorts auch gelabelt wird, beschränkten sich die tatsächlich in entsprechendem Stil gehaltenen Momente auf ein Minimum. Einige wenige Passagen imitieren den Kamerablick der Figuren, die meisten Bilder entspringen einer übergeordneten Perspektive – was aber leider nicht heißt, dass der Film deshalb auf Wackelästhetik und Unkenntlichkeit verzichten würde.

Der visuellen Einfallslosigkeit fügt sich ein inhaltlich konsequent infantiler Zugriff auf die heranzitierten Mythen. Wenn das Team nicht gerade mit Wikipedia-Wissen über altägyptische Gottheiten glänzt, rennt es deren personifizierten Abziehbildern bereitwillig in die Arme. Im grenzdebilen Jump-and-Run-Finale muss sich der trübselige Anubis schließlich von einer dusseligen Archäologin vermöbeln lassen, weil Hollywood arabische Kulturgeschichte so offenbar am liebsten hat.

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Kann man natürlich machen, wenn man Humor hat. Regiedebütant Grégory Levasseur, bislang als regelmäßiger Drehbuchautor für Alexandre Aja („High Tension“) tätig, hat aber keinen. Sein „The Pyramid“ ist so spaßbefreit wie ungruselig – und erlitt mit einem mageren Einspiel von unter drei Millionen US-Dollar selbst am heimischen Box Office, das sonst noch den generischsten Horrorfilmen zu ansehnlichen Erfolgen verhilft, eine grandiose Niederlage.