„Dies ist kein Test. Hier spricht das Notfall-Übertragungssystem. Wir verkünden den Beginn der diesjährigen Purge – der Säuberung, die offiziell von der US-Regierung zugelassen wurde. Waffen der Klasse 4 und niedriger sind für den Einsatz während der Säuberung erlaubt. Alle anderen Waffen sind nur begrenzt genehmigt. Sobald die Sirene ertönt, sind sämtliche Verbrechen, einschließlich Mord, für zwölf Stunden erlaubt. Gesegnet seien unsere neuen Gründerväter und Amerika, eine wiedergeborene Nation. Möge Gott mit Ihnen sein.“

Lasst eure innere Bestie frei und säubert unsere Straßen! Unsere neuen Gründerväter ermutigen euch zur Teilnahme! Greift zu den Waffen, egal ob Feuerwaffe, Messer oder brutale Axt. Rächt euch an eurem Chef, eurem Nachbarn oder euren Liebsten. In dieser Nacht ist alles erlaubt! … Ganz schön schrecklich, nicht wahr?

Die Säuberung

Wir schreiben das Jahr 2022. Nachdem die amerikanische Wirtschaft am Ende war und Kriminalität und Armut zu einem unerträglichen Maß anwuchsen, hatten die neuen Gründerväter die Purge-Idee: Eine Nacht lang ist jegliche Kriminalität legal. Dadurch soll die gesellschaftliche Gewalt auf einen einzigen Abend reduziert werden.

The Purge 2 - Anarchy - Wir wünschen eine sichere Nacht

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Der Film startet bei uns am31.07.2014 in den Kinos.
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Soweit, so gut. Oder vielmehr: So schlimm. Denn dass dieses Konzept nicht durch und durch von Erfolg gekrönt und ganz schön chaotisch und brutal ist, dürfte jedem klar sein. Zumindest nach dem ersten Teil der „The Purge“-Reihe, in der die Purge-Nacht aus der Sicht einer einzigen wohlhabenden Familie gezeigt wurde, deren Familienoberhaupt Sicherheitssysteme an Reiche für die Purge-Nacht verkauft und damit selbst bestens ausgerüstet sein sollte. Doch Purger verschaffen sich Zugang in sein Haus und die schier erbarmungslose Schlachterei geht los.

Nur ein Jahr später (2023) beginnen offensichtliche Aufstände gegen diese Nacht. Auch wenn die Arbeitslosigkeit bei 1% liegt, sich die Kriminalität auf einem unfassbaren Tief befindet und Gewalt kaum noch existiert – die Purge-Nacht fordert Opfer. Und das sind größtenteils arme Menschen, die nicht das Geld haben, sich zu beschützen und in den Armutsvierteln der Stadt wohnen. Denn die meisten Purger gehen zum Morden in die Ghettos der Stadt.

Packshot zu The Purge 2 - AnarchyThe Purge 2 - Anarchy

Fünf Schicksale

In „The Purge: Anarchy“ geht es diesmal in ebendieses Ghetto. Drehbuchautor und Regisseur James DeMonaco verlässt das Reichenviertel und konzentriert sich auf den Mittelpunkt dieser fürchterlichen Nacht. Dorthin, wo Leute zum Hobbymorden gehen, sich rächen oder einfach aus dem Affekt oder Spaß heraus andere Menschen umbringen.

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Oh, Mord und Entsetzen, oh, Trauer und Totschlag.
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Die wohlhabenden Bürger wollen sich dieser Gefahr nicht aussetzen, sich nicht die Hände schmutzig machen – zumindest nicht öffentlich. Aus diesem Grund heraus kaufen sie arme Seelen, um sie in ihren eigenen vier Wänden im Kreise ihrer Liebsten rituell abzuschlachten. Denn das Töten soll ihren Geist reinigen, nicht umsonst wird diese besagte Nacht die „Säuberung“ genannt. Die Bürger säubern ihre Seele, reinigen ihr Gewissen. Und gleichzeitig noch die Stadt von all dem Abschaum und verhelfen damit der Wirtschaft, das Hoch zu halten.

Der zweite Teil verfolgt zu Beginn mehrere Handlungsstränge, die schon bald zueinander führen. Es geht um fünf Menschen: Ein Pärchen, das auf dem Heimweg ist, dessen Auto aber im schlimmsten Teil der Stadt liegenbleibt – womit es den Purgern ausgeliefert ist. Ein eigentlich gutherziger Mann namens Leo (Frank Grillo), den es durch eine Begebenheit jedoch auf die dunkle Seite verschlägt, um Rache zu üben. Und Eva (Carmen Ejogo) mit ihrer Tochter Cali (Zoë Soul), die im Ghetto wohnen und deren kranker Vater/Großvater sich opfert, um seine Familie finanziell zu retten.

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Doch vermummte Gestalten fallen in die Wohnblöcke ein, nehmen die Bewohner gefangen, verfrachten sie in Lieferwagen und transportieren sie ab. Wohin? Das wird erst später aufgelöst. Dieses Schicksal soll auch Mutter und Tochter blühen, aber Leo rettet die beiden. Wie auch Shane (Zach Gilford) und Liz (Kiele Sanchez), das Pärchen, das in dem gefährlichen Viertel gestrandet ist. Gemeinsam schlagen sich die fünf nun durch diese blutige Nacht.

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Die Tribute von Purge

Dabei erlebt der Zuschauer die verschiedensten Arten von Purgern. Denn diese 12 Stunden Freiheit entfesseln tatsächlich die Bestie in den Menschen. Die einen töten nur zum Spaß, die anderen haben tiefliegendere Motive. Aber eines ist klar: Diese Nacht verändert die Bevölkerung. Personen töten, die normalerweise nicht töten würden. Und sie morden aus Gründen, die normalerweise keine Gründe sind zu morden. Der Ehemann betrügt seine Ehefrau mit deren Schwester: Bämm! Man ist neidisch auf den Reichtum anderer: Bämm!

Auch wenn es im gesamten Jahr weniger Morde gibt: So viele Morde wie in dieser einen Nacht würde es sonst über ein ganzes Jahr verteilt vermutlich nicht geben. Die Hemmschwelle sinkt, die Menschen sind gewaltbereiter. Und ebendieses Konzept hinterfragt in „The Purge: Anarchy“ nun auch eine große Gruppe von Personen öffentlich. Die NFFA macht als Gegenbewegung Jagd auf die Leute, die das Purgen feiern, um so das Purgen zu stoppen. Gewalt mit Gewalt bekämpfen? Geht in diesem Fall wohl nicht anders.

So wirft „The Purge: Anarchy“, wie auch schon sein Vorgänger, klare philosophische und kritische Fragen auf. Und ganz klar ist hier auch die Parallele zu „Die Tribute von Panem“ zu sehen, deren Trilogie in genau der gleichen Weise aufgeteilt wurde: Erst wird die Idee der „Hunger Games“ vorgestellt, dann kommen die ersten Anfänge einer Gegenwehr integriert in eine zweite Runde der „Hungerspiele“ bis hin zur Rebellion im dritten Teil.

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Der dritte Teil von "The Purge" ist natürlich schon längst geplant.
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Ebenso wie bei Panem wird das brutale Event, das nur einmal im Jahr stattfindet, von den Medien gefeiert und für vollkommen richtig und natürlich befunden. Den Reichen im Kapitol geht es gut, die Armen sind ausgeliefert. Aber auch Panem hat natürlich schon gehörig bei „Battle Royale“ gespickt.

Dass die Idee in gewisser Art und Weise von „Die Tribute von Panem“ inspiriert wurde, sieht auch Produzent Jason Blum, empfindet dies aber als Kompliment. „Eine erwachsene Version von ‚Die Tribute von Panem‘“, wie er in unserem Interview zugab. Nur noch viel brutaler als die Jugendfilmreihe und ohne die Liebesgeschichte.

Denn in „The Purge“ geht es hauptsächlich um den Thrill, Horror und Action. Und dies gelingt dem Film echt gut.