Der auf Genreproduktionen für den Videomarkt spezialisierte Regisseur Brian A. Miller nennt seinen „The Prince“ eine Mischung aus John Fords „Der schwarze Falke“ und Clint Eastwoods „Erbarmungslos“. Obwohl die Geschichte von generischen Westernelementen durchsetzt ist, orientiert sich allerdings auch dieser Actionthriller vielmehr an „96 Hours“, der mittlerweile wohl endgültig stilbildend genannt werden muss.

The Prince - Only God Forgives - Official Trailer 2Ein weiteres Video

Only God Forgives?

In der entsprechend raubeinigen Rolle eines vergeltungssüchtigen Vaters ist nun 90er-Jahre-Kurzzeit-Star Jason Patric („Speed 2“) zu sehen, der seine Tochter (Gia Mantegna) aus den Händen eines Drogendealers (Curtis „50 Cent“ Jackson) zu befreien versucht. Auf der Suche nach ihr verschlägt es den ehemaligen Profigangster – einst „The Prince“ genannt – dabei in seine Heimatstadt New Orleans, die von dessen ehemaligem Erzrivalen (Bruce Willis) kontrolliert wird.

The Prince - Only God Forgives - Mafia-Boss Bruce Willis schwört blutige Rache

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 21/251/25
Auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter muss Kfz-Mechaniker Paul (Jason Patric) wieder zum killwütigen Prinzen von New Orleans werden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Beide verbindet natürlich eine Vergangenheit, deren Wunden durch die Rückkehr des allein erziehenden Witwers neu aufgerissen werden. Neben ihnen suggeriert das DVD-Cover des Films allerdings noch eine weitere zugkräftige Hauptrolle – und tatsächlich stolpert nach etwas 50 Minuten Laufzeit John Cusack ins Bild, der seinem zur Ruhe gesetzten Freund einige wertvolle Lebensweisheiten auf dem Weg zum Finale mitgibt.

Der pralle Paycheck wird ihm und Bruce Willis Motivation genug gewesen sein, Jason Patric legt sich dafür ungleich mehr ins Zeug. Die zwei, drei kurzen Schusswechsel managt er solide, in dramatischeren Szenen packt ihn engagiertes Overacting. Die beste Figur dieser soundsovielten Rache-Geschichte macht überraschenderweise Jung Jihoon, besser bekannt als südkoreanischer Popsuperstar Rain, der hier einen effeminierten Gangsterhandlanger spielt.

The Prince - Only God Forgives - Mafia-Boss Bruce Willis schwört blutige Rache

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Gangsterhandlanger Mark (Rain) nimmt seinem mafiösen Boss Omar (Bruce Willis, zwischen entnervt und gelangweilt) die Drecksarbeit ab.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ansonsten trennt dieses Vehikel, in Deutschland allen ernstes mit dem Zusatztitel „Only God Forgives“ versehen, nichts von vergleichbaren Straight-to-DVD-Actionern, abgesehen vielleicht von einem wesentlichen Unterschied: Sofern derart prominent besetzt (und damit auch geringfügig kostspieliger), wird so etwas nun nicht mehr irgendwo im Ostblock, sondern wie auch zuletzt „Tokarev“ zu günstigen Steuerbedingungen in Mobile County, Alabama abgedreht.

Produktionseffizienz

Auf die Qualität der Inszenierung hat das hingegen keinen nennenswerten Einfluss, ansehnliche Schauplätze weichen auch hier gewohnt schmucklosen Interieurs. Zum Piepen wirken allerdings die Versuche, jedes noch so nichtssagende Bild visuell aufpeppen zu wollen: mit grellstem Colorgrading und inflationären Lens Flares wird Stil suggeriert, wo die Formsprache von Regisseur Brian A Miller buchstäblich augenfällig versagt.

The Prince - Only God Forgives - Mafia-Boss Bruce Willis schwört blutige Rache

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 21/251/25
Hat sich Dank Gehaltsscheck mit Nicolas-Cage-Gedächtnisfrisur auch in den Film verirrt: John Cusack als Freund und Helfer des überforderten Helden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Actionszenen scheut der Film leider auch in hohem Maße. Bis auf eine wirr geschnittene Autoverfolgungsjagd und außerordentlich simpel gehaltene Shoot-Outs ist Miller offenbar eher an verbalen Schlagabtäuschen interessiert, den nachgereichten Zweikampf zwischen Patric und Rain verpasst man unter Umständen schon mit einem kurzen Blinzeln.

Wenn überhaupt, ist „The Prince“ einzig interessant als ein weiteres anschauliches Beispiel für die Effizienz jüngerer Produktionsweisen im US-amerikanischen Videosektor. Vermarktet wird ein solcher Film über seine Co-Stars, die lediglich in Nebenrollen zu sehen sind und dafür meist auch nur einen einzigen Drehtag absolvieren mussten. Und das Budget liegt insgesamt noch unterhalb dessen, was diese Stars sonst für eine A-Produktion einstreichen dürften.

The Prince - Only God Forgives - Mafia-Boss Bruce Willis schwört blutige Rache

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Wo Bruce Willis ist, darf auch 50 Cent nicht fehlen: Als verrückter Drogendealer kurbelt Curtis Jackson seine Videomarktkarriere weiter an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mittels eines zeitlich und räumlich limitierten Kinostarts wiederum lassen sich dann die Verwertungsrechte anheben, während der Film sich in den Distributionskanälen (Netflix und Co.) zumindest äußerlich vom handelsüblichen Billigfilmmarkt abzusetzen versucht. Obwohl also von Beginn an fürs Heimkino gedacht, kann sich ein gängiger Video-on-Demand-Film wie „The Prince“ ziemlich geschickt das Image einer hochkarätigen Hollywoodproduktion überstülpen.

So zweckdienlicher wie austauschbarer Actionthriller von der Stange, dessen prominente Besetzung gezielt falsche Qualitätsfährten legt.Fazit lesen

Obwohl er selbst als C-Ausgabe von „96 Hours“ eine denkbar schlechte Figur macht.