Mit seiner Firma Ghost House produzierte Sam Raimi den Horrorfilm „Possession – Das Dunkle in Dir“ und holte sich dafür einen Regisseur, der schon lange nicht mehr in den USA gearbeitet hat: der Däne Ole Bornedal („Nachtwache“).

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Borndedal war an einem „normalen“ Horrorfilm nicht interessiert. Er wollte den Klischees, die mit Besessenen-Filmen daherkommen, aus dem Weg gehen. Stattdessen soll sich sein Film wie ein Drama anfühlen – schon allein wegen dem Körnchen Wahrheit, auf dem der Film basiert.

Clyde (Jeffrey Dean Morgan) und Stephanie (Kyra Sedgwick) haben sich scheiden lassen. Am Wochenende holt er seine zwei Mädchen Hannah (Madison Davenport) und Em (Natasha Calis) zu sich. Bei einem Garagenflohmarkt findet Em eine alte, hölzerne Truhe, die ihr so gut gefällt, dass ihr Vater sie ihr kauft. Wieder zuhause merken sie, dass man diese Truhe nicht öffnen kann.

Am selben Abend findet Em jedoch einen Weg, die Truhe zu öffnen – und damit lässt sie einen Dämon, einen Dibbuk, frei. Die unsichtbare Kreatur spricht zu Em und nistet sich in ihr ein. Ihrem Vater fällt dies anfangs nicht auf, doch immer mehr unerklärliche Zwischenfälle häufen sich.

Solide, nicht überragende, aber auch nicht schlechte Grusel-Geschichte, die dank sensibler Regie und gutem Ensemble überzeugen kann.Fazit lesen

Darum stellt Clyde Nachforschungen an und findet heraus, was die Truhe wirklich ist. Laut der jüdischen Folklore wurden in solchen Kisten böse Geister eingesperrt. Nun weiß er, wogegen er zu kämpfen hat, aber hat er überhaupt eine Chance, seine Tochter aus den Klauen des Dämons zu befreien?

The Possession - Das Dunkle in Dir - Fürchte den Dämon, der Gott nicht fürchtet

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Besessene kennt die Welt des Films spätestens seit "Der Exorzist".
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Ein echter Dibbuk?

Auf die Geschichte der Dibbuk-Kiste wurde Sam Raimi durch einen 2004 in der L.A. Times erschienenen Artikel aufmerksam, der davon erzählte, dass ein Mann sie bei einem Garagenverkauf erwarb, ohne zu wissen, worum es sich handelte und schon bald schreckliche Dinge erlebte. Die Dibbuk-Kiste wurde über Ebay verkauft, wobei man die gruselige Geschichte, wie das Leben der Besitzer in Mitleidenschaft gezogen wurde, wirksam einsetzte, um das Interesse zu mehren.

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Merkwürdige Dinge sollen geschehen sein: Krankheiten, Herzinfarkte, unerklärlicher Gestank, Visionen, geteilte Albträume und dergleichen mehr. Und eben darum fängt „Possession“ mit der vollmundigen Verkündung an, der Film basiere auf wahren Ereignissen. Eine ziemlich kühne These, wenn es um einen jüdischen, bösen Geist geht, der sich körperlich in einem kleinen Mädchen einnistet.

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Die Besetzung, u.a. mit Kyra Sedgwick, ist erstklassig.
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Und wie so oft bei übernatürlichen Horrorfilmen – so z.B. auch der „Poltergeist“-Reihe – wird auch im Zusammenhang mit „Possession“ davon berichtet, dass sich am Set unerklärliche Dinge abspielten und Lampen vermehrt und ohne erkennbaren Grund explodierten.

Kann man glauben, sollte man aber nicht. Als Marketing-Tool mögen solche Geschichten ja noch ganz nett sein, die Wirkung eines Films erhöhen sie aber auch nicht.

Solider Grusel

Auch wenn die Beteiligten gerne glauben, dass sie einen originellen – oder zumindest klischeefreien – Film abgeliefert haben, so ist dem nicht so. Die Geschichte ist altbekannt, gab es, seit „Der Exorzist“ 1973 der Welt das Fürchten lehrte, doch schon zahlreiche Filme mit Besessenen.

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Guter Grusel ist, wenn nur ein Blick genügt, um zu erschrecken.
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Aber „Possession“ ist eine solide Angelegenheit. Die knapp 20 Millionen Dollar teure Produktion weist eine Besetzung der A-Riege auf und kann sogar bis in die Nebenrollen interessante Gesichter bieten, so etwa den in die Jahre gekommenen „Melrose Place“-Star Grant Show, der Kyra Sedgewicks Freund spielt. Einen Glücksgriff hat man mit der Besetzung von Natasha Calis getan, denn das Mädchen versteht es, gruselig zu agieren – und dazu braucht sie in manchen Szenen nicht mehr als einen ausdruckslosen Gesichtsausdruck mit starrenden, beinahe leblos erscheinenden Augen.

Die besten Momente sind dementsprechend, wenn die Besessene mit den Menschen in ihrer Umgebung interagiert – bis hin zum Finale, in dem sie ungeahnte Körperkräfte entwickelt.

Vergleichsweise neu ist die Benutzung eines Dibbuks. Einen solchen gab es zwar schon 2009 in „The Unborn“, er agierte aber anders – wohl, weil er nicht in seiner Truhe gefangen war. Der finale Exorzismus ist erfreulicherweise auch eine Abkehr vom Üblichen. Aufgrund der jüdischen Herkunft des Dämons ist es zur Abwechslung mal nicht ein Priester, sondern ein hebräischer Gläubiger, der natürlich auch anders agiert, als man das gemeinhin kennt.

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Die Büchse der Pandora: In der Kiste ist ein Dämon gefangen.
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Kleine Ausbrüche aus dem Muster

„Possession“ ist im Grunde ein sehr formelhafter Film, der aber bisweilen ein wenig aus den vorgegebenen Mustern auszubrechen vermag. Das gilt auch und besonders für den Dämon, der bis zum Ende keine körperliche Gestalt hat (abgesehen von zwei Fingern, die man in der wohl schockierendsten Szene des Films in einem Badezimmer zu sehen bekommt).

Als man ihn dann am Ende sieht, ist er gänzlich anders, denn erwartet. Aber dadurch nicht weniger grässlich anzusehen…