Er habe ein kleineres, intimeres Projekt verwirklichen wollen, ließ Rob Zombie nach seinen beiden „Halloween”-Neuinterpretationen verlauten. Im Gegensatz zur Zusammenarbeit mit den Weinstein-Brüdern wurde ihm für „The Lords of Salem“ schließlich erstmals volle künstlerische Freiheit garantiert. Das eigenwillige Hexenhorrormärchen ist sein kostengünstigster und gleichzeitig persönlichster Film, Rob Zombie ungepanscht und unverstellt.

The Rocky Horror Salem Show

Um einen Plot schert sich der ehemalige White-Zombie-Frontmann einmal mehr herzlich wenig und verlegt alle Energie in die Ausgestaltung seines bizarren Albtraummosaiks, das böse Zungen als überlangen Zombie-Videclip abstrafen und Anhänger als konsequent grotesken Autorenfilm feiern dürften. Man müsse sich „The Lords of Salem“ wie ein „metaphorisches und spirituelles“ Prequel zu „Halloween“ oder wie eine von Ken Russell inszenierte „Shining“-Version vorstellen, so der Musiker und Filmemacher im Vorfeld.

The Lords of Salem - Hexenjagd von Rob Zombie

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Heidi (Sheri Moon Zombie) im Teufelsgang. Bluten soll sie und Satan ein Kind gebären.
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Der Film kreist rudimentär um die Stadtgeschichte von Salem, Massachusetts, um einen jahrhundertealten Hexenfluch und um die Radiomoderatorin Heidi (Sheri Moon Zombie), der eine rätselhafte Schallplatte zugespielt wird. Darauf zu hören ist eine verstörende Tonfolge, die – wie der ortsansässige Buchautor Francis Matthias (Bruce Davison) herausfindet – schon im Jahre 1696 alle Bewohner ins Verderben führen sollte. Blasphemisch lockende Klänge der Hexen von Salem, so ungefähr.

Heidi gerät nach und nach in den Bann ihrer Vermieterin Lacy (gespielt von der altehrwürdigen Judy Gleeson) und deren teuflischer Gesellschaft (mit Patricia Quinn aus der „Rocky Horror Picture Show“ sowie Genrestar Dee Wallace ebenfalls horrorfilmhistorisch denkwürdig besetzt). Diese wollen die drogenabhängige Radiomoderatorin als Gebärmaschine des Teufels missbrauchen („Bleed us a child!“), um der einst auf dem Scheiterhaufen verbrannten Hexe Margaret Morgan (Meg Foster) zu huldigen.

Klingt ein bisschen albern und ist es zuweilen auch, hat in seiner motivgeschichtlich wüsten, christliche Ikonographie pervertierenden Absonderlichkeit aber eine faszinierend-seltsame Ausdruckskraft. In all den labyrinthisch angeordneten Bildern unheilvoller Räume und Flurgänge, gräulicher Gesichter und Masken, verformter Kreaturen und Ziegenböcke wirkt der zuvorderst stimmungsvolle „The Lords of Salem“ wie das zu Film gewordene Booklet eines Rob-Zombie-Albums.

Packshot zu The Lords of SalemThe Lords of Salem

Da werden munter Pappmaché à la Georges Méliès mit schummrig-roter Puffästhetik und an Freizeitrollenspiele von Mediävistikstudenten erinnernde Bewegungsrituale mit Dildos wichsenden Priestern kombiniert. Da wird eine Theaterbühne mit erleuchtendem Scheinwerferlicht und dicken Nebelmaschinen zum großen Finish stilisiert oder der Handlungsort Salem wahlweise mit übergebührlichen Lensflares und Fischaugenobjektiven als mysteriöse Spielstätte der Hexengeister beschwört.

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Zerfallene Priester, vermoderter Altar: Bibeltreuen Zuschauern ist abzuraten.
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Einschlägige B-Größen

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem selbstverständlich nach Zombies persönlichem Geschmack zusammen gewürfelten Soundtrack, bei dem sich nebst schräger Geräuschkulisse The Velvet Underground mit Mozarts Requiem, Rick James mit Bachs „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ oder das enervierende Titelstück der Lords of Salem getauften Band mit dem Inception-Button mischen. Das reicht dann, je nach Gemütslage, von atmosphärisch bis bedeutungsschwanger, von schaurig-schön bis gottlob-prätentiös.

Interessant aber ist, wie Regieautodidakt Rob Zombie hier erstmals traditionsbewusst einem klassischen Horrorkino frönt. Ganz offensichtlich nicht weniger von den Genrearbeiten Ti Wests („The House of the Devil“) beeindruckt als zuletzt auch James Wan und dessen Gruselhit „The Conjuring“, arbeitet Zombie mit ausgespielten Ruhemomenten, sorgfältig arrangierten Breitwandbildern und zahlreichen Zooms. Die wilde Experimentierfreude seines meisterlichen Debütfilms „Haus der 1000 Leichen“ blitzt wiederum nur vereinzelt auf.

Hexenhorror als Stimmungsgemälde – seltsam, eigen, unheilvoll. Wer Rob Zombie will, der soll auch Rob Zombie bekommen.Fazit lesen

Eigentliches Herzstück des Films jedoch ist abermals die Besetzung der Nebenrollen. Schon das Casting seiner früheren Regiearbeiten verwandelte Zombies Filme in kleine Gipfeltreffen einschlägiger B-Größen, in ein Horror-„Expendables“ auf zweiter Ebene. Wiederholt arbeitete er in „The Lords of Salem“ nun mit Ken Foree („Dawn of the Dead“), Sid Haig („Spider Baby“) oder dem legendären Richard Lynch („Die Barbaren“) zusammen. Letzterer verstarb nach den Dreharbeiten im Alter von 72 Jahren.

The Lords of Salem - Hexenjagd von Rob Zombie

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Die Hexen von Salem: Patricia Quinn, Dee Wallace und Judy Gleeson.
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Neuzugänge in der Zombie-Familie sind – wenn auch teils kaum (wieder) zu erkennen – Barbara Crampton („Re-Animator“), Maria Conchita Alonso („Running Man“) sowie Tim Burtons Ex-Frau Lisa Marie („Sleepy Hollow“). Gastauftritte von Clint Howard, Camille Keaton und Udo Kier fielen hingegen allesamt der Schere zum Opfer und haben es auch nicht in etwaige Deleted Scenes der DVD oder Blu-ray geschafft.

Vergleicht man nun die bislang fünf Zombie-Filme, so ist sein verspielter, mitunter radikaler und manchmal auch entzückend-planloser Inszenierungsstil in „The Lords of Salem“ endgültig zu einer Handschrift geronnen. Das Witchcraft-Sujet fügt sicht nahtlos ein in das von Terror-, Slasher- und Exploitation-Vorbildern geprägte Kino eines wahrhaftigen Ausnahmefilmemachers, der mal eigentümlich bizarr, mal lustvoll lächerlich, aber immer aufregend ist.