In Hollywood kommt es häufiger vor, dass zwei Produktionen sich desselben Themas annehmen. In diesem Jahr ist es der Halbgott Hercules, der gleich zweimal für das Gute kämpfen darf. Auf die Edelproduktion mit Dwayne Johnson muss man noch warten, Renny Harlins Schnellschuss steht aber nun schon auf dem Plan.

The Legend of Hercules - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

„The Legend of Hercules“ möchte gerne groß wirken. Wohl auch darum verkündet man gerne, dass 70 Millionen Dollar in die Produktion geflossen sind. Diese Zahl dürfte aber gewaltig aufgebläht sein, sind die Stars doch eher aus der zweiten und dritten Riege, die Dreharbeiten in Bulgarien gemacht worden und die zahlreichen CGI-Animationen und –Hintergründe wirken ausgesprochen günstig.

The Legend of Hercules - Ein „Twilight“-Star als Göttersohn

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Ein bisschen "300", ein bisschen "Spartacus".
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Amphytrion (Scott Adkins) erobert das Königreich und nimmt Alcmene (Roxanne McKee) zur Frau. Sie gebährt ihm zwei Söhne, einer ist jedoch von Zeus gezeugt worden und soll dereinst Amphytrions Tyrannei beenden. 20 Jahre später liebt Hercules (Kellan Lutz) die Prinzessin Hebe (Gaia Weiss), doch diese ist seinem Bruder Iphicles (Liam Garrigan) versprochen.

Amphytrion schickt Hercules auf eine Mission, auf der er den Tod finden soll, aber zusammen mit dem Soldaten Sotiris (Liam McIntyre) überlebt er, wird jedoch in die Sklaverei verkauft. Beide müssen sich als Gladiatoren verdingen, trachten jedoch nach der Freiheit. Denn Hercules hat nicht viel Zeit, um nach Hause zurückzukehren, Hebe zu retten und das Volk vom Joch Amphytrions zu befreien.

Keine Mythologie

Warum man einen Film über die Figur Hercules macht, aber dann keinerlei Element aus der griechischen Mythologie übernimmt – abgesehen von der Zeugung durch Zeus – bleibt wohl auf ewig das Geheimnis des Autorenduos Sean Hood und Daniel Giat. Stattdessen haben sie sich entschieden, eine Geschichte zu schreiben, die dem Muster von „Gladiator“ folgt.

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Der Film erscheint bei uns am 01.05.2014 in den Kinos.
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Da ist es im Grunde auch nur passend, dass Regisseur Renny Harlin sich gedacht haben muss, „300“ und „Spartacus: Blood and Sand“ zu plündern, wäre eine großartige Idee. Eine ausgelutschte Geschichte, die keinen einzigen originellen oder eigenen Gedanken aufweist, mit einer Optik, die man andernorts schon besser gesehen hat – das ist das Möchtegern-Erfolgsrezept von „The Legend of Hercules“.

Uninspirierter Actionfilm, der mit Hercules herzlich wenig zu tun hat, aber dafür bei '300' und 'Spartacus' klaut.Fazit lesen

Dabei ergibt sich natürlich auch sehr schnell ein sehr großes Problem. Der Film musste eine bestimmte Freigabe haben und konnte nicht so in die Vollen gehen wie es „Spartacus: Blood and Sand“ möglich ist. So hat man hier zwar die Gladiatorenkämpfe, die wie eine Kopie der Serie anmuten, sie sind aber total blutleer. Das passt aber immerhin auch zu diesem Film, der im übertragenen Sinne ebenfalls blutleer ist.

Ein billiger Look

Es ist grundsätzlich nicht verkehrt, vor Green Screen zu drehen und nachher mit dem Computer schöne Hintergründe zu zaubern. Allerdings sollten sie auch schön aussehen. Sie sollten nicht wirken wie aus einem Film des letzten Jahrtausends oder einer schäbigen Syfy-Channel-Produktion. Das angebliche Budget von „The Legend of Hercules“ sieht man auf der Leinwand nicht.

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Kellan Lutz als Hercules.
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Besonders peinlich ist auch Hercules‘ Kampf mit dem Löwen, der noch ein bisschen an die Mythologie erinnert, aber in völlig anderem Kontext daherkommt. Dieses Tier sieht so dermaßen falsch aus, dass es schon fast gruselig wirkt, weniger wie ein Löwe als vielmehr wie ein amorphes Ungetüm.

Andere Effekte – etwa, wenn Hercules mit einer Kette um sich schlägt oder sein „Stromschwert“ (man muss es gesehen haben, um es zu glauben) schwingt – sehen marginal besser aus, echtes Kinofeeling kommt bei diesem Film aber nie auf. Das ist umso unverständlicher, da Renny Harlin früher mal wirklich richtig große Filme gemacht hat.

In den letzten Jahren muss er zwar kleinere Brötchen backen, aber mit Streifen wie „5 Days of War“ oder „Devil’s Pass“ hat er zumindest solide Filmkunst geboten. Das kann man dem seelenlosen „The Legend of Hercules“ wirklich nicht unterstellen.

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The Legend of Hercules.
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Der Twilight-Held

Twilight“-Darsteller Kellan Lutz ist schauspielerisch keine Leuchte, aber er sieht der Rolle zumindest angemessen aus. Weniger überzeugend kommt da schon Scott Adkins daher, dessen Alters-Make-up, wenn man es denn so nennen will, fast so peinlich ist wie seine Performance. In diesem antiken Kontext funktioniert der actionerfahrene Schauspieler gar nicht.

Liam McIntyre ist auch völlig verschwendet. Warum er nach „Spartacus“ eine ähnlich gelagerte Rolle angenommen hat? Wahrscheinlich, weil ihm sonst nichts angeboten wird, für die Karriere förderlich ist das aber nicht.