Zehn lange Jahre war Arnold Schwarzenegger in keiner Hauptrolle mehr zu sehen. Die Freude über sein unerwartet furioses Comeback mit dem Neo-Western „The Last Stand“ wird hierzulande jedoch leider durch den Verleih getrübt. Splendid Film feiert den Arnie-Neustart lediglich mit einer um 22 blutige Sekunden entschärften Fassung, obwohl die ungekürzte Originalversion von der FSK ohne Einwände ab 18 Jahren freigegeben wurde.

Das jugendfreie letzte Gefecht

Die Schnitte der deutschen Kinofassung beinhalten detailfreudige Einschüsse und explodierende Körper, die der deutsche Verleih mit Blick auf ein jüngeres Publikum eigenmächtig vornahm, um „The Last Stand“ ausschließlich in einer FSK-16-Version zu veröffentlichen. Auf Facebook ließ man fadenscheinig verkünden, dass auch minderjährige Arnie-Fans die Möglichkeit bekommen sollten, den Film sehen zu können.

Somit wird dieser erst auf DVD und Blu-ray in der von den Filmemachern intendierten ungeschnittenen Version erhältlich sein. Dabei führt der Verleih „The Last Stand“ hierzulande flächendeckend digital auf (DCP), sodass dem Publikum die ohnehin bereits bei der FSK geprüfte Uncut-Version ohne die bedeutenden Mehrkosten neu gezogener Filmkopien zumindest optional hätte angeboten werden können.

Dass der Film auch mit den bereinigten Gewaltspitzen alles andere als handzahm ausfällt, kann nur geringfügig über die Unverschämtheit dieser kunstfeindlichen Veröffentlichungspraxis hinwegtrösten. Angesichts des enttäuschenden US-Einspiels (bislang nicht einmal ein Viertel der Produktionskosten) ist es umso unverständlicher, dass das Publikum in Deutschland mit einer gestutzten Fassung des Films geradezu vom Kinobesuch abgehalten wird.

Dabei möchte man „The Last Stand“ unbedingt für den Genuss auf einer großen Leinwand empfehlen. Schwarzenegger spielt darin den Kleinstadt-Sheriff Ray Owens, der von einem leitenden FBI-Agenten (Forest Whitaker) über die Flucht des Kartellbosses Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) informiert wird. Auf dem Weg nach Mexiko soll Cortez das verschlafene Provinznest des sonst bestenfalls mit kleinstkriminellen Angelegenheiten beschäftigen Sheriffs streifen.

The Last Stand - He's back!

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„My honour is not for sale“: Im finalen Zweikampf zeigt sich Arnie von seiner alles andere als gemütlichen Seite.
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Nachdem der Drogenbaron mithilfe einer beschleunigten modifizierten Corvette C6 auch die SWAT-Einheiten abhängen konnte, müssen nun Owens und seine überschaubare Gruppe von Kollegen inklusive Dorfwaffennarr (Johnny Knoxville) das Titel gebende letzte Gefecht mit Cortez und dessen Handlangern austragen – in einem bleihaltig aufgepäppelten „12 Uhr mittags“-Schlussakt, der sich ebenso augenzwinkernd wie vergnüglich altmodisch ausnimmt.

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Das US-Debüt des Südkoreaners Kim Ji-woon, dessen Genrearbeiten „A Tale of Two Sisters“ oder „I Saw the Devil“ auch hierzulande Erfolge feierten und der sich mit „The Good, the Bad, the Weird“ bereits an einem „asiatischen Western“ versuchte, lebt von der reizvollen kulturellen Überschneidung seines uramerikanischen Setups und der extrem stilisierten Probierfreudigkeit des Filmemachers.

Farbenprächtige Old-School-Action

Ji-woons unbekümmerter Blick auf die Americana-Mythen des klassischen Western gereicht „The Last Stand“ zu einer Frische, die gerade dem auf eine bestimmte Throwback-Mentalität ausgerichteten aktuellen Actionkino der einstigen Genrehelden Schwarzenegger oder Stallone die nötige Leichtigkeit verleiht. Im letzten Jahr erst ließ die „Expendables“-Fortsetzung befürchten, dass nostalgische Old-School-Action ohne ständige Selbstironie und sich selbst zum Abschuss freigebendem Nonsens leider gar nicht mehr denkbar scheint.

So actionreich wie vergnüglich: Das Schwarzenegger-Comeback dürfte auch Skeptiker von der furiosen Rückkehr unseres Jugendhelden überzeugen. Im Kino jedoch leider nur gekürzt!Fazit lesen

Die Mischung aus altmodischer Action und sanften Humoreinsprengseln hingegen präsentiert sich in Schwarzeneggers Comeback-Versuch um einiges ausgewogener. Statt andauernde Witzchen übers eigene Alter und einen vermeintlich verblichenen Star-Kult setzt der Film auf gezielte One-Liner und gelegentliche Situationskomik, in der die sympathisch angeschlagene Robustheit des Helden nicht gleich einer permanenten Vertrashung desselbigen gleichgesetzt wird.

Die mitunter überraschend druckvollen, stets angenehm geerdeten Verfolgungsjagden und Shootouts hat Ji-woon souverän im Griff, nicht zuletzt Dank einer übersichtlichen Kameraarbeit, deren farbenprächtige Landscape- und Smalltown-Shots dem Film tatsächlich ein in dieser Form länger nicht gesehenes klassisches Kino-Feeling schenken und auch nicht vom Schnitt sabotiert werden. Lediglich in nächtlichen Aufnahmen neigt auch sie zum nimmermüden orange-blauen Look, der leider nahezu jeden Hollywoodfilm dieser Tage gleich aussehen lässt.

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Jackass meets Terminator 2: Johnny Knoxville und Schwarzenegger im letzten Gefecht.
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Zum besonderen Vergnügen von „The Last Stand“ zählt letztlich die Besetzung, die zwar insgesamt zu Lasten von Schwarzeneggers Screentime geht, aber mit kleineren Auftritten von Harry Dean Stanton („Alien“) oder Sonny Landham („Predator“) überrascht. Johnny Knoxville bekommt natürlich seinen „Jackass“-Moment, Peter Stormare muss wie schon in „The Big Lebowski“ ein Ohr verlieren und Luis Guzmán spielt vergnügt auf „Conan“ an. Kleine unauffällige Details, die aber die auf eine seltsame Art liebenswürdige Gemütlichkeit des Films abrunden.