Das Undenkbare ist eingetroffen. Im Zuge der Drohung seitens der Hackergruppe Guardians of Peace, Anschläge auf Kinos auszuüben, die The Interview zeigen, hat Sony Pictures den Kinostart nun gecancelt, und es gibt auch keinen Ersatztermin in naher Zukunft. Indes heißt es, die Hacker sollen mit der nordkoreanischen Regierung zusammenarbeiten.

The Interview - Sony Pictures cancelt den Kinostart, Nordkorea doch involviert

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Wird der internationale Kinostart wie geplant eingehalten, oder wird The Interview auch international gecancelt?
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Es ist vollbracht. Der mächtige Riese Hollywood ist von David zu Fall gebracht. Und doch ist das hier keine glorreiche Geschichte vom Kampf des kleinen Mannes gegen eine Übermacht, sondern die entsetzliche Auswirkung des Cyber-Terrorismus.

Es ist der traurige und erschreckende Höhepunkt eines Hackerangriffs auf die Server von Sony Pictures durch eine Hackergruppe, die zuvor noch nie in Erscheinung getreten war. Kein Wunder also, dass zunächst die nordkoreanische Regierung selbst verdächtigt wurde, den Angriff gestartet zu haben. Nordkorea wies jede Anschuldigung von sich, sympathisierte allerdings mit den Hackern, und verurteilte den Angriff nicht.

Kamen zunächst "nur" Filme und brisante Details zu Gesprächen zwischen den Sony-Produzenten, hauptsächlich Sony Pictures' Motion Picture Chief Amy Pascal, und anderen Produzenten und Filmschaffenden in Umlauf, ging die Hackergruppe, die sich ironisch Guardians of Peace nennt, in dieser Woche zum Terror über.

Man drohte mit Anschlägen auf Kinos, die den Sony Pictures-produzierten Seth Rogen-Film The Interview ins Programm aufnehmen. "Wir werden euch zu gegebener Zeit und an den Orten, wo The Interview, inklusive der Premiere gezeigt wird, demonstrieren, was für ein bitteres Schicksal all jene erwartet, die im Terror Spaß suchen. Schon bald wird die gesamte Welt sehen, was für einen schlechten Film Sony Pictures produziert hat. Die Welt wird voller Furcht sein. Erinnert euch an den 11. September 2001. Wir empfehlen euch, euch von den Orten zu dem Zeitpunkt fernzuhalten", so die Warnung von #GoP.

Bald darauf nahmen die ersten Kinoketten The Interview aus dem Programm. Auch Sony Pictures zog direkte Konsequenzen, und sagte die Premierenfeier in New York ab, die für heute, Donnerstag, den 18. Dezember angesetzt war. Zwar konnte das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten bisher noch keinen Beweis für etwaige geplante Terroranschläge gegen US-Kinos ausmachen, doch man wollte wohl lieber auf Nummer Sicher gehen.

The Interview - Sony Pictures cancelt den Kinostart, Nordkorea doch involviert

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James Franco und Seth Rogen in The Interview
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Doch nun haben noch mehr Kinoketten den Film aus ihrem Programm entfernt, darunter die fünf größten nordamerikanischen Kinoketten Regal Entertainment, AMC Entertainment, Cinemark, Carmike Cinemas and Cineplex Entertainment. Damit wären ohnehin schon über die Hälfte aller US-Kinos betroffen. Die Sicherheit der Gäste sei nun mal wichtiger als das Recht auf künstlerische Freiheit, so der allgemeine Tenor der Pressemitteilungen der Kinoketten.

Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Sony Pictures nun auch den nordamerikanischen Kinostart komplett gecancelt hat. Zum einen aufgrund der Sicherheit der Zuschauer, und zum anderen, weil kaum mehr Kinos übrig bleiben, die den Film zeigen würden. The Interview wird nun nicht mehr wie geplant am 25. Dezember 2014 in den US-Kinos starten. Auch ein neuer Kinostart ist nicht bekannt, wenn überhaupt noch einer kommen soll. Denn Sony Pictures ließ ausrichten, dass kein Kinostart in naher Zukunft erfolgen wird. Auch was einen Vertrieb über Video on Demand angeht, um zumindest einige der Kosten des 42-Millionen-Dollar-Budgets kompensieren zu können, gibt es entgegen ersten Gerüchten keine Pläne. Es sieht so aus, als sei der Film zumindest für den nordamerikanischen Markt auf Eis gelegt.

"Sony Pictures ist das Opfer eines beispiellosen Angriffs auf unsere Mitarbeiter, Kunden und unser Geschäft geworden. Diejenigen, die uns angegriffen haben, stahlen unser geistiges Eigentum, unsere privaten Emails, und sensibles, firmeneigenes Material, und wollen unseren Geist und unsere Moral zerstören - und das alles, um die Veröffentlichung eines Films zu verhindern, den sie nicht mögen. Wir sind tief bestürzt über diesen schmalosen Akt, den Vertrieb eines Films zu unterdrücken, und im Zuge dessen unserem Unternehmen, unseren Mitarbeitern, und der amerikanischen Öffentlichkeit zu schaden. Wir stehen zu unseren Filmemachern und ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung, und sind sehr enttäuscht von diesem Ausgang", so die offizielle Pressemitteilung Sony Pictures'.

Indes scheinen das FBI und das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten den Übeltätern auf der Spur zu sein. Offenbar stecke eine "ausländische Macht dahinter", die "eine Cyberattacke gegen einen privaten Schauspieler, und ein privates Unternehmen gestartet hat, um die freie Meinungsäußerung mit Füßen zu treten."

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Steckt doch die nordkoreanische Regierung dahinter?
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Noch heute könnte eine offizielle Stellungnahme der US-Regierung erwartet werden, die Nordkorea direkt mit den Cyberattacken konfrontiert, und dem Regime um Kim Jong Un die Verantwortung anlastet, denn man habe mittlerweile herausgefunden, dass die Hauptverdächtigen Mitglieder einer nordkoreanischen Cyber-Security-Einheit mit Namen Bureau 121 sein sollen. Es wird allerdings nicht ausgeschlossen, dass sie Hilfe von einem Insider erhielten, der womöglich einen Groll gegen Sony Pictures gehegt haben könnte. Momentan werde im Weißen Haus noch besprochen, ob man Nordkorea offiziell und direkt beschuldigen soll, einen Hackerangriff auf Sony Pictures gestartet zu haben.

Während einige der Meinung sind, dass man Kim Jong Uns Regime direkt konfrontieren müsse, mahnen andere zur Vorsicht. Diese Art der Publicity könnte genau das sein, was die Nordkoreaner sich von der Aktion erhoffen. Japan bat zudem um Rücksicht, da man diplomatische Verhandlungen mit Nordkorea gefährdet sehe, die eine Rückkehr entführter japanischer Bürger aus nordkoreanischer Gefangenschaft gefährden könnten.

In Seth Rogens The Interview suchen der Moderator Dave Skylark (James Franco) und sein Kollege Aaron Rapoport (Seth Rogen) nach dem nächsten großen Einschaltenquoten-Wurf und werden fündig, als sie erfahren, dass der nordkoreanische Stabschef Kim Jong Un (Randall park) höchstpersönlich ein Fan ihrer Sendung ist. Als sie das Angebot bekommen, ein Interview mit ihm zu führen, schaltet sich das CIA ein, das die Chance sieht, den Machthaber durch einen Attentat aus dem Weg zu räumen. Natürlich nehmen die beiden den Auftrag historischen Ausmaßes an und erhoffen sich einen Platz in den Geschichtsbüchern der Nation. Doch so einfach wie geplant, läuft es dann schließlich doch nicht.

Davon, dass The Interview auch in anderen Ländern wie in Deutschland gecancelt werden soll, ist bislang noch keine Rede. Man darf also hoffen, dass der Kinostart am 5. Februar 2015 weiterhin bestehen bleibt, und Sony Pictures den Film lediglich in Nordamerika zurückgezogen hat.