„The Impossible“ ist nicht der erste Film, der die Tsunami-Katastrophe in Südostasien verarbeitet. Clint Eastwood war mit „Hereafter“ schneller. Aber er nimmt die Katastrophe nur als Aufhänger und zeigt anhand einer Figur, wie das Leben nach dem Überleben aussieht. Das „Danach“ ist bei „The Impossible“ erst mal sehr viel später. Er bleibt unmittelbar im Chaos des Tsunamis und seiner direkten Folgen stecken.

Selten wurden eine Naturkatastrophe und ihre Nachwirkungen eindringlicher und erlebbarer als hier gestaltet. „The Impossible“ hätte mit seiner Fabel von der glückseligen Familie Kitsch sein können – und schrammt manchmal auch nur haarscharf daran vorbei –, aber er kann sich darauf berufen, dass das, was er zeigt, wahr ist. Nicht nur in Hinblick auf die Katastrophe, sondern auch die Protagonisten.

Weihnachten 2004 in Thailand: Die Familie Bennett macht Urlaub. Nachdem die Geschenke verteilt wurden, plantschen Vater Henry (Ewan McGregor) und seine Söhne Lucas (Tom Holland), Simon (Oaklee Pendergast) und Thomas (Samuel Joslin) im Pool, während Mutter Maria (Naomi Watts) zusieht.

Aus der Ferne hören sie ein Grollen und der Boden vibriert. Es ist die Sekunde, bevor die Welt um sie herum in Chaos versinkt. Eine Flutwelle rollt auf das Ferienressort zu und reißt unzählige Menschen mit sich, darunter auch die Bennetts.

Obwohl schwer verletzt, gelingt es Maria, Lucas in den Flutmassen zu finden, aber von ihrem Mann und ihren anderen Söhnen fehlt jede Spur. Maria und Lucas halten sie für tot. Doch während Maria im Krankenhaus ums Überleben kämpft, sucht Henry nach seiner Frau und seinem Sohn…

The Impossible - Wenn die Natur ihre Kraft entfesselt…

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Menschliches Drama inmitten der Katastrophe.
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Auf ein Einzelschicksal herunter gebrochen

Eine Katastrophe wie diese kann man filmisch nur dann dem Zuschauer begreiflich machen, wenn man den Blickwinkel auf das kleinste Element richtet: auf eine Handvoll Menschen. Anhand ihrer Erfahrungen wird das, was in einer solchen Situation zur Eigendynamik wird, spürbar. Wenn das gut gemacht ist, dann trifft es das Publikum mitten ins Herz.

Packshot zu The ImpossibleThe Impossible

„The Impossible“ ist so gut. Mehr als einmal fühlt man einen Kloss im Hals – auch, weil man weiß, dass das, was hier gezeigt wird, so oder ähnlich in tausendfacher Form an jenem verhängnisvollen Tag geschah. Nur dass es für viele kein Happy-End gab. Die Bennetts sind Stellvertreterfiguren für all die Touristen und Einheimischen, die mit voller Wucht von diesem Tsunami getroffen wurden. Es ist die Geschichte weniger, die verständlich macht, wie es für viele war.

Die Flut kommt

Regisseur Juan Antonio Bayona hat sich entschieden, den Aufprall der Welle auf das Land nur kurz zu zeigen. Er fängt genügend Bilder ein, die klarmachen, wie verheerend die Macht des Wassers ist. Aber dann geht er näher ran und zeigt Maria und Lucas beim Überlebenskampf im Wasser.

Intensives, emotional mitreißendes Drama, das den Zuschauer mit der Wucht eines Tsunamis trifft.Fazit lesen

Was Bayona hier gelingt, ist die desorientierende Wirkung begreiflich zu machen, die damit einhergeht, Spielball einer größeren Macht zu sein. Man kann schwimmen, aber nicht verhindern, dass man gegen Objekte stößt und sich daran verletzt. Die Gefahr ist eigentlich nicht die Welle, sondern all das Material, das sie mit sich reißt.

Mit der Katastrophe beginnt der Film, aber auch die unmittelbaren Momente nach dem Überleben sind emotional tiefenwirksam. Man erinnert sich an die Nachrichtenbilder von damals und sieht in „The Impossible“ erneut vor sich, ist nun aber näher dran und gefühlsmäßig mit den Handlungsträgern verbunden. Womit der Film den Zuschauer so direkt trifft wie die Welle seine Protagonisten, ist die Erkenntnis, dass man in einer solchen Situation nichts tun kann.

The Impossible - Wenn die Natur ihre Kraft entfesselt…

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Naomi Watts in einer ihrer besten Rollen.
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Und wenn man überlebt?

Wäre dies nicht eine wahre Geschichte, müsste man „The Impossible“ vorwerfen, dass er den Kardinalsfehler großer Filmproduktionen begeht. Wer mit der wahren Geschichte nicht vertraut ist, liest am besten beim nächsten Zwischentitel weiter.

Man fragt sich fortwährend, wer diese Katastrophe überleben wird. Der Film ist so gestaltet, dass nach der Flutwelle der Fokus auf Maria und Lucas gerichtet wird. Was mit den anderen ist, ist unklar. Da Henry von Ewan McGregor gespielt wird, kann man sich aber zumindest denken, dass er überlebt. Als dann gezeigt wird, dass Henry und seine Söhne die Katastrophe überstanden haben, spielt der Film mit der Frage, ob Maria überleben wird, da sie sich in einem extrem schlechten Zustand befindet.

Wäre es keine wahre Geschichte, müsste man „The Impossible“ vorwerfen, dass er mit aller Gewalt ein Happy-End haben will. Zu glauben, dass die fünf Mitglieder einer Familie allesamt diesen Tsunami überstanden haben, ist fast nicht möglich. Aber das Leben überrascht manchmal – und der Film nimmt dieses erlösende Ende dankbar an, ohne dabei zu vergessen, dass Hunderttausende andere gestorben sind.