Tommy Lee Jones hat sich für seinen zweiten Kinofilm als Regisseur Zeit gelassen. Fast zehn Jahre sind vergangen, aber nun präsentiert er „The Homesman“, der auf einem Roman von Glendon Swarthout basiert und über viele Jahre hinweg ein Lieblingsprojekt von Paul Newman war, der jedoch nie den richtigen Ansatz fand und das Projekt schließlich aufgab. Jones wiederum hat die traurige, manchmal auch amüsante, im Grunde aber düstere Geschichte in wundervollen Bildern eingefangen.

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Nebraska ist noch freies Territorium. Hier können Männer sich noch den Traum vom eigenen Land erfüllen, aber es ist ein hartes Leben abseits der Zivilisation. Besonders gilt dies für Mary Bee Cuddy (Hilary Swank), die ohne Mann hier lebt, aber die Hoffnung, einen zu finden, noch nicht aufgegeben hat. Das Leben im Territorium ist hart. Zu hart für manche. Aufgrund der Umstände verlieren drei Frauen ihren Verstand, weswegen entschieden wird, dass sie zurück zu ihren Familien nach Iowa gebracht werden müssen.

The Homesman - Hart. Umbarmherzig. Tödlich. So sieht Tommy Lee Jones den Wilden Westen

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Tommy Lee Jones` zweites Werk als Regisseur.
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Da sich keiner der Männer findet, um die Frauen zu transportieren, übernimmt das Mary Bee, die die Hilfe des Vagabunden George Briggs (Tommy Lee Jones) in Anspruch nehmen kann. Er ist ihr verpflichtet – und sie stellt ihm eine hohe Bezahlung in Aussicht. Doch die wochenlange Reise ist höchst gefährlich, und das nicht nur, weil den verrückten Frauen nicht zu trauen ist, sondern weil in der Prärie auch Indianer und Halsabschneider lauern.

Der wahre Westen

Jones ist nicht daran interessiert, den Wilden Westen zu romantisieren. Er zeigt das Leben in den Territorien, außerhalb der zivilisierten Städte im Osten als das, was es war: hart, unbarmherzig, tödlich. Das ist die große Stärke des Films, aber er packt die Geschichte in schöne Bilder. Er zeigt die Größe und Erhabenheit des Landes, das so viele Menschen anlockte, aber darüber hinaus vergisst er nie, das Elend, das mit dem Leben im Grenzgebiet einherging, auf den Prüfstand zu stellen.

„The Homesman“ ist dabei exzellent besetzt. Besonders Hilary Swank brilliert in einer Rolle, die sowohl entschlossen und hart sein kann, aber auch sehr verletzlich ist. Sie ist die Kehrseite der Medaille, das Gegenstück zu den drei Frauen, die das Elend und den Verlust, der in diesen Landen natürlich ist, nicht ertragen konnten.

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Der Film soll bei uns am13.11.2014 erscheinen.
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Aber die Figur ist dabei so gezeichnet, dass die Prüfungen, die sie ertragen muss, nicht spurlos an ihr vorüberziehen. Schon in einer der ersten Szenen des Films, als sie einem Mann vorschlägt, sie zu heiraten, erkennt man die Verzweiflung, die ihr innewohnt. Sie schaukelt sich im Verlauf des Films immer weiter auf, bleibt aber unscheinbar, bis sie explosionsartig in den Vordergrund tritt und den Zuschauer mit einem Wow-Moment zurücklässt.

Tommy Lee Jones‘ zweites Regie-Projekt für das Kino ist ein melancholischer, schöner, emotional packender Western abseits üblicher Erzählkonventionen.Fazit lesen

Ein tolles Alterswerk

Hätte Clint Eastwood den Film inszeniert und die Hauptrolle gespielt, man wäre auch nicht überrascht gewesen. Dass es Tommy Lee Jones ist, beweist nach „Three Burials“ nur einmal mehr, dass hier nicht nur ein exzellenter, vielschichtiger Schauspieler am Werk ist, sondern auch ein großer Regisseur in ihm schlummert. Er inszeniert den Film mit einem durchgehenden Gefühl der Traurigkeit, das bisweilen jedoch durch humorige Szenen konterkariert wird. Die Geschichte ahmt hier das Leben nach, das auch kein heterogenes Ganzes ist, sondern unterschiedlichste Gefühlsfarben aufweist.

Und doch nimmt die Traurigkeit zum Ende hin zu, und das paradoxerweise, als man die Figur Briggs besser kennen lernt. Man sympathisiert mit ihm, weil er das Richtige tut, weil er sich anständig verhält, weil er Respekt zeigt, nur um all das im Schlussbild vergessen zu machen.

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Ein gefühlvolles und hartes Drama.
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Top besetzt

Jones hat den Film bis in die kleinsten Nebenrollen mit namhaften Schauspielern besetzt. Ein paar Gefälligkeiten wurden eingefordert – wie im Fall seiner „Wie beim ersten Mal“-Partnerin Meryl Streep –, bei anderen zog das Drehbuch und die Chance, mit Jones an diesem ungewöhnlichen Western zu arbeiten. So gibt es hier unter anderen James Spader, Miranda Otto, William Fichtner, Hailee Steinfeld und John Lithgow zu sehen. Ihre Präsenz erfüllt selbst die kleinsten Rollen mit einer gewissen Gravitas.

The Homesman - Bilder vom Set

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In erster Linie lebt der Film aber von Swank und Jones, der als bärbeißiger, grantiger Ex-Soldat eine wundervolle Altersrolle spielt, die seinen Stärken entgegenkommt, die er aber auch nutzt, um ein bisschen Humor in die Geschichte einzubringen. Seine Figur Briggs ist weder ein guter noch ein schlechter Mann, er ist einfach nur ein Mensch mit all seinen Schwächen und Stärken.

Will man dem Film etwas vorwerfen, dann vielleicht, dass die Interaktion der Figuren etwas steif ist, aber das passt gut in die Zeit und zu den Gepflogenheiten jener Ära.