So richtig blickt man am Anfang von „The Hallow“ noch nicht durch, in welche Richtung sich dieser Film entwickeln wird. Haunted-House-Horror? Paranormale Jump-Scares? Survival-Terror? Oder vielleicht auch gar nichts von diesen drei Schubladen, sondern lieber ein beinahe klassisch anmutendes „creature feature“. Das mit seinen imposanten Latex-Monstern erfrischend oldschoolig an die Gurgel geht.

The Hallow - Official Trailer #1

Unter den grünen Wäldern

Dass in saftigen Wäldern auch Monster hausen können, hat zwar vor kurzem erst „Digging up the marrow“ thematisiert, doch trotzdem ist klassischer Monster-Horror, bitteschön (fast) ohne CGI, schon länger kein großes Thema mehr. Was eine Schande ist, denn „The Hallow“ erreicht durch seine fantasievollen Ungetüme eine zeitlose Qualität, die den oben genannten Schubladen weit überlegen ist. Besonders wenn der Film dazu auch noch hervorragend in Szene gesetzt ist und einen sofort nach Irland reisen lassen möchte. Allen Waldgeistern und Privatisierungen der grünen Pracht zum Trotz.

The Hallow - Umweltschutz, the next level

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Nicht furchtbar originell, doch dafür richtig gut gemacht.
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Als Basis reicht „The Hallow“ nämlich eine ökologische Botschaft, die das Vorhaben Irlands, mit dem Verkauf von Wäldern Geld einzunehmen, mit Mord und Wahnsinn beantwortet. Das zentrale junge Paar (Joseph Mawle und Bojana Novakovic) möchte eigentlich nur den Baumbestand in einem abgelegenen Gebiet bewerten, doch dann trieft auch schon schwarzer Schleim aus allen Poren, der den Körper und den Verstand befällt. Die Folge: eine fiese Mutation, an deren Ende eine brennende Sichel und Mini-Tentakel stehen. Don't fuck with the woods. Die Waldgeister, die in der Nacht aus ihren moosigen Verstecken herauskriechen, verteidigen sich nicht nur, sondern zerren die Opfer auch in ihre eigenen Reihen.

Packshot zu The HallowThe Hallow kaufen: ab 10,93€

Nächtliches Gegenlicht

Und oh, ist das dann schön anzusehen, wie das Paar panisch durch den Wald rennt, huckepack mit dem gemeinsamen Baby. „The Hallow“ schwelgt in wunderbaren Nachtaufnahmen, gerne akzentuiert durch dezent künstliche Farbtupfer, die dem Ganzen eine märchenhafte Qualität geben. Horror kann so schön sein, besonders wenn als Kontrast dann superb reduzierte Setpieces die Spannung nach oben treiben. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist die Sequenz, wie Adam (der männliche Teil des Paares) im Kofferraum seines Wagens eingeschlossen wird und nur hört, dass das noch auf dem Rücksitz befindliche Baby von lauten Schlägen und Geräuschen drangsaliert wird. Als er schließlich durch die Rückbank brechen kann, sieht er, dass das Auto außen völlig demoliert und zerkratzt ist.

The Hallow - Umweltschutz, the next level

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Der Film startet am 31.12.2015 in deutschen Kinos.
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„The Hallow“ belässt vieles bei Andeutungen, aber macht nicht den Fehler, dem Zuschauer die Karotte zu lange vor die Nase zu halten. Nach knapp 20 Minuten ist bereits das Setup abgefrühstückt, mit der Ankunft, dem Wer und Warum, dem sinistren Nachbarn und dem ersten Zwischenfall, so dass ab dann die Schraube angezogen werden darf. Spätestens jetzt merkt man, dass Regisseur Corin Hardy das Horrorgenre verstanden hat, weil nämlich nicht nur hübsch bedroht, sondern auch handfest geschleimt und geblutet wird. Der Rhythmus des Films ist dabei ruhig drängend, was nichts anderes heißt, als dass die Inszenierung dem Geschehen entspricht. Also keine unmotivierte formale Dauerpanik, und dazu dann zwei Hauptfiguren, die zumindest halbwegs motivierte Entscheidungen treffen.

Wohlgemerkt, motiviert im Horrorrahmen, der genau dieses Paar und genau diesen abgelegenen Handlungsort schon zig mal zuvor gezeigt hat. Die Prämisse von „The Hallow“ ist alles andere als neu und auch der Fortgang der Geschichte entspricht ganz den Einsame-Hütte-im-Wald-Erwartungen. Eine mysteriöse Bedrohung von außen, die Belagerung des Hauses, Angst um das Baby, der altersschwache Generator, panisches Gehetze durch den Wald, eine Ladung „body horror“ - alles bekannt. Bis auf den Kniff, dieses Bekannte absolut souverän umzusetzen, bis hin zu den tollen Monstern, die vor allem „handgemacht“ erscheinen und angenehm oft, aber nicht zu oft vor die Kamera dürfen.