Wir hoffen“, so Produzent David Goyer, „dass The Forest für den Wald wird, was Der weiße Hai fürs Schwimmen im Meer war.“ – Ein hehrer Ansatz, so abgehoben wie abstrus. Ist die Bedrohung, die die Tiefe des Meeres bereithält, doch deutlich realistischer als Geister, die im Wald herumspuken.

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Aber gut, das ist das Werk von Regie-Debütant Jason Zada, der zuvor mit einer Werbeagentur reüssierte und mit verschiedenen Apps weltweit erfolgreich war, durchaus. Wenn auch bei weitem nicht so überragend, wie die Macher sich das selbst gerne vorstellen möchten. Doch eines muss man „The Forest“ auf jeden Fall zugutehalten. Es ist psychologischer Horror, der vor allem durch Stimmung und Atmosphäre punkten kann.

Sara (Natalie Dormer) erhält einen Anruf aus Tokio. Ihre Zwillingsschwester Jess ist verschwunden. Sie ging in den Aokigahara, den berüchtigten Selbstmordwald am Fuß des Mount Fuji. Sarah fliegt sofort nach Japan. Sie spürt, dass ihre Schwester nicht tot ist und will sie suchen, aber jeder warnt sie, den Wald nicht zu betreten. Und wenn doch, dann wenigstens nicht vom Weg abzukommen. Denn wer Trauer im Herzen trägt, so heißt es, wird von den Geistern des Waldes in den Selbstmord getrieben.

Darauf gibt Sara natürlich nichts, lernt den Journalisten Aiden (Taylor Kinney) kennen und macht sich auf in das finstere Dickicht, doch was wird sie dort vorfinden?

The Forest - Im Wald hört niemand Natalie Dormer schreien. Oder doch?

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Der Film erscheint am 04.02.2016 im Kino.
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Die großen Vorbilder

Mit Torture Porn hat Zada nichts am Hut, vielmehr beruft er sich auf Vorbilder, die durch atmosphärisches Kino bekannt sind, so Poman Polanski oder Nicolas Roeg. Das sind große Namen, denen Zada nacheifert. In einem Atemzug mit ihnen kann er aber noch nicht genannt werden, so wie auch „The Forest“ nicht das Zeug dazu hat, dereinst zum Klassiker zu werden. Dafür ist er in seiner Erzählweise zu bodenständig. Er bietet keine wesentlichen Überraschungen, hat aber immerhin den Vorteil, seine Geschichte vor malerischem Ambiente erzählen zu können.

Den Selbstmordwald gibt es wirklich, darin eine Geistergeschichte zu erzählen, ist nicht nur logisch, sondern sorgt auch dafür, „The Forest“ nicht in die Reihe mit anderen Wald-und-Hüttenfilmen zu stellen, die sich normalerweise in Splatter ergehen.

The Forest - Im Wald hört niemand Natalie Dormer schreien. Oder doch?

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Nichts Neues aus Horrorhausen.
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Darauf wird hier gänzlich verzichtet, stattdessen setzt das Skript darauf, geisterhafte Erscheinungen zu zeigen, aber auch die Möglichkeit offen zu lassen, dass das alles nur Einbildung der Hauptfigur ist. Das ist die eigentliche Stärke von „The Forest“, da er dadurch sehr viel psychologischer wird, unterstützt natürlich von „Game of Thrones“-Star Natalie Dormer, die hier eine der seltenen Gelegenheiten hat, nicht nur in einer Haupt-, sondern auch einer Doppelrolle brillieren zu können.

West trifft Ost

Die Geschichte an sich kann nicht wirklich neue Akzente setzen, sie versteht es aber, die Bilderwelten japanischen Horrorkinos mit westlicher Erzählweise zu kombinieren, und das deutlich gelungener als die meisten amerikanischen Remakes von japanischen Erfolgsfilmen.

Inhaltlich wird das Rad nicht neu erfunden, die Mixtur aus westlicher Erzählkunst und japanischer Visualität gefällt jedoch.Fazit lesen

Der Schlüssel mag sein, eine originäre Geschichte zu erzählen, die es erlaubt, beide Erzählkulturen miteinander zu kombinieren. Das hätte eigentlich das Potenzial, zu mehr als der Summe aller Teile zu werden, bisweilen verfällt „The Forest“ aber dann doch zu sehr ins Rezitieren typischer Horror-Klischees. Das gilt vor allem auch für den last scare, der längst zur Pflicht geworden ist, hier aber aufgesetzt und im Kontrast mit der eigentlichen Erzählung erscheint.