Von Beginn an hatten die immer auch als energischer Fan-Service gedachten „Expendables“-Filme nicht nur mit den Egos ihrer Exponenten, sondern vor allem einigen Widersprüchen zu kämpfen. Niemand scheint das so sehr zu wissen wie Sylvester Stallone selbst, der die (Re-)Union dieser vormaligen Actionstars mit jedem neuen Teil ein bisschen anders, ein bisschen besser organisieren will.

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Endlich richtig machen

Den ersten Film zumindest beschrieb Stallone im Rahmen des Filmfestivals von Cannes 2014 als schwerfälliges Experiment, bei dem er noch nicht gewusst habe, in welche Richtung das Projekt gehen sollte (und vielleicht ist genau das – die Ungezwungenheit des Einfach-mal-Machens – der Grund, warum es bislang der beste Film der Reihe ist). „The Expendables 2“ hingegen sei so übertrieben klamaukig, so unwürdig ironisch geraten, dass er es dieses Mal „endlich richtig“ machen wollte.

The Expendables 3 - Rustikale Rentner, Teil III

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Alt vor Jung, erst recht aber vor Schönheit: So digital geglättet sehen die wunderbar verbrauchten Körper der Expendables im Film glücklicherweise nicht aus.
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Stallone, der den Film ebenso wie die beiden Vorgänger künstlerisch dergestalt überwachte, dass jede Entscheidung erst von ihm abgesegnet werden musste, beschreibt die Schwierigkeiten seines ambitionierten Projekts also überraschend selbstkritisch. Und nimmt, über ein relativ offenkundiges Eingeständnis des Scheiterns, Bezug auf manch enttäuschte Fanreaktion, die seine Arbeit offenbar erheblich beeinflusst.

PR-Strategien, natürlich. Aber doch auch erstaunlich in der Verzahnung von Actionmacher und Actionheld: Sein Barney Ross, Strippenzieher jener ausgesonderter Elitekämpfer, die der Titel so uncharmant entbehrlich nennt, ist sowohl für Antrieb (und damit Erhalt) als auch strenge Überprüfung der Expendables verantwortlich. So loyal er sich gegenüber seinen nicht minder enthusiastischen Mitstreitern gibt, so entschieden zeigt er ihnen auch deren Grenzen auf.

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Nach Jean-Claude Van Damme schickt sich Mel Gibson an, die beinharten Actionrüpel aus dem Weg zu räumen. Und Bösewichte kann er erstaunlich gut, der Mel.
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Für „The Expendables 3“ bedeutet das nun erst einmal die Auflösung der Kerntruppe, nachdem Caesar (Terry Crews) einen ihrer üblicherweise spektakulären Einsätze nur schwer verletzt übersteht. Sie sollten sich mehr um sich selbst kümmern, befiehlt Barney seinen Kumpanen Christmas (Jason Statham), Gunnar (Dolph Lundgren), Toll Road (Randy Couture) und dem zu Beginn des Films befreiten Urmitglied Doc (Wesley Snipes), der – so ist das halt mit den Witzchen – wegen Steuerhinterziehung im Knast saß.

Auf sich allein (bzw. ein gewöhnliches Leben) gestellt, wissen die nun buchstäblich verbrauchten Ex-Expendables wenig mit ihrer neuen Freizeit anzufangen. Nickerchen auf dem Hotelboden, Rückzug vor die Glotze, Zeitvertreib am Schießstand: Ganz Unrecht mag Stallone wohl nicht gehabt haben, wenn er seine Mitspieler zu sozialer Kompetenz verdonnerte, weil er schlicht nicht länger verantworten könne, dass sie ihre Leben leichtfertig aufs Spiel setzten.

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Neuzugang der Serie: Harrison Ford bekommt erst im Finale etwas zu tun, kostet seine wenigen Drehtage aber mit sichtlichem Spaß aus.
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Gemeinsam einsam

Eine gewiss späte Einsicht, aber ganz auf Linie Stallonescher Gebrochenheit. Immer schon wollte er als trübseliger Underdog auch alle weniger glorreichen Emotionen des Actionhelden repräsentieren: kämpferisch, aber von Leid erfüllt, effektiv, aber seiner Menschlichkeit beraubt. Ein andächtig-sentimentaler Actionstar, seit jeher. Und ein Image, das vor allem auch im Vergleich zu den Comeback-Bestrebungen seiner Genregefährten von wahrer Grandezza bestimmt ist.

Dieser rustikalen Rückkehr auf die Kinoleinwand im fortgeschrittenen Alter ist auch, aber eben nicht nur mit Humor beizukommen. Der Selbstironie eines Arnold Schwarzenegger, hier erneut als Church zu sehen, setzt Stallone eine kritische Selbstbeschäftigung entgegen, die zumindest innerhalb der „Expendables“-Filme Konsequenzen hat. Das neu formierte Team des dritten Teils stellt die Beschaffenheit ihrer Vorgänger zu Recht in Frage.

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MMA-Kämpferin Ronda Rousey ist ebenfalls neu im Expendables-Team und gibt als beinharte Femme Fatale Luna ihr Kinodebüt.
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Selbstverständlich werden sie, die etablierten Expendables, zuletzt gemeinsam mit ihren jüngeren Nachfolgern (Victor Ortiz, Ronda Rousey, Kellan Lutz) kämpfen. Wird die alte bewährte mit der technisch und körperlich gewieften nächsten Generation versuchen, den irren Waffenhändler (und bezeichnenderweise durchgedrehten Ur-Expendable) Conrad Stonebanks (Mel Gibson) zu besiegen. Und das trotz PG-13-Ratings durchaus ruppig: gute Action bedeutet nicht zwangsläufig blutige Action.

Kompetentes Muskel- und Munitionstheater mit Hundeblick. Nach dem enttäuschenden zweiten Teil wieder ein Schritt in die richtige Richtung.Fazit lesen

Natürlich ist der Paradigmenwechsel nun endgültig eingeläutet, das war er sogar von Anfang an, als Stallone nicht nur sich und andere Genregrößen der 80er-Jahre rekrutierte, sondern ebenso Statham, Austin oder Crews zum nostalgischen Ballerkaffeekränzchen geladen hatte. Genau in solcher Weh- als auch Demut, die bei „The Expendables 3“ zu einer bombastischen Versöhnlichkeit führt, liegt vielleicht der eigentliche Reiz dieser Filme: gemeinsam einsam, mit viel schönem Radau.

Der Rest ist eigentlich nur noch Namedropping, nicht unbedingt im schlechten Sinne, aber das jeweilige Stuntcasting spielt als Verkaufsargument eben doch die größte Rolle: Gerüchte, Bestätigungen, Dementi. Cage drin, Cage draußen. Jackie Chan vielleicht, Milla Jovovich ganz sicher. Steven Seagal bekundet Interesse, muss aber dann doch absagen. Und Bruce Willis will nicht drei, sondern vier Millionen US-Dollar haben. „Greedy and lazy“, twitterte ein enttäuschter Stallone. Ihm sind die Expendables einfach heilig.