Man kann sie kaum noch zählen, die A- und B-Heroen des Actionfilms, die sich in „The Expendables 2“ zur Kollektivklopperei versammeln. Mit Chuck Norris und Jean-Claude Van Damme bügelt der Film innerhalb seines Stunt-Casting-Konzepts zwei der wesentlichsten Missing Links des Vorgängers aus. Jetzt gilt es für den – längst geplanten – dritten Film nur noch DTV-Wampe Steven Seagal vom Videomarkt zu fischen, kleine Rollen für Carl Weathers oder Michael Dudikoff inklusive.

The Expendables 2 - Deutscher Trailer #12 weitere Videos

Rest in Pieces

Schon im ersten Teil schien die Liste derer, die noch fehlen, weitaus kürzer als jene, die sich mit großem Enthusiasmus auf die Kinoleinwand zurückspielten. Das irrsinnige Mashup-Konzept der „Expendables“ schürte Fanerwartungen, die vielleicht nur enttäuscht werden konnten: Nicht wenige zeigten sich irritiert vom offenbar nur noch Kraft ironischer Überhöhung möglichen Muskel- und Munitionstheater, während andere Sylvester Stallones Verzicht bedauerten, die klapprige Actiongarde auch entsprechend altmodisch in Szene zu setzen.

Dabei zeigte sich ja gerade im vielleicht nicht immer ganz passgenauen Humor des ersten „Expendables“-Films dessen charmante Bemühung, das Unmögliche möglich zu machen: A- mit weniger erfolgreichen B-Namen zu vereinbaren, den nach seiner Reaganschen Hochphase zersplitterten Actionfilm noch einmal aufzustellen – und letztlich in den gezeichneten Gesichtern abgehalfterter Genreikonen den Glanz vergangener Tage zu spiegeln. Mit großer Wehmütig- und Versöhnlichkeit, aber auch aufrichtiger, handfester Action.

The Expendables 2 - Dicke Wummen, große Muskeln, dumme Sprüche... Und sonst so?

alle Bilderstrecken
Zu den vielen Stars aus Teil 1 gesellen sich im zweiten auch neue. So wie Chuck Norris.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 14/161/16

Dass so etwas ohne Ironie heute überhaupt nicht mehr vorstellbar ist, heißt nicht unbedingt, ein derartiges Projekt ohne Ernst zu stemmen. Der selbstbezogene Humor des Films, das Ulkige der einstigen Pos(s)en, vermittelte sich eher im Sinne eines ästhetischen Verfahrens romantisch-romantisch. Umso überraschender, oder eher: bedauerlicher, dass die Selbstkomik in „The Expendables 2“ nun zur flachen Verballhornung gerinnt. Die augenzwinkernden Momente des ersten Films weichen hier dauerhaft humorigem Quatsch.

Verschenkte Recken

Chuck Norris betritt den Film nur kurz als Lone Wolf McQuade und erzählt, welch Feinsinnigkeit, einen Chuck-Norris-Witz. Van Damme wiederum hält ellenlange Bösewichtsmonologe, deren parodistische Klugheit einem nicht recht aufgehen mag. Die Recken des Vorgängers hingegen scheinen zu bloßen Wortmeldungen verdammt: Dolph Lundgren gibt nur noch den Clown, Terry Crews und Randy Couture schauen einzig in der Gegend herum.

Packshot zu The Expendables 2The Expendables 2 kaufen: Jetzt kaufen:

Der famose Jet Li verabschiedet sich demgegenüber schon nach wenigen Minuten aus dem Film, während Neuzugang Liam Hemsworth als dramaturgische Funktion auf zwei Beinen zügig das Zeitliche segnet. Irgendwann dann stolpert der – selbst im Verhältnis der anderen Botoxbirnen – schlecht gealterte Arnold Schwarzenegger ins Bild und reißt einen „Terminator“-Witz nach dem anderen (gefühlte einhundert „I’ll be back“-Wortspiele), um am Ende vom (merklich deplatzierten) Bruce Willis verbal eins auf die Mütze zu bekommen.

The Expendables 2 - Dicke Wummen, große Muskeln, dumme Sprüche... Und sonst so?

alle Bilderstrecken
Viel Geballer, nichts dahinter?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 14/161/16

Den Expendables-Bunch hat Regisseur Simon West („Tomb Raider“) ungleich schlechter im Griff als Stallone im Vorgänger. Rückte dieser der Truppe immer ein wenig zu nah auf den Leib, bleibt West wiederum zu sehr auf Distanz – nicht leicht offenbar, all die Schwergewichte gemeinsam in Szene zu setzen, ihnen ikonische Bilder zu schenken. Auch sonst bestimmt Unübersichtlichkeit den Film: Zu viele Schauplätze, ein mehr als fahriges Drehbuch. Im Mittelteil hängt „The Expendables 2“ dann sogar komplett durch, lediglich zu Beginn und im Finale rummst es kräftig.

Zu viel des Guten: Die ausgewogene Mischung aus beinharter Action und sanftem Augenzwinkern mag dem zweiten Film nicht mehr recht gelingen.Fazit lesen

Sicherlich, auch die Fortsetzung macht hier und da noch Spaß, lässt große Freude an der Haudrauf-Zusammenkunft erkennen und schenkt immerhin Jason Statham und Scott Adkins einen würdigen Zweikampf. Doch das vergnügliche Überraschungsmoment des Vorgängers ist dahin, die Weiterentwicklung des Konzepts zu widersprüchlich. Der dritte Film wird sich entscheiden müssen, ob er kantige Altmänner-Action mit einem Augenzwinkern oder doch nur ganz großen, sich selbst im Weg stehenden Ulk fabrizieren will.