Ein britischer Crime-Film ist eigentlich nur dann vollständig, wenn Ray Winstone mitspielt. Zumeist gibt er den Schurken, in „The Crime“ ist er einmal einer der Guten. Oder zumindest das, was einem Guten am nächsten kommt. Er ist der Held seiner eigenen Geschichte, auch wenn sein Handeln moralisch fragwürdig ist.

Jack Regan (Ray Winstone) leitet die Sondereinheit Flying Squad mit George Carter (Ben Drew) als seinem Stellvertreter. Die Einheit gehört zum Besten, was die Londoner Polizei aufzubieten hat. Aber die Sweeneys, wie sie genannt werden, sind nicht unumstritten. Denn unter Regans Führung nimmt das Team das Gesetz in die eigenen Hände. Man schlägt gegenüber der Londoner Unterwelt so hart zu, wie diese es vermeintlich verdient hat. Wenn nötig, dann rücken die Sweeneys auch mit Baseballschlägern an, um eine Botschaft zu vermitteln.

Die Einheit wird von der internen Polizei unter die Lupe genommen. Zeitgleich jagen die Sweeneys einer osteuropäischen Gangster-Bande hinterher, die schon mehrere Banken und Juweliere überfallen hat.

Auch in England liebt man Remakes

„The Crime“ ist das Remake einer britischen Serie aus den 70er Jahren, die unter dem Titel „Die Füchse“ Anfang der 80er Jahre auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde – zumindest zum Teil. Während die Show für den britischen Fernsehkrimi revolutionierend war, ist sie hierzulande weitestgehend vergessen. Man kann „The Crime“ also für sich selbst stehend betrachten, ohne einen Vergleich ziehen zu müssen.

The Crime - Nur die Harten kommen in den Garten

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Harte Cops und böse Gangster.
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Vermutlich würde der Film dabei verlieren, da er kaum auf eigenen Füßen stehen kann. Die Geschichte ist unnötig verkompliziert worden. Komplex im positiven Sinne ist sie aber nicht, eher ziellos mäandernd.

Beinahe hat man das Gefühl, als würde man einen Film sehen, der aus einer Handvoll Episoden zusammengeschnitten wurde. Dementsprechend fühlt sich „The Crime“ auch eher wie ein Fernsehfilm an.

Die Logik ist das erste Opfer

Man ist durchaus bereit, bei Actionfilmen ein paar Zugeständnisse an die Logik der Ereigniskette zu machen. Aber dieses Wohlwollen sollte ein Film nicht über Gebühr strapazieren. „The Crime“ macht aber genau das. Viel zu häufig muss man sich ob des Geschehens wundern. Schön und gut, dass die Sweeneys harte Cops sind – das ändert aber auch nichts daran, dass Festgenommene ihr Recht auf einen Anwalt kennen. Danach fragen tut jedoch keiner. Man lässt sich lieber von den Polizisten verprügeln.

Die Figuren sind frisch vom Reißbrett. Keiner der Protagonisten wird in irgendeiner Weise charakterlich ausgearbeitet. Vielmehr sind es Stereotypen, die hier zum Einsatz kommen. Dass es dennoch halbwegs funktioniert, liegt auch nur daran, dass Ray Winstone Charisma und Präsenz besitzt. Beides täuscht darüber hinweg, dass er nichts hat, mit dem sich schauspielerisch arbeiten lässt.

Packshot zu The CrimeThe Crime

Vorhandenes Talent reicht aber nicht mal bei Damian Lewis‘ („Homeland“) Rolle. Er ist der Vorgesetzte der Sweeneys und gerät immer wieder mit Winstone aneinander. Aber die Figur hat nichts zu bieten, im Grunde ist Lewis nur Staffage, die wohl gedacht ist, den Film für den US-Markt attraktiver zu machen, da er dort dank seines Serienerfolgs ein Star ist.

The Crime - Nur die Harten kommen in den Garten

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Es wird scharf geschossen, aber wenig getroffen.
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Zielen will gelernt sein

Die Action sieht gut aus, die Schießereien rumsen richtig, aber nur an der Oberfläche. Denn wenn man einen Moment innehält, stellt man fest, dass diese ausgebildeten Polizisten nicht mal ein Scheunentor treffen würden, wenn sie direkt davor stünden. Es wird wie wild herumgeschossen, aber mit dem Treffen hapert es ganz gewaltig. Wenn überhaupt, dann wird allenfalls mal jemand aus scheinbarem Zufall von einer Kugel getroffen.

Britischer Crime-Film mit viel Geballer, aber wenig Sinn und Verstand.Fazit lesen

Das lässt die Straßenkämpfe, von denen Regisseur Nick Love so gerne gehabt hätte, dass sie „Heat“ Konkurrenz machen, fast wie eine Parodie erscheinen. Diese Cops sind keine harte Spezialeinheit, sie hätten sich auch in „Hot Fuzz“ ganz gut gemacht.

Unglaublich albern wird es dann noch, wenn am Trafalgar Square ein gewaltiger Schusswechsel stattfindet und kaum ein Zivilist zu sehen ist – an einem der belebtesten Punkte Londons!