The Crazies – Filmkritik

Noch ein Klassiker zu Tode ge-remaked

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von Rajko Burchardt, 25. Mai 2010 14:42 Uhr

Heute im Programm: Mal wieder ein Genre-Remake. Eine Neubearbeitung. Oder Reimagining. Noch-Mal-Machen. Wiederholen. Nachstellen. Und das bemüht aufgepeppt, modernisiert und unterm Strich auch versucht besser, nicht mehr so: langweilig, altbacken, überholt. Ein Vorurteil, zugegeben. Aber zumindest ein Entkopplungsprozess, der den betreffenden Film aus seiner Zeit, seiner Bedeutung, seiner Wirkung löst, um ihn in einer neuen Zeit mit neuer Wirkung und neuer Bedeutung installieren zu können – jede Generation hat das Recht auf ihren Klassiker, neu gemacht. Nun wimmelt es nach 37 Jahren noch einmal vor Verrückten auf der Leinwand: Die „Crazies“ von George A. Romero wurden wiederverfilmt.

Wer ist hier verrückt?

Ein weiteres Romero-Remake, das aus alt neu machen möchte. Nicht vollkommen schlecht, und doch flüssiger als überflüssig.FazitOb der Titel tatsächlich jene durch einen biochemischen Kampfstoff infizierte US-Bürger irgendwo im Nirgendwo umschrieb, stellte zumindest das Original noch in Frage. Die wahren Crazies mag Romero eher in seiner Darstellung von Politikern, Militärs und Wissenschaftlern gefunden haben. Gegen deren knallhartes Kalkül erschien das orientierungs- und hilflose Töten der unschuldigen Betroffenen schließlich nahezu milde, und der zynisch-bittere Schluss unterstrich noch einmal mit Nachdruck, dass – wie schon in Romeros Zombiefilmen – nichts grausamer ist, als die autorisierte Gewalt der hiesigen Verantwortungsapparate und ihrer Entscheidungsträger.

Screenshot zu: Noch ein Klassiker zu Tode ge-remakedDas Ende der Zivilisation? In Ogden Marsh bricht der totale Horror aus.

Der Plot des Originals blieb im Remake Breck Eisners weitgehend erhalten, dessen sperrige Figurenvielfalt hingegen tauschte man gegen schablonenhafte Identifikationsangebote ein. Der „Hitman“ Timothy Olyphant gibt den Provinzsheriff, Radha Mitchell steht ihm als Ehefrau zur Seite. Gemeinsam versuchen sie dem Chaos zu entfliehen, das über ihre bisher so friedvolle Kleinstadt Ogden Marsh hereinbrach. Durch Waffentests der Regierung sind deren mit verseuchtem Trinkwasser in Berührung gekommene Bewohner zu aggressiven Tötungsmaschinen mutiert, während das Militär mit allen Mitteln eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern sucht.

Dieser neue „The Crazies“ ist natürlich ein ganz anderer Film. Er ist ungleich teurer, wesentlich aufwendiger und deutlich detailfreudiger als das Original. Er sieht so aus, wie die meisten Horrorfilme von heute eben aussehen – wie Werbung. Noch der größte Gräuel besitzt einen ästhetischen Wert, und keine Figur würde etwas offensichtlich Peinliches sagen oder tun, weil das der Glaubwürdigkeit abträglich wäre. Spannung und Unterhaltung stehen gleichermaßen im Vordergrund wie Widerspruch zur unangenehmen, bedrohlichen, denkbaren Geschichte eines Films, der sie zumindest 1973 noch aus intuitiven Ängsten heraus formulierte.

Screenshot zu: Noch ein Klassiker zu Tode ge-remaked"The Crazies" ist 2010 deutlich zeigefreudiger (sprich: grafischer) als Anno 1973.

Diese Ängste mögen einst apokalyptischen Krisenbildern aus Vietnam oder Washington entsprungen und dadurch ausschließlich im gesellschaftlichen Kontext verhandelt worden sein, doch sie haben nichts an Aktualität eingebüßt. Die Angst vor der Entwicklung biologischer Waffen, atomarer Rüstung oder, wie jüngst, einer globalen Pandemie, dürfte auch im Jahre 2010 noch ausreichend Potenzial freisetzen, um eine ganze Generation junger wilder Filmemacher zu kreativen Horrorszenarien auf der Leinwand zu motivieren. Die Themen und Stoffe, sie haben mitunter gar an Relevanz gewonnen. Es ist das Genrekino, das ihnen keinen Ausdruck mehr verleihen mag.

Wie sonst ließe sich erklären, dass Eisners Film eine Geschichte über den Ausbruch von gefährlichen Viren oder die Macht des Militärs erzählt, ohne letztlich wirklich etwas darüber erzählen zu wollen. Dass er Romeros teils plakative politische Anklänge nicht in eigene subtile Gesten übersetzt, sondern zugunsten ermüdender Spannungs- und Schockmomente gleich ganz aufgibt. Dass er also den kompletten Bedeutungsverlust sich und seiner Vorlage gegenüber in Kauf nimmt, um nur ein weiterer austauschbarer Horrorfilm mit infizierten Menschen sein zu dürfen, der letztlich sowieso nur der Tradition des Zombiekinos unterliegt.

Kommentare 5
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Gästchen11.06.2010 13:15
Fail...Gamona. 4 von 10 - Gehts noch ?! So schlecht war der nun wirklich nicht!
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Lance UppercutLance Uppercut27.05.2010 22:20
Eigentlich Schade.
Das ganze Horrorgenre ist mir das liebste und wenn ich jetzt schon lese wie schwach dieser Film ist, so komme ich ins grübeln ob ich die 9€ nicht sinnvoler investisieren sollte, in drei Bier zB.
Remakes können auch gut sein, man erinnere sich an Dawn of the Dead. Auch wenn die Kritik vernichtend ist, ich werde mir The Crazies wohl doch anschauen......
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Asnadan26.05.2010 14:47
Bei Gamona merke ich, dass schlechte Filme auch wirklich schlecht abschneiden.

Aber es ist die Natur von Überteuerten Hollywoodprodukten, dass gute Filme selten sind.

Könntet ihr vll mir den Gefallen tun, dass ihr auch Indie-Filme oder Filme bewertet, die in Kleinkinos gezeigt werden? Gerade diese Woche ist "Vertraute Fremde" bei mir im Kleinkino angelaufen. Ich habe ihn (noch) nicht gesehen, aber da ich den Manga gelesen habe, weiß ich, dass gigantisch viel Potenzial besteht.

Weil ihr könntet ja gerade solche Filme testen, da so auch unbekannte Filme vielleicht bekannter werden.
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Rajko BurchardtRajko Burchardt25.05.2010 17:08
Möglich. Wobei das eigentlich leicht verständlich ist in seinen vielen offensichtlichen Bildern sich selbst verbrennender Priester oder erschossener Kinder (im Übrigen schreckt das Remake vor jeglichen drastischen Ausschweifungen zurück).

Ich denke mir, wenn Eisner einen anderen Film hätte machen wollen, wäre das sicherlich auch gar nicht möglich gewesen - der wurde eben engagiert, hatte seinen Job zu erledigen und fertig ist das Hülsenkino.
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wippsenwippsen25.05.2010 16:51
Vielleicht hat der Regisseur das Original auch gar nicht verstanden!?!
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The Crazies
The Crazies FilmplakatRegie: Breck EisnerGenre:HorrorFilmstart: Spieldauer: 101 minDarsteller:Radha Mitchell, Timothy Olyphant
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