Was könnte man alles so schreiben über diesen Thriller? Altmodisch, das wäre das erste Nullwort, das einem so einfällt. Sorgfältig konzipiert. Einigermaßen spannend. Politisch auch noch. Ein ordentlicher Film, der aber unter genau dieser Überfrachtung mit Motiven leidet.

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Middle-brow, so ist Redfords Arbeit geworden, hoch gezielt, ein gutes Stück darunter getroffen. Um Schuld und Verantwortung geht es ihm, um Lebenslügen und ein wenig, weil das in diesem Kontext gut dazu passt, auch um Politik und um Gewalt als legitimes oder eben illegitimes Mittel dieser Politik. Erzählt wird die Geschichte der Weathermen, 40 Jahre danach, einer militanten linken Gruppe, die in den USA der 70er-Jahre ihren Zorn auf das Establishment in einer Serie von Bombenangriffen ausdrückte. Es blieb dabei stets beim Sachschaden.

Nicht so bei Redford: Er erfindet, um das moralische Dilemma und die Getriebenheit seiner Figuren anzuheizen, einen Banküberfall mit tödlichem Ausgang. Damit endete die Karriere der Hollywood-Varianten der Weathermen und ein Leben unter dem Deckmantel der Anonymität begann. Gut, ganz so eng und stickig mag es da nicht gewesen sein, immerhin ist Sharon Solarz, in ihren wenigen Szenen mit beeindruckender Präsenz von Susan Sarandon dargestellt, Mutter und Hausfrau in einer durchaus mittelständischen Familie und Nick Sloan (Robert Redford himself) arbeitet als Jim Grant einigermaßen erfolgreich als Anwalt.

Als Thriller funktioniert der Film recht gut

Und doch hat Solarz einen Entschluss gefasst. Mit sehnsuchtsvollem Blick verabschiedet sie ihren Mann eines Morgens zur Arbeit und ihre Kinder zur Schule, dann steigt sie ins Auto, hält an einer Tankstelle – und wird von einem Großaufgebot der Polizei festgenommen. Solarz beteuert, sie habe sich ohnehin stellen wollen. Der penetrant ehrgeizige Lokalreporter Ben Shepard (Shia LaBeouf) wird auf ihre Geschichte aufmerksam und auf den Mann namens Jim Grant, der damit in irgendeiner Verbindung zu stehen scheint.

Shepard gelingt es schließlich, Grants wahre Identität aufzudecken und zwingt diesen damit zur Flucht. Zur Flucht in seine Vergangenheit und zur Flucht quer durch Amerika, immer auf der Suche nach Mimi Lurie (Julie Christie), der dritten im Bunde, die als einzige die Möglichkeit hätte aufzuklären, was damals wirklich in der Bank geschehen ist.

The Company You Keep - Die Akte Grant - Shia LaBeouf und Robert Redford auf Terroristenjagd

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Shia LaBeouf als Reporter ermittelt.
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Man darf behaupten, dass „The Company You Keep“ es in Deutschland besonders schwer haben wird. Immerhin hat sich der bewaffnete Kampf der RAF hier viel deutlicher ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben wie jener der Weathermen in den USA, und an filmischen Aufarbeitungsversuchen dieser jüngeren Geschichte mangelt es bekanntlich ebenfalls nicht.

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Das amerikanische Kino hat jedoch zweifellos ein Händchen dafür, das Persönliche und das Politische in einer klassischen Spannungsdramaturgie aufgehen zu lassen. Redford hat sich weder dem Subjektivistisch-Sinnierenden hingegeben wie etwa Christian Petzold in „Die innere Sicherheit“ noch sieht er sein Ziel in der oberflächlichen Erfüllung einer Chronistenpflicht im Stile von „Der Baader-Meinhof-Komplex“. Er hat einen Thriller gedreht, und als Thriller funktioniert sein Film auch recht gut.

Ein fader Rest bleibt

Konventionell, aber nicht aufdringlich beschwört er ein farbentsättigtes, analoges Amerika, das aus der Zeit gefallen scheint. Shia LaBeouf ist als Reporter mit Notizblock auf der Jagd nach Informationen statt nach Klicks und trägt dazu passenderweise einen künstlich aufgebrezelten Lockenschopf, der an die Mähne erinnert, die Dustin Hoffman neben Robert Redford durch den Watergate-Thriller „Die Unbestechlichen“ trug. Und auch wenn die Schnitzeljagdmechanik der Handlung schnell durchschaut ist, so beweist Redford doch ein gutes Gespür für den erzählerischen Rhythmus, für Beschleunigung und Atemholen.

Souverän inszenierter Politthriller, der sich aber zu viel vorgenommen hat.Fazit lesen

Keine Frage, der Film ist klug konzipiert und routiniert umgesetzt. Redford nimmt sich die Zeit, in die Gesichter seines hochkarätigen Casts zu schauen, Veteranen der Traumfabrik spielen Veteranen des Polit-Aktivismus. Und sie stellen ihre Falten mit seltenem Stolz zur Schau, Mahnmale für Erfahrung und gelebtes Leben sollen diese sein. Von all dem strotzen auch die Dialoge: von Schuld, möglicher Sühne und Erinnerungen.

Dennoch bleibt an „The Company You Keep“ ein fader Rest. Auch wenn sich die Schauspieler beste Mühe geben, ihre Worte und Taten mit Wahrhaftigkeit und Bedeutung aufzuladen, so bleibt die Folie, vor der sich alles abspielt, dennoch ein Stück weit Behauptung. Womöglich, weil die Reflexion der eigenen Vergangenheit bisweilen übers Phrasenhafte nicht hinausgeht. Womöglich, weil gegen Ende noch ein überflüssiges Familiendrama hinzukommt und die sorgfältig austarierte atmosphärische Balance doch ein wenig ins Seicht-Private hinab zieht.

The Company You Keep - Die Akte Grant - Shia LaBeouf und Robert Redford auf Terroristenjagd

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Robert Redford ist mal wieder "untouchable".
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Oder einfach, weil es die Domäne des Politthrillers doch eigentlich ist, nicht unbedingt mit sich selbst, sondern mit der Korruption und den gewaltförmigen Verhältnissen ins Gericht zu gehen – eine dramaturgisch-argumentative Struktur, die Redfords Film nach dem Roman von Neil Gordon geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. Historie, Politik, Familiengeschichte, das Nachdenken über individuelle Verantwortung und der Enthüllungsplot fügen sich in jedem Falle nicht so lückenlos zusammen, wie es zweifellos Redfords Anspruch gewesen ist.