Mal wieder auf der Flucht, mal wieder allein gegen alle. Entführungsopfer, Terroristen und CIA-Maulwürfe bilden das Gegenpersonal. Und John McClane muss es richten. Doch Vorsicht: Der auf dem Filmposter mindestens die zweite Hauptrolle versprechende Bruce Willis spaziert schon nach wenigen Minuten aus der Handlung und überlässt die actionreiche Suche nach Gerechtigkeit dem auf Nachwuchsstar getrimmten Henry Cavill.

Schweinebacke

Der übernahm zuletzt die Führung im 300-Klon „Krieg der Götter“ und wird kommendes Jahr unter der Regie von Zack Snyder in die enge Superman-Büchse schlüpfen. Die aktuelle Generation mal eben gemachter Blockbuster-U-30-Sternchen aus der Muckibude bleibt da allerdings weiterhin höchst rätselhaft: Cavill ist nach Channing Tatum und Taylor Kitsch der nächste Jung-Actionheld, den die Expendables wohl nicht mal als Fahrer engagieren würden.

„The Cold Light of Day“ ist vor allem erst einmal ein weiterer Willis-Film, in dem Willis nicht mehr Willis sein darf. Dies kündigte sich ja schon im vierten „Stirb Langsam“ an, als man dem Ein-Mann-Helden ein plapperndes Nerd-Jüngelchen zur Seite stellte und damit meinte, den drohenden Zugkraftverlust mittels Buddy-Humors aufwiegeln zu müssen. In der Rentner-Actionkomödie „R.E.D.“ wurde folglich gleich schon mal selbstironisch der Willis-Heldenabgesang eingestimmt: wenn Action-Großväter auf die Kacke hauen.

Nun ja, das also ist dann eben Cavills Film, abgedreht im schönen Madrid während (s)einer Blockbuster-Pause. Cavill spielt einen US-Jungunternehmer (hihi), der mit seiner Familie vor der Küste Spaniens auf Segeltörn geht – und dabei offenbar an Terroristen gerät. Zumindest sind Mama und Anhang nach einem kurzen Ausflug an Land spurlos verschwunden, und weder Polizei noch US-Botschaft scheinen dem ratlosen Will helfen zu wollen.

Zwei Stars auf der großen Leinwand: Einer nach wenigen Minuten tot, der andere unterfordert.

Atemlos

Ehe ihm sein wenige Momente später sang- und klanglos dahinsiechender Vater (Willis) noch mitteilt, eigentlich Topspion zu sein, sind Will auch schon alle möglichen Interessenvertreter auf den Fersen. Die Terroristen entpuppen sich als Geheimagenten auf der Suche nach einem mysteriösen Aktenkoffer (=McGuffin), und eine CIA-Freundin seines Vaters (Sigourney Weaver) scheint ebenfalls in das Spiel verwickelt. Will also muss seine Familie im Alleingang retten und gleichzeitig eine Verschwörung aufdecken, die so mitreißend ist wie ein umfallender Sack Reis.

Mit „The Cold Light of Day“ legt der französische Regisseur Mabrouk El Mechri sein US-Debüt vor, nachdem ihm der Achtungserfolg „JCVD“ (Jean-Claude Van Damme) internationale Türen öffnete. Leider kann er der zigfach gesehenen, bis ins Detail abgenudelten Geschichte keinerlei inszenatorische Impulse verleihen. Die zahlreichen On Location gedrehten Actionszenen lassen jeden Druck vermissen, einzig ein hübscher Stuntsprung in der Mitte des Films wirbelt die nur oberflächlich dynamische Inszenierung kurzzeitig auf.

Ein Film ohne eigene Ideen, der gern mehr gewesen wäre.

Interessante Ansätze sucht man genauso vergeblich wie Konturen in Cavills Spiel. Dessen Figur ist so unsympathisch, dass der Kampf durch die sterbenslangweilige Handlung gleich noch mühseliger wird. Da dürfte man sich natürlich freuen, dass nach Willis' unrühmlichem Abgang zumindest Sigourney Weaver etwas mehr zu tun bekommt, nachdem sie die gleiche Rolle zuletzt nur als Stichwortgeberin im Taylor-Lautner-Stinker „Atemlos – Gefährliche Wahrheit“ spielen durfte, doch sie wiederum bleibt letztlich gnadenlos unterfordert.

Stichwort „Atemlos“: Das war im Prinzip schon der gleiche schlechte Film. Hier wie dort flitzt ein talentfreier Neu-Actionstar durch braches Genreland in 08/15-Inszenierung, hier wie dort müssen die eigentlichen Schauspieler in der hinteren Reihe die zweite Geige (an)spielen. „The Cold Light of Day“ ist so nichtssagend wie sein willkürlicher Titel. Gebrauchsware ohne jeden Bedarf.