Zu sagen, dass „The Canyons“ das Publikum spaltet, wäre fast noch untertrieben. Der mit einem Mikrobudget von 250.000 Dollar produzierte Film erscheint vielen zu kalt und irreal, als dass sie sich auf ihn einlassen könnten oder wollten. Das ist auch grundsätzlich richtig, lässt aber außer Acht, dass die Geschichten von Bret Easton Ellis alle kalt und unnahbar sind, ein Umstand, der sich vor allem durch die Verfilmungen seines Werks zieht.

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Hier hat er ein originäres Drehbuch verfasst, da ein anderes Projekt, das Regisseur Paul Schrader mit ihm realisieren wollte, an der Finanzierung platzte. Ihre Idee war darum, mit eigenem Geld und Crowdfunding einen Film zu produzieren, der günstig war, aber nach Millionen aussehen sollte. Zumindest das ist gelungen. „The Canyons“ sieht nach mehr aus, als er eigentlich ist.

The Canyons - Lindsay Lohan und der Pornostar

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Lindsay Lohan, Drogen und Sex. Was will man mehr?
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Der reiche Christian (James Deen) und die von ihm abhängige Tara (Lindsay Lohan) leben zusammen, führen aber ein sehr ausschweifendes Leben, das auch immer wieder weitere Sexpartner beinhaltet. Christian produziert einen Horrorfilm, für den Tara den jungen Schauspieler Ryan (Nolan Gerard Funk) vorgeschlagen hat. Noch ahnt Christian nicht, dass Tara einst mit Ryan zusammen war und dass sie nach ihrem Wiedersehen ihre sexuellen Abenteuer wieder aufgenommen haben.

Packshot zu The CanyonsThe Canyons

Er wiederum lässt auch nichts anbrennen, spielt mit den Menschen in seiner Umgebung, kann aber den Gedanken nicht ertragen, dass Tara sich mit einem anderen vergnügen könnte.

Voll Porno

Die männliche Hauptrolle ging an einen Mann, für den Ellis eine Faszination entwickelt hat: den Pornostar James Deen (bürgerlicher Name: Bryan Matthew Sevilla), der in den letzten zehn Jahren in weit mehr als 1.000 Hardcore-Streifen mitgespielt hat. „The Canyons“ ist sein erster richtiger Film.

The Canyons - Lindsay Lohan und der Pornostar

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Der Film erscheint bei uns am 17.03.2014 aus Blu-ray/DVD..
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Schrader war anfangs nicht überzeugt, dass ein Pornodarsteller sich auch als echter Schauspieler bewähren könnte. Er hat sich geirrt. Deen ist sehr gut. Er versteht es, die unterschwellige Bösartigkeit seiner Figur zum Vorschein zu bringen. Deen liefert ein erstaunlich vielschichtiges Spiel ab, das ihn durchaus dafür empfiehlt, dem Pornogewerbe den Rücken zu kehren und es mit „echten“ Filmen zu versuchen.

Ein irreal anmutender Film über die Langeweile und die Leere des Lebens. Sex, Macht und Geld sind eben auch nicht alles.Fazit lesen

Ihm zur Seite steht Lindsay Lohan, die damals auf einem Tiefpunkt war und diesen Film mehr brauchte als der Film sie. Sie musste beweisen, dass sie noch halbwegs funktionierte und einen Film abschließen konnte, ohne zum Totalausfall zu werden. Das gelang ihr mehr oder minder. Ihre Darstellung ist gut, die Verzweiflung, die sich in ihren Augen spiegelt, mag auch ein Stückweit erlebt und gefühlt, nicht nur gespielt sein.

Losgelöst

„The Canyons“ hat all das, was eine Ellis-Story auszeichnet. Das sind genau die Elemente, weswegen Zuschauer nicht in den Film hineingezogen werden. Die Geschichte wirkt losgelöst, künstlich, alles andere als real, aber das muss man Ellis-Verfilmungen fast immer unterstellen. Eben darum, aber auch weil es um sein ganz großes Thema – die Langeweile und Leere des Lebens – geht, ist „The Canyons“ nur schwer zugänglich.

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Der Thriller kann mehr, als man auf dem ersten Blick erwarten würde.
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Ellis‘ Geschichten sind existentialistisch, in der Beziehung, dass das Fehlen eines tieferen Sinns immer gegeben ist. Seine Figuren sind innerlich leer, beinahe tot. Sie wissen, dass ihnen etwas fehlt, aber sie können nicht bestimmen, was es ist. Es ist die fehlende Verbindung zu anderen Menschen, die echte Beziehung zu jemandem, die ihnen abgeht, ebenso wie jedwede echte Emotion. Sie empfinden keine Verbindung zu irgendjemandem, und dem Zuschauer geht es mit diesen Figuren nicht anders.

In Ellis‘ Welt ist es Materialismus, der vor allem kommt. Hier ist Sex mechanisch, nur ein Akt, dessen Ergebnis - der Orgasmus - lediglich ein Reflex ist. Intimität gibt es nicht, nur das leere Gefühl, das Geld, Sex oder sozialer Status mit sich bringen, die jedoch für sich gesehen das Leben nicht erträglicher machen. Geld macht nicht glücklich, Sex auch nicht, aber wer wie die Figuren dieses Films physischen Wohlstand über geistigen stellt, der ist am Ende auch nichts anderes als eine leere Hülle.