Die Produktionen von Jason Blum laufen nach demselben ökonomischen Prinzip ab. Sie werden mit einem Mikrobudget – zumindest für Hollywoodverhältnisse – gedreht, haben aber bekannte Schauspieler, weil diese mit einer Gewinnbeteiligung gelockt werden. Das Modell funktioniert, weil Blum immer wieder mal einen „Insidious“ oder „Sinister“ produziert, bei dem die Stars dann wirklich abkassieren. Die Rechnung geht aber natürlich nicht immer auf, und obwohl „The Boy Next Door“ in den USA ganz passabel startete, kann von einem Riesenerfolg keine Rede sein.

The Boy Next Door - Official Trailer

Anders als bei den Geister- und Gruselfilmen, die zumindest ein Jota an Originalität mit sich bringen, ist „The Boy Next Door“ ein grauenhafter Film aus dem Baukasten. Die hässliche Wahrheit: Man hat diesen Film schon dutzendfach gesehen, nur die Besetzung wechselt.

Hier ist es Jennifer Lopez, die von einem Stalker belästigt wird. Aber der Reihe nach: Claire lebt von ihrem Mann getrennt, ist aber noch nicht geschieden, seit er sie betrogen hat. Sie kümmert sich allein um den Sohn Kevin. Jüngst zieht im Haus nebenan ein junger Mann namens Noah ein, der sich schnell mit Kevin anfreundet. Auch Claire mag seine Gesellschaft, aber auf rein platonische Art und Weise, auch wenn er ihr Avancen macht.

The Boy Next Door - Jennifer Lopez spielt "Malen nach Zahlen"

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 14/161/16
Der Film läuft bei uns am 19.03.2014 in den deutschen Kinos an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es kommt, wie es kommen muss: Alkohol, ein schwacher Moment, eine gemeinsame Nacht. Danach will Claire es beenden, aber Noah zeigt schnell, was für ein Psychopath er wirklich ist.

Wer soll hier das Zielpublikum sein?

„The Boy Next Door“ ist an sich ein Film, der zwischen allen Stühlen steht. Einem älteren Publikum, das tendenziell eher von der auch nicht mehr ganz jungen Jlo ins Kino gelockt würde, hat er nichts zu bieten, weil diese Art Geschichte mit einem obsessiven Stalker in genauer dieser Form schon dutzendfach erzählt wurde. Einem jungen Publikum, das eben noch nicht 20 andere Versionen der Geschichte gesehen hat, wird wiederum kaum auf eine Mittvierzigerin als Identifikationsfigur anspringen. Dann doch eher „House at the End of the Street“, der genauso einfallslos sämtliche Klischees heruntergekurbelt hat, aber zumindest mit einer anderen Jennifer aufwarten konnte.

So fragt man sich während der knapp 90 Minuten Laufzeit auch beständig: Wen wollt ihr eigentlich unterhalten? Oder anders gefragt: Will man hier wirklich unterhalten?

The Boy Next Door - Jennifer Lopez spielt "Malen nach Zahlen"

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 14/161/16
Ein Film, den man sich sparen kann.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Vielleicht ja eher nicht, scheinen alle Beteiligten doch nur auf einen möglichst großen Reibach aus zu sein. Da trifft es sich natürlich gut, dass man den Streifen in gerade mal 25 Tagen herunterkurbeln konnte.

Alt und richtig alt

Eine andere Frage, die einen während der Sichtung doch einigermaßen befasst, ist die: Wurde Kristin Chenoweth engagiert, damit Jennifer Lopez im Vergleich besser aussieht? Nicht, dass Lopez das nötig hätte, sie ist immer noch eine sehr schöne Frau, aber die gerade mal ein Jahr ältere Chenoweth sieht aus, als könnte sie Lopez‘ Mutter sein!

Bilderstrecke starten
(39 Bilder)

Natürlich sollten das nicht die Fragen sein, die einen beim Sehen eines Thrillers umtreiben, aber wenn das auf der Leinwand Gebotene so langweilig ist, dann driftet der Geist natürlich ab und sucht sich seine Beschäftigung.

Man weiß, was kommt

„The Boy Next Door“ imitiert die großen Klassiker, ohne auch nur einen einzigen Moment erschaffen zu können, der für den Zuschauer nicht vorhersehbar wäre. Tatsächlich lässt dieses Werk kein Klischee aus, sondern badet sich geradezu darin. Das wäre für sich genommen schon schlimm genug, aber die Dialoge, die auch locker aus einem schwülstigen Fernsehfilm-der-Woche sein könnten, grenzen an Körperverletzung. Dass auch halbwegs gute Schauspieler daraus nichts machen können, versteht sich im Grunde von selbst.