Eine Geschichte wie „The Bling Ring“ wäre perfekt, um die moralische Keule zu schwingen. Davon sieht Autorin und Regisseurin Sofia Coppola aber ab. Sie bleibt distanziert vom Geschehen und lässt es auf den Zuschauer wirken. Was er fühlen soll, will Coppola nicht vorschreiben, der Film soll für sich selbst sprechen.

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„The Bling Ring“ könnte man als perfektes Begleitprogramm zu Harmony Korines Spring Breakers ansehen. Wo der eine sich mit dem pervertierten amerikanischen Traum befasst, seziert die andere die moderne Facebook-Gesellschaft, in der Privatsphäre ein Relikt der Vergangenheit und Ruhm wichtiger ist als eine Leistung, mit der man ihn erlangt. Hauptsache bekannt, das impliziert die Reality-TV-Welt, in der junge Menschen heutzutage aufwachsen. Und manche straucheln in dieser Welt auch.

The Bling Ring - Eine Generation auf der Suche nach Spaß, Ruhm und dem ultimativen Kick

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Eine Generation auf der Suche nach Spaß. Immer. Überall.
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Rebecca (Katie Chang) und ihr homosexueller Kumpel Marc (Israel Broussard) steigen gerne in Häuser von Leuten ein, von denen sie wissen, dass sie gerade nicht in der Stadt sind. Nachdem sie im Haus von Paris Hilton waren, kommen sie später mit ihren Freundinnen Nicki (Emma Watson), Sam (Taissa Farmiga) und Chloe (Claire Julien) wieder. Sie stehlen einige Sachen, aber nicht genug, dass es der Eigentümerin auffallen würde.

So statten sie der Hilton-Residenz noch öfters einen Besuch ab, fangen aber auch an, in die Häuser anderer Promis wie Rachel Bilson oder Audriana Patridge einzusteigen. Auf Partys prahlen sie mit ihren Abenteuern, nichtsahnend, dass ihnen die Polizei bereits auf den Fersen ist…

„The Bling Ring“ ist keine Dokumentation, aber Coppola verleiht dem Film Anflüge dokumentarischer Umsetzung. So arbeitet sie mit Fernsehausschnitten, die das Geschehen kommentieren und schneidet Interviews mit den Tätern in die Handlung, die weit später stattgefunden haben und von der ersten Minute klar darlegen, wie diese Geschichte enden muss – nur dass Dank heutiger Medienwirkung das konsequente Ende einer solchen Einbruchserie überraschend erfolgreich sein kann.

Packshot zu The Bling RingThe Bling Ring

Coppola nutzt die Erzählform auch, um ihrem Film mehr Wirkung zu verleihen, erzählt sie doch von eigentlich ganz normalen Teenagern, die jedoch eines wollen, das das Fernsehen ihnen vorlebt: Spaß, immer, rund um die Uhr, überall!

Reales Vorbild

Obwohl keine Komödie ist „The Bling Ring“ teilweise wirklich witzig, wenn auch auf eine schwarzhumorige Art. Der Film ist eine beißende Satire auf die Gesellschaft, in der sich die heutige Jugend bewegt, er bietet sowohl intime Einblicke als auch schonungslosen Kommentar auf die Reality-TV-Welt, in der man berühmt wird und sein kann, ohne je etwas geleistet zu haben. Er illustriert eine Veränderung in der Wahrnehmung vieler Menschen.

Heute scheint das vornehmliche Ziel, berühmt zu werden, früher kam der Ruhm mit der Profession, die man wählte, weil man gut in etwas war. Am Ende sind auch die Mitglieder des Bling Rings berühmt, jedoch nur aufgrund des Zufalls, wer für lange Zeit verknackt wird und wer diesem Schicksal entkommt, nur um daraus eine Reality-TV-Persona entwickeln zu können.

Porträt einer Gesellschaft, die sich selbst verloren hat, in der Promis und Möchtegerns in Wechselwirkung zueinander leben.Fazit lesen

„The Bling Ring“ basiert auf einer wahren Geschichte, aber nur ein Promi-Haus im Film ist auch ein echter Tatort: das von Paris Hilton, die sich bereit erklärte, ihr Haus für die Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen. Das ist umso kurioser, weil man dadurch Einblick in ein Privatleben erhält und sich fast wie ein Mitglied des Bling Rings fühlt. Hilton absolviert auch einen Cameo-Auftritt, ebenso wie Kirsten Dunst, mit der Sofia Coppola schon zweimal zusammengearbeitet hat.

Sie sind auch dazu da, die unwirkliche Welt der Clubs und Promis zu illustrieren, die auf manche Menschen wie ein Magnet wirkt und auch die Protagonisten des Films in ihren Bann schlägt. Jeder ist gerne mal Mäuschen und sieht sich im Privatleben anderer um, die natürliche Neugier ist einfach viel zu ausgeprägt, als dass man dem weithin einen Riegel vorschieben könnte.

The Bling Ring - Eine Generation auf der Suche nach Spaß, Ruhm und dem ultimativen Kick

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Am Ende geht es nur um eines: 15 Minuten Ruhm. Egal um welchen Preis.
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Auch das ist ein cleveres Spiel des Films, befasst er sich doch damit, wie Privatsphäre abgestreift und ein Leben in der Öffentlichkeit geführt wird – im Großen wie auch im Kleinen. Was die Promis vorleben, imitieren die Teenager, könnte man sagen. Am Ende sind sie aber auch zu unreif, um zu verstehen, was sie angerichtet haben. Speziell eine der letzten Szenen mit Emma Watson macht dies sehr gut deutlich, zeigt aber zugleich auch die Berechnung, wie aus plötzlicher Aufmerksamkeit tatsächlich so etwas wie Ruhm geschmiedet werden kann, auch wenn er nur ganz kurz anhält.