Bewegte Bilder, so Regisseur Barry Levinson (Sleepers, Rain Man), sind nicht länger ein Privileg von Filmemachern. Sie gehören jedem. Mit dem eigenen Handy kann man filmen, was immer man will. Von dieser Annahme ausgehend, hat Levinson seinen neuen Film „The Bay“ gestaltet. Er gehört dem Found-Footage-Genre an, ist aber mehr wie eine Dokumentation gestaltet, die aufzeigt, wie vor einigen Jahren eine Katastrophe stattfand, die von den Behörden unter den Teppich gekehrt wurde.

Die kostengünstige Produktion – man spricht von einem Budget von zwei Millionen Dollar – kam bei uns nicht in die Kinos, konnte aber bei den Fantasy Film Fest Nights gesehen werden. Am 2. August veröffentlicht Koch Media nun die DVD und Blu-ray.

Die Reporterin Donna hat aus Filmmaterial, das von den Behörden eingezogen, aber nicht vernichtet wurde und nun wieder ans Tageslicht gekommen ist, einen Dokumentarfilm gemacht, zu dem sie nun einen erklärenden Text einspricht. Sie berichtet davon, was am 4. Juli 2009 wirklich geschehen ist.

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In der Küstenstadt Claridge wird der Unabhängigkeitstag gefeiert. Alles scheint ganz normal, aber dann bricht das Chaos aus. Menschen werden krank. Sie haben überall am Körper Blasen und Pusteln. Im Krankenhaus ist man überfordert, auch das Seuchenzentrum ist nicht sicher, was hier vorgeht. Während man im CDC fieberhaft nach einer Lösung sucht, geht es in Claridge ums Überleben. Immer mehr Menschen werden krank und den Ärzten dämmert, womit sie es hier wirklich zu tun haben. Der Eingriff ins Ökosystem, die Verschmutzung der Meere, hat ungeahnte Auswirkungen zur Folge…

Found Footage, wie man’s richtig macht

Es braucht einen alten Hasen wie Barry Levinson, um den Jungspunden in Hollywood zu zeigen, wie man aus einem Found-Footage-Projekt einen interessanten und spannenden Film macht. Hier gibt es nicht die Tendenz, einfach wild an der Kamera zu ruckeln, um das Geschehen diffus und schwer greifbar zu machen. Zwar erlaubt man sich den Kunstgriff, auch Kameraeinstellungen zu nehmen, die unter realistischen Umständen nicht möglich wären – der zweite oder dritte Mann, der die Kamera in dem Moment halten würde, fehlt –, aber das ist ein Zugeständnis an das Format und schmälert den Gesamteindruck von „The Bay“ nicht.

The Bay - Nach Angst kommt Panik - Found Footage der besten Art: endlich mal kein mauer Paranormal-Activity-Klon

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Die Katastrophe nimmt ihren Lauf.
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Der Ansatz einer Dokumentation ist auch deutlich interessanter, als wenn man eine Hauptfigur genommen hätte, die sich dann durch die Geschichte wackelt. Das erlaubt es, die Story größer aufzuziehen und verschiedene Blickwinkel zu beleuchten. Davon profitiert der Film speziell in den Szenen, in denen der Arzt aus dem Claridge-Krankenhaus per Skype mit dem CDC konferiert und die Lage immer verzweifelter wird.

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Ein Mysterium, das in der Realität verankert ist

Dass es in „The Bay“ nicht um eine Krankheit geht, kann man schon dem Cover entnehmen. Vielmehr ist es eine Tierart, die für den realen Horror sorgt. Das Besondere daran ist, dass die Filmemacher nicht einfach ihrer Fantasie freien Lauf lassen, sondern dem Schrecken einen authentischen Anstrich verleihen. Es wären sicherlich noch weitere Heilmethoden möglich gewesen, aber die Geschichte sollte auf einen Tag komprimiert sein; trotz Übertreibungen erreicht das Ganze eine richtig beängstigende Qualität.

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Eine Stadt im Ausnahmezustand.
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„The Bay“ ist im Grunde kein Horrorfilm, sondern eher ein ökologischer Katastrophenfilm oder Thriller. Er untersucht, wie ein Outbreak vonstattengeht und wie im Negativfall nicht mehr Heilung, sondern nur noch Eindämmung das Ziel ist.

Dabei dreht Levinson die Spannungskurve immer stärker an. Man könnte seinen Film als „Contagion als Found-Footage und mit mehr emotionaler Wirkungsweise“ beschreiben. Obwohl die Figuren natürlich ungreifbar bleiben, ist ihr Schicksal durchaus erschreckend.

Der alte Hase Barry Levinson wartet mit einem beklemmenden Found-Footage-Film im Dokuformat auf.Fazit lesen

Der Effekt ergibt sich, weil man sich mit der Normalität dieses Lebens identifizieren kann und automatisch darüber nachdenkt, wie man in einer solchen Situation reagieren würde. Und mehr noch: Wie leicht man eigentlich auch zu einem Opfer werden kann – und das durch Dinge, die wir als ganz selbstverständlich ansehen, wie das Wasser, das wir trinken.

Die Beschränkungen des Formats

Levinson hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man aus den beschränkten Möglichkeiten – Kamerakräne sind z.B. tabu – einen effektiven Film macht. Dabei zeigt er, dass das Format einer Dokumentation nervenzerrend spannend sein kann, wenn der Filmemacher weiß, wie er die Anforderungen dieser Filmgattung bedienen muss.

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Das Found-Footage-Format gibt der Geschichte einen beklemmenden Realismus.
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Die Mixtur aus Information und Mysterium ist genau richtig. Dabei steigert sich das Schreckenspotenzial immer deutlicher, je mehr die Geschichte zeigt, was wirklich in Claridge vor sich geht.

Levinsons Philosophie, aber auch, was er mit dem Film zu erreichen versucht, erklärt er in der im Bonusmaterial enthaltenden Kurzdokumentation, mehr aber noch im Audiokommentar, der für alle, die den Film mögen Pflichtprogramm darstellt.